Mohammed-VideoIran blockiert Google-Dienste

Das iranische Regime nutzt die Aufregung über das Mohammed-Video, um den Zugang zum Internet weiter einzuschränken und erneut ein eigenes nationales Netz anzukündigen.

Der Iran verschärft seine Internetzensur. Schon seit Anfang 2011 gibt es Pläne, die Bevölkerung vom Internet abzuklemmen und sie nur noch in ein eigenes, vollständig vom Staat kontrolliertes Netz zu lassen. Nun hat das Mohammed-Schmähvideo der Regierung einen Vorwand geliefert, das Thema voranzutreiben. Zunächst werden einige Google-Dienste im Iran blockiert.

Seit der vergangenen Nacht sollen Gmail und die Google-Suche im Iran nicht mehr erreichbar sein – weil auf diesem Wege Links auf das Mohammed-Video verbreitet würden, wie die staatliche Zensurbehörde mitteilte. Laut Guardian reagiert die Regierung mit dieser Maßnahme darauf, dass YouTube sich weigert, den Film von seiner Plattform zu nehmen. YouTube selbst wird im Iran immer mal wieder gesperrt.

Anzeige

"Aufgrund der wiederholten Forderungen der Menschen werden Google und Gmail landesweit gefiltert", hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP in einer SMS der Behörden. Die Einschränkungen gelten demnach "bis auf Weiteres". Internetnutzer aus dem Iran berichten, dass sie die Dienste nur noch über VPN-Tunnel nutzen können.

Bereits im Mai hatte der Iran rechtliche Schritte gegen Google angekündigt, nachdem der US-Konzern beschlossen hatte, den Namen "Persischer Golf" aus seinem Kartendienst Google Maps zu tilgen und das Gewässer stattdessen ohne Namen zu führen. In vielen arabischen Ländern heißt das Gewässer "Arabischer Golf", was der Iran als nicht hinnehmbar bezeichnet.

Nationales Netz soll 2013 fertig sein

Die Nachrichtenagentur Mehr zitiert den stellvertretenden Kommunikations- und Technologieminister Ali Hakim-Javadi mit der Aussage, in den vergangenen Tagen seien "alle Regierungsbehörden und –büros an das nationale Informationsnetz angeschlossen" worden. Als nächstes sollten Privatanschlüsse folgen. Im März 2013 könnte das nationale Netz fertig sein, schreibt die Economic Times.

Bislang ist aber unklar, ob damit wirklich vollständig verhindert würde, dass Iraner auf das globale Internet zugreifen, oder ob sie zumindest als "unkritisch" eingestufte Seiten aus dem Ausland ansteuern können und ob es Ausnahmen für den Handel mit Partnern im Ausland geben wird.

Die islamische Republik hat jetzt schon einen so umfangreichen Internet-Filter wie kaum ein anderes Land. Begründet wird dies offiziell mit anstößigen oder kriminellen Inhalten von Seiten.

 
Leserkommentare
  1. *
    ...ohne Google fällte es dem heutigen Internet Benutzer sehr schwer sich unabhängig und aus verschiedenen Medien zu informieren.
    Die Gefahr der einheitlicher Propaganda durch das Regime der Mullahs könnte dazu genutzt werden, die Iranische Bevölkerung gegen den freien (Google nutzenden) Westen aufzubringen!
    Es droht die Gleichschaltung der Iranischen Medien.
    Westliche Demokratien könnten als Schurkenstaaten, als Allianz des Bösen dargestellt werden.
    Vermutlich würde der Staat der Kleriker seiner Bevölkerung weiß machen wollen, dass u.a. die USA die Atomkraft nicht nur friedlich nutzen und Uranmunition verschießen, wie ein Karnevalsprinz Kamelle verteilt...
    Die Iranische Bevölkerung braucht zwingend einen freien Google Zugang!
    Wir sind die Guten!
    * ;-)

    2 Leserempfehlungen
  2. Als das Netz noch in den Kinderschuhen steckte, hatte ich immer die Vision, dass es das Netz sein wird, dass uns Menschen näher bringen wird und es ein Schritt in Richtung echter Demokratie wird. Aber so wie sich die Dinge entwickeln , je reifer das Netz wird, sehe ich ziemlich schwarz, dass sich die Dinge auch so entwickeln.

