Leistungsschutz : "Verlage sollten Trend zur Aggregation nicht aufhalten"

Wer Medien gewerblich nutzen will, soll Lizenzgebühren zahlen, findet Christoph Keese. Er fordert ein Leistungsschutzrecht; nur so könnten Verlage ihre Produkte schützen.
Christoph Keese © Jan Woitas dpa

Das Leistungsschutzrecht wird einen Schub von Innovationen und neuen Ideen auslösen. Kritiker, die das bezweifeln, gehen von falschen Voraussetzungen aus. Das Recht errichtet keinen Schutzwall um überholte Geschäftsmodelle: Es gilt nur für das Internet; Produkte auf Papier sind gar nicht erfasst. Vielmehr schafft das Recht die Voraussetzungen für einen boomenden neuen Markt mit modernen Netz-Produkten: Suchmaschinen und Aggregatoren.

Was sind Aggregatoren? Elektronische Angebote, die Texte, Fotos und Videos aus verschiedenen Quellen zusammenfassen und dem Leser bequem wie eine persönliche Internetzeitung auf den Bildschirm liefern. Aggregatoren sind sehr beliebt. Sie sparen dem Leser Wege und Zeit.

Die meisten Aggregatoren zahlen den Urhebern und ihren Verlagen heute kein Geld, sondern bedienen sich kostenlos auf deren Webseiten. Manche Aggregatoren liefern den Verlagen Besucher, weil man sich von ihnen auf die Originalseiten durchklicken kann. Andere versuchen, das Publikum bei sich zu behalten, ihm Abos schmackhaft zu machen oder Werbung zu zeigen. Wieder andere verkaufen die kopierten Artikel weiter an Kunden in der Wirtschaft, denen das Durchsuchen des Web nach Beiträgen über ihre Firma oder Branche zu mühsam wäre.

Offene Arme

Manche Aggregatoren zeigen ungekürzte Texte, manche Auszüge daraus, wieder andere stellen Kurznachrichten zu Überblicken zusammen, die für eilige Leser oft schon ausreichen, ohne noch zu den Originalen klicken zu müssen.

Christoph Keese

Der Wirtschaftsjournalist Christoph Keese war Chefredakteur der Financial Times Deutschland und der Welt am Sonntag. Inzwischen ist er Konzerngeschäftsführer Public Affairs beim Verlag Axel Springer. Er bloggt zum Thema Leistungsschutzrecht unter presseschauder.de.

Verlage wissen, dass sie den Trend zur Aggregation nicht aufhalten sollten. Der Leser hat immer Recht. Wenn Leute gern bei Aggregatoren lesen, müssen Verlage sich darauf einstellen. Verlage begegnen diesem Trend mit offenen Armen. Eines aber können sie nicht akzeptieren: Dass sie den Aggregatoren ihre Vorleistungen kostenlos zur Verfügung stellen sollen. Sie müssen darauf bestehen, ihr Produkt gegen Geld zu lizenzieren.

Leider ist in den vergangenen Jahren ein erbitterter Streit um Lizenzen entbrannt. Viele Aggregatoren beharren aus unterschiedlichen Gründen darauf, sich weiter kostenlos bedienen zu dürfen. Andere, die eher bereit sind, Lizenzverträge abzuschließen, schieben dies immer weiter hinaus, solange wichtige Konkurrenten noch Totalverweigerer sind.

In dieser Lage liefert das Leistungsschutzrecht einen Beitrag zur Lösung des Problems. Es erlaubt Verlagen, rechtlich gegen gewerbliche Angebote vorzugehen, die ohne vorherige Genehmigung kopieren. Private Kopien bleiben kostenlos. Damit wird der Weg geebnet für jene Aggregatoren, die ein faires Geschäft machen möchten. Sie müssen nicht mehr fürchten, auf Dauer von nichtzahlender Gratiskonkurrenz unterlaufen zu werden. Schon heute signalisieren viele Aggregatoren Interesse, Lizenzverträge abzuschließen, sobald das Leistungsschutzrecht kommt.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Warum dann immer Google News als Bösewicht?

Ist schon komisch, jetzt geht es auf einmal um Aggregatoren, die alles überall klauen.

1. Zu Google News - da gibt es die Möglichkeit nicht bei Google News aufzutauchen. Wer also nicht bei Google News gelistet sein will, muß das auch nicht.

2. Wo bitte gibt es ein Studie darüber, daß ich auf der Aggregatoren Seite wie Google News bleibe? Da bekomm ich ja meist nur ein Snippet zu sehen. Interessiert mich ein Artikel muß ich schon noch einen Link klicken und werde auf die Seite des Anbieters verfrachtet.

3. Apropo Links - was bekommen denn die Seiten, die zu den Verlagen verlinken von den Werbeeinnahmen von den Verlagen ab? Schließlich beschaffen sie den Verlagen ja Besucher, Besucher und noch mal Besucher.

4. Wenn jemand einen einfach mal so einen kompletten Artikel klaut und den auf seine eigene Seite einbaut, ist das auch heute schon verboten - außer es steht unter CC-Lizens und diese wird beachtet.

5. Viel Spaß mit Paywalls Herr Keese, find ich gut, dann kann ich nicht mehr ausversehen auf Inhalte ihres Verlages gestoßen werden :-)

Also meine abschließende Frage:
Welche Aggregatoren sind hier gemeint, die da so ungeniert »klauen«?

Hallo, gehts noch?

Was soll dieser Unsinn? Es gibt doch längst Möglichkeiten Kontrolle über seinen eigenen Content zu behalten. Zum einen könnte man über die robots.txt Suchmaschinen und Aggregatoren komplett ausschließen. Möchte man noch gefunden werden, aber nicht das kurze Auszüge vom Text irgendwo erscheinen baut man einfach den nosnippet Meta Tag in die Webseite ein. Warum soll z.B. Google dafür zahlen, dass auf neue Artikel hingewiesen wird und dann auch Besucher schickt mit denen Geld verdient wird? Dafür Geld zu verlangen ist, als würde der Fahrgast Geld vom Taxifahrer verlangen. Außerdem verdient Google an Google News keinen Cent, weil sie dort keine Werbung schalten.
Tut mir leid, aber das Leistungsschutzrecht ist eines überflüssigsten Gesetze von dem ich je gehört habe.