Montag, 10. September: Google vervollständigt den Suchbegriff "b" mit diesen Vorschlägen. © dpa

Seit es die Funktion Autocomplete gibt, wird um sie gestritten. Genau wie Bettina Wulff wollen viele Menschen nicht hinnehmen, was dort angezeigt wird. Autocomplete spiegelte nur wieder, was Menschen bei Google in die Suchmaske eingeben, argumentiert der Konzern. Man selbst habe darauf keinen Einfluss und wolle ihn daher auch nicht nutzen, um die Worte darin zu verändern. Doch teilen diese Auffassung längst nicht alle. Schon mehrfach haben Gerichte in verschiedenen Ländern Google angewiesen, seine Funktion Autocomplete zu zensieren und Wortkombinationen zu löschen. Anbei die Fälle:

Frankreich

Januar 2010: Das Weiterbildungszentrum Centre National Privé de Formation a Distance (CNFDI) klagt gegen Google, weil die Autovervollständigen-Funktion den Ausdruck arnaque (Betrug) zusammen mit seinem Namen anzeigt. In der ersten Instanz gewinnt Google, das Berufungsgericht aber gibt dem Kläger Recht . Begründung: Die Tatsache, dass Google Menschen über ein Formular die Möglichkeit gebe, beispielsweise Beleidigungen anzuzeigen, bedeute, dass menschlicher Einfluss auf die Wortvorschlagsliste möglich sei. Der Ausdruck sei beleidigend, müsse also entfernt werden.

September 2010: Eine Privatperson klagt, weil im Zusammenhang mit ihrem Namen die Ausdrücke "Vergewaltiger" und "Satanist" in der Vorschlagsfunktion erscheinen. Derjenige ist wegen Kindesmissbrauch verurteilt worden, hat dagegen aber Berufung eingelegt. Ein Gericht befindet, die Begriffe seien schmähend . Google muss eine symbolische Wiedergutmachung an den Kläger in Höhe von einem Euro zahlen. Außerdem muss der Konzern die Kosten des Verfahrens tragen.

Juni 2012: Google vergleicht sich mit sechs französischen Anti-Rassismus-Gruppen , die sich über den Ausdruck "Jude" beschweren, der bei verschiedenen prominenten Namen auftaucht. Offensichtlich suchen viele Franzosen danach, ob Prominente, darunter Präsident Fran ç ois Hollande, jüdischen Glaubens sind. Über den Inhalt des Vergleiches schweigen beide Seiten. Eine Klage dieser Gruppen wird damit abgewendet. Deren Argument lautet, in Frankreich sei es illegal, die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Ethnie in einer Datenbank zu speichern.

Irland

November 2011: Die Besitzer eines Vier-Sterne-Hotels in Dundalk verklagen Google, weil zu ihrem Namen der Begriff receivership angezeigt wird, Konkursverwaltung. Dies lege nahe, sie seien in finanziellen Schwierigkeiten, was nicht stimme. Beide Seiten einigen sich auf einen Vergleich . Wie der aussieht, ist nicht bekannt. Google erklärt anschließend, man sei froh über das Ende des Falls. Im Übrigen sei man nicht verantwortlich für die Worte in dem Vorschlagswerkzeug, diese würden von den Nutzern eingegeben und durch verschiedene "objektive Faktoren" erzeugt.

Japan

März 2012: Das Distriktgericht Tokio lässt die Klage eines Privatmannes zu, der der Überzeugung ist, die Autocomplete-Funktion habe ihn seinen Arbeitsplatz gekostet. Gebe man seinen Namen ein, würden Begriffe erscheinen, die nahelegten, er sei kriminell, obwohl er mit den Taten nichts zu tun habe. Er wendet sich an Google, wird jedoch abgewiesen, wie die Japan Times berichtet . Die Begründung lautet auch in diesem Fall, dass die Suchworte automatisch erzeugt würden. Auch nachdem die Klage eingereicht ist, lehnt Google eine Verantwortung ab. Die Hauspolitik Googles sehe nicht vor, in einem solchen Fall die Schlagworte zu löschen.

Italien

April 2011: Ein Gericht in Mailand verurteilt Google, Worte aus der Vorschlagsfunktion zu löschen. Auch in diesem Fall geht es um den Namen einer Privatperson. Wieder legen die Begriffe nahe, er sei ein Betrüger und Hochstapler. Die Begriffe würden von Google erzeugt, befinden die Richter, wie ZDNet berichtet . Google dagegen argumentiert, dass man nicht verantwortlich gemacht werden könne, da man die Inhalte nur bereitstelle. Das Gericht aber ist der Ansicht, dass es Inhalte sind, die von Google selbst produziert werden.

USA

Klagen gab es keine, zumindest wurden keine bekannt. Aber bei mehreren Namen von bekannten Personen fällt auf, dass die Funktion Autocomplete mehr oder weniger abgeschaltet ist. Beispielsweise erfolgen bei der Eingabe von Pamela Anderson und Paris Hilton keine Wortvorschläge. Das legt die Vermutung nahe, dass Google in einzelnen Fällen durchaus filtert. Wann und warum ist nicht ersichtlich. In den allgemeinen Richtlinien heißt es nur: "Wir möchten Ihnen möglichst relevante Suchanfragen anbieten, schließen jedoch Begriffe aus, die in engem Zusammenhang mit Pornografie, Gewalt, Hassreden und Urheberrechtsverletzungen stehen."