    Nicht nur Google, Facebook, Apple und Microsoft arbeiten an eigenen kleinen Netzwerken, anstatt sie zu öffnen und transparent zu machen, sondern jetzt zunehmend auch Staaten.

    Offensichtlich sehen viele Regierungen auf der Welt die Freiheit des Netzes als Existenzgefährdend an, da informierte Bürger sich ja wehren könnten.

    In Zukunft könnte das Internet nur noch aus vielen kleinen eigenen Netzen bestehen, für die wir Bürger sicher einzeln zur Kasse gebeten werden. Unser Wirtschafts- und Politiksystem ist so aufgebaut, dass es am Ende so laufen muss. Alles eine Folge von Wachstum, Sicherheit (für das System) und Profit für die einzelnen Akteure. Die Bürger sind nur noch eine Masse, die es zu manipulieren gilt.

    Der Iran, China, Türkei etc. sind nur die Anfänge.

  3. "Der Iran verschärft seine Internetzensur. Schon seit Anfang 2011 gibt es Pläne, die Bevölkerung vom Internet abzuklemmen und sie nur noch in ein eigenes, vollständig vom Staat kontrolliertes Netz zu lassen. Nun hat das Mohammed-Schmähvideo der Regierung einen Vorwand geliefert, das Thema voranzutreiben. Zunächst werden einige Google-Dienste im Iran blockiert."

    der seine Bevölkerung vom Internet abklemmen möchte,

    aber sicher ist er NICHT der LETZTE Staat, in dem immer wieder gerne darüber nachgedacht wird.

    http://www.ccc.de/de/cens...

    http://de.wikipedia.org/w...

    MfG
    biggerB

    Eine Leserempfehlung
    • Kobuk
    • 24.09.2012 um 13:43 Uhr

    Interessant wäre, warum gerade nur Google davon betroffen ist. Ist auch Bing und Yahoo gesperrt? Wie sieht es aus mit Baidu (china) oder yandex (russland)?

    Also nichtmal ich vertraue Google. Sollte keiner tun, dem Datenschutz nur ein kleines bisschen wichtig ist.

    Das die Iraner nochmal deutlich skeptischer sind, ist soweit verständlich. Das hängt auch damit zusammen, dass die USA den Iranern Software und Server anbietet, die als Proxy agieren und die Zensur umgehen. Nur haben diese Proxyserver wieder eigene Filterregeln und wer weiss, welche Informationen die Amis den Iraner vorenthalten?

    http://en.wikipedia.org/w...

    Ich gehe ausserdem davon aus, dass das Iran Intranet in erster Linie für Industrieanlagen und Versorgungseinrichtungen gedacht ist. Soweit nachvollziehbar nach Stuxnet & Co.

    Übrigens ist die ZEIT nicht gesperrt im Iran.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Habe soeben mit meinem Freund in Tehran gesprochen.
    Google funktioniert ohne Einschränkung , sowie auch Baidu und yandex. ( ohne Proxy natürlich )

    Sogar Google Farsi funktioniert und dies wäre der Link :

    http://www.google.com/web...

    Auf jeden Fall sollte man den Iranern wünschen so schnell wie möglic von Google , Facebook , Twitter und Co. loszukommen , da diese 'Dienstleistungsmaschinen' mittlerweile zu Spionagezwecken missbraucht werden.

    Habe soeben mit meinem Freund in Tehran gesprochen.
    Google funktioniert ohne Einschränkung , sowie auch Baidu und yandex. ( ohne Proxy natürlich )

    Sogar Google Farsi funktioniert und dies wäre der Link :

    http://www.google.com/web...

    Auf jeden Fall sollte man den Iranern wünschen so schnell wie möglic von Google , Facebook , Twitter und Co. loszukommen , da diese 'Dienstleistungsmaschinen' mittlerweile zu Spionagezwecken missbraucht werden.

