Maker-BewegungIm Internet ist jeder ein Produzent

Das Netz hat Kommunikation und Kultur revolutioniert, nun sind Fabriken dran. 3D-Drucker und Digitaldesign verlegen Innovation nach Hause und bauen Produktionsabläufe um.

3D-Modell eines Mini Cooper bei Thingiverse

3D-Modell eines Mini Cooper bei Thingiverse

Am 28. Mai 2008 replizierte sich ein 3D-Drucker namens RepRap "Darwin" selbst. Er stellte alle Plastikteile her, die zum Bau eines Klons notwendig waren. Der an der Universität Bath in Großbritannien aus diesen Plastikteilen und diversen Materialien aus dem Baumarkt zusammengesetzte Abkömmling produzierte am Tag darauf das erste Bauteil für einen weiteren Drucker. Die sich selbst reproduzierende Maschine, erschwinglich für jeden, war Wirklichkeit geworden.

Das zugrunde liegende Konzept heißt Rapid Prototyping ist gerade dabei, die Welt der industriellen Produktion zu revolutionieren. Das Internet hat die Welt der Kommunikation verändert – und die der Kultur. Nun ist die der Fabriken dran.

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Beispiele dafür gibt es inzwischen viele. Eines hat sich Massimo Banzi zusammen mit einem Kollegen ausgedacht. Arduino ist ein quelloffener Mikrocontroller, eine kleine Platine, die an beliebige Projekte und Anwendungen angepasst werden kann. Ob Roboter oder Quadrocopter oder Waschmaschine – mit den frei zusammensteckbaren Rechnern kann nahezu alles automatisiert und gesteuert werden.

Letztlich ist es ein preiswerter Computer-Bausatz, den jeder weiterentwickeln und verändern darf. Arduinos befinden sich inzwischen in Kunstwerken genauso wie in Satelliten, medizinischen Geräten und unzähligen Hobbyprojekten.

"Ich hätte nie gedacht", sagte Banzi gerade auf der TEDx Konferenz in Berlin, "dass man in Italien Elektronik produzieren und nach China verkaufen kann. Aber es geht." Der Grund dafür sind in erster Linie die Nutzer. Dank der Vielen, die begeistert mit Arduinos löten und programmieren, wachsen immer mehr Anwendungen. Und es gibt immer mehr Ideen, was sich mit den Platinen anstellen lässt.

Jeder darf alles

Genau wie beim RepRap – der auch von Arduinos gesteuert wird –, basieren der Erfolg und die Vielseitigkeit auf der Digitalisierung und dem hohen Maß an Freiheit. Jeder darf alles damit anstellen. Es ist das gleiche Prinzip, das Spielzeuge wie Lego so erfolgreich macht.

Vom Autoproduzenten Henry Ford ist der Satz überliefert, seine Kunden könnten die Wagen in jeder Farbe haben, die sie sich wünschten, solange es nur schwarz sei. Die Industrie, wie sie jetzt mit ihrem Netz aus großen Fabriken und Zulieferern besteht, ist vor allem darauf ausgerichtet, von einer Sache sehr viele Dinge zu erzeugen. Eine Produktion, die dank Techniken wie RepRap und Arduino möglich wird, kann hingegen alle Farben liefern.

Das Internet hat dabei auch hier die Machtverhältnisse umgekehrt. Im Netz ist jeder ein Sender, heißt es in Anlehnung an die sogenannte Radiotheorie, wenn es um die Kommunikation geht. Doch im Internet kann auch jeder ein Fabrikant sein. Die britische Zeitschrift Economist hat bereits die "dritte industrielle Revolution" ausgerufen.

Wer die Daten hat, hat das Bauteil

Außer der Technik zur Herstellung sind auch die Daten vorhanden. Mit RepRap kann jeder sich ein Produkt herstellen, der die Designdatei mit den Kantenlängen und Materialstärken besitzt. In der sogenannten Maker-Szeneto make für machen, bauen – ist es ohnehin usus, Daten von selbst entwickelten Dingen unter einer Creative-Commons-Lizenz allen zur Verfügung zu stellen.

Eine der größten Sammlungen von Produkten zum Selberdrucken bietet die Seite Thingiverse. Die gehört dem RepRap-Konkurrenten Makerbot, der ebenfalls 3D-Drucker herstellt. Auf der Seite finden sich Zehntausende Digitalmodelle vom einfachen Zahnrad bis zu komplexen Konstruktionen. Die Dateien können heruntergeladen werden und wer mit ihnen einen der vielen 3D-Drucker auf dem Markt füttert, kann sich das Teil nachbauen.

Leserkommentare
  1. " Die Industrie, ... ist vor allem darauf ausgerichtet, von einer Sache sehr viele Dinge zu erzeugen "

    Das war einmal. Inzwischen hat doch an den Fließbändern jedes Auto eine andere Farbe.

    3D drucken geht auch mit Stahl. Das nennt sich z.B. Lasercusing, ist aber sehr teuer.

    CAD Zeichnungen sind ein zweidimensionale Sache. Damit kann man nicht direkt 3-dimensionale Modelle erstellen.
    Dazu braucht man schon 3-dimensionale CAD-Modelle.

  2. wird es sicher Urheberrechts-/Patentansprüche seitens der Industrie/Unternehmen fallen...

    "Hey, Sie dürfen sich keinen Toaster von uns Kopieren, das Design ist unsers!"

  3. In Frankreich oder anderen Staaten mit billigem Strom kann das eventuell eine tolle Sache sein. Bei uns mit teurem Öko-Strom hat das keine Zukunft.
    Es ist viel wirtschaftlicher die Sachen in Großserie in Ländern mit billiger Energie herzustellen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Bei uns mit teurem Öko-Strom hat das keine Zukunft."
    Ein berechtigter und schwerwiegender Einwand! Aber auch dieses Problem ist bereits vollumfänglich gelöst:
    http://www.youtube.com/wa...

    "Bei uns mit teurem Öko-Strom hat das keine Zukunft."
    Ein berechtigter und schwerwiegender Einwand! Aber auch dieses Problem ist bereits vollumfänglich gelöst:
    http://www.youtube.com/wa...

  4. Der Stromverbrauch ist nicht das Problem, der hält sich in Grenzen.

    Die Sache geht aber sehr langsam und ist deswegen nur für die Herstellung von Einzelteilen sinnvoll.

    Um so ein Gerät anzutreiben sind aber auch noch ein paar Motoren und Leitungen nötig, die lassen sich nicht so einfach damit herstellen.

  5. Wenn Sie mal den Stromverbrauch pro Teil betrachten, ändert sich das. Das selbst gemachte Teil wird viel teurer als das aus der Großserie.
    Und wahrscheinlich werden die Dinger in Deutschland sowieso verboten, zumal damit in absehbarer Zukunft Waffenteile herstellen könnten.

    http://www.zeit.de/digita...

    Das strenge deutsche Waffengesetz würde dann ja