  4. und die Tilgung "Persian Gulf"....zu diesem Zeitpunkt,
    das hat schon was.....

    Es hieß IMMER "Persischer Golf"...
    NIEMAlS "Arabischer Golf" :)

    YouTube (zu Google gehörend) hat vor einigen
    Tagen das Video von Todenhöfer "10 Thesen gegen dn Hass"
    in der englischen Version rausgenommen....wegen "falscher
    Info" :),das US Mohammed Video ist hingegen weiter zu sehen.

    Dass Google, YouTube und Facebook in den Händen von
    Larry Page und Zuckerman diese Monopolstellungen haben,
    und diese auch politisch nutzen können/werden.....

    wer will das ausschließen ?

    Nach meinem Dafürhalten geschieht dies bereits.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "YouTube (zu Google gehörend) hat vor einigen
    Tagen das Video von Todenhöfer "10 Thesen gegen dn Hass"
    in der englischen Version rausgenommen....wegen "falscher
    Info" :),das US Mohammed Video ist hingegen weiter zu sehen."

    Haben Sie dazu eine Quelle? Wenn diese Entfernung den Tatsachen entspricht, dann ist sie ein Hinweis darauf, wie US-Konzerne wie Google politische Meinungsfreiheit interpretieren. Anscheinend geht diese nur bis zu dem Punkt, an dem eine Kritik schmerzt, und aufgrund ihrer Argumente schwer zu entkräften ist.

    Wie es um die Unabhängigkeit von US-Firmen bestellt ist, konnte jeder sehen, als im Zuge der Vorgänge um wikileaks plötzlich Amazon Web Services, Mastercard, Visa u.a. zeitgleich entdeckt haben, dass ihre Geschäftsbeziehungen zu wikileaks den eigenen AGB widersprechen. Und damit wikileaks die Internetpräsenz genommen und es von Zahlungen abgeschnitten haben. Alles selbstverständlich ganz ohne undemokratische Order von oben, nein, das haben sie aus vorauseilendem Gehorsam gemacht.

    Insofern stimme ich in das Klagelied, dass die Iraner angeblich darin eingschränkt werden, Google und andere zu nutzen, nicht mit ein. Und die Umbenennung des Persischen Golfs ist meiner Ansicht nach eine Provokation.

    "YouTube (zu Google gehörend) hat vor einigen
    Tagen das Video von Todenhöfer "10 Thesen gegen dn Hass"
    in der englischen Version rausgenommen....wegen "falscher
    Info" :),das US Mohammed Video ist hingegen weiter zu sehen."

    Haben Sie dazu eine Quelle? Wenn diese Entfernung den Tatsachen entspricht, dann ist sie ein Hinweis darauf, wie US-Konzerne wie Google politische Meinungsfreiheit interpretieren. Anscheinend geht diese nur bis zu dem Punkt, an dem eine Kritik schmerzt, und aufgrund ihrer Argumente schwer zu entkräften ist.

    Wie es um die Unabhängigkeit von US-Firmen bestellt ist, konnte jeder sehen, als im Zuge der Vorgänge um wikileaks plötzlich Amazon Web Services, Mastercard, Visa u.a. zeitgleich entdeckt haben, dass ihre Geschäftsbeziehungen zu wikileaks den eigenen AGB widersprechen. Und damit wikileaks die Internetpräsenz genommen und es von Zahlungen abgeschnitten haben. Alles selbstverständlich ganz ohne undemokratische Order von oben, nein, das haben sie aus vorauseilendem Gehorsam gemacht.

    Insofern stimme ich in das Klagelied, dass die Iraner angeblich darin eingschränkt werden, Google und andere zu nutzen, nicht mit ein. Und die Umbenennung des Persischen Golfs ist meiner Ansicht nach eine Provokation.

  5. Oh, der Iran will das Internet abstellen - hat schon in Ägypten nicht funktioniert!

    Nachdem man in Ägypten "den Stecker gezogen hat", um das Netz "abzuschalten", haben die Leute einfach ihre uralten Modems rausgeholt und sich "wie früher" über Telefonleitungen ins Netz eingewählt.

    Die Machthaber dieser Welt haben immer noch nicht verstanden, dass ihre Tage mehr oder weniger gezählt sind. Das Netz und die darin enthaltenen Informationen lassen sich nicht mehr ohne weiteres kontrollieren oder wegzensieren - diese Zeiten sind vorbei.

    Wo immer auch zensiert, gesperrt und abgeschaltet wird, werden einfach neue, parallele Strukturen entstehen. Dieser Prozess ist unumkehrbar.
    So ist es seit der Erfindung des Buchdrucks; klar kann man Bücher verbieten und versuchen die Deutungshoheit zu gewinnen - aber irgendwo kreist immer ein verbotenes Exemplar im Untergrund, immer werden irgendwo Flyer gedruckt und tauchen an den unmöglichsten Orten auf.
    Mit dem Internet geht es nur etwas schneller und wird nicht Jahrhunderte brauchen ;).

    2 Leserempfehlungen
  6. Habe soeben mit meinem Freund in Tehran gesprochen.
    Google funktioniert ohne Einschränkung , sowie auch Baidu und yandex. ( ohne Proxy natürlich )

    Sogar Google Farsi funktioniert und dies wäre der Link :

    http://www.google.com/web...

    Auf jeden Fall sollte man den Iranern wünschen so schnell wie möglic von Google , Facebook , Twitter und Co. loszukommen , da diese 'Dienstleistungsmaschinen' mittlerweile zu Spionagezwecken missbraucht werden.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nur Google?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Kobuk
    • 24.09.2012 um 14:31 Uhr

    Vielleicht sollte der Iran sich ein Beispiel an China nehmen und seine eigenen sozialen Netzwerke entwickeln. China hat das sehr erfolgreich gemacht. Egal ob Facebook, Twitter, ebay oder Amazon. Alle haben ein chinesisches Ebenbild und US-Unternehmen haben nahezu keine Marktanteile in China.

    Ich wünschte wir hätten ein deutsches Facebook...

    • Kobuk
    • 24.09.2012 um 14:31 Uhr

    Vielleicht sollte der Iran sich ein Beispiel an China nehmen und seine eigenen sozialen Netzwerke entwickeln. China hat das sehr erfolgreich gemacht. Egal ob Facebook, Twitter, ebay oder Amazon. Alle haben ein chinesisches Ebenbild und US-Unternehmen haben nahezu keine Marktanteile in China.

    Ich wünschte wir hätten ein deutsches Facebook...

    • Kobuk
    • 24.09.2012 um 14:31 Uhr

    Vielleicht sollte der Iran sich ein Beispiel an China nehmen und seine eigenen sozialen Netzwerke entwickeln. China hat das sehr erfolgreich gemacht. Egal ob Facebook, Twitter, ebay oder Amazon. Alle haben ein chinesisches Ebenbild und US-Unternehmen haben nahezu keine Marktanteile in China.

    Ich wünschte wir hätten ein deutsches Facebook...

    Antwort auf "Google Service im Iran"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was soll daran gut sein? Der Witz von Facebook & Co ist dass man weltweit kontakte pflegen kann. Für meine Freunde 3 Strassen weiter brauche ich kein Facebook.

    Auch wenn ich Facbook nur psoradisch benutze, 90% meiner "Freunde" dort sind in anderen Ländern, einschliesslich dem Iran, wo die Leute durchaus Facebook nutzen. Allerdings weiss ich nicht, ob und was da rausgefiltert wird.

    Was soll daran gut sein? Der Witz von Facebook & Co ist dass man weltweit kontakte pflegen kann. Für meine Freunde 3 Strassen weiter brauche ich kein Facebook.

    Auch wenn ich Facbook nur psoradisch benutze, 90% meiner "Freunde" dort sind in anderen Ländern, einschliesslich dem Iran, wo die Leute durchaus Facebook nutzen. Allerdings weiss ich nicht, ob und was da rausgefiltert wird.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, rtr, AFP
  • Kommentare 15
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Iran | Google | Bevölkerung | Film | AFP | Behörde
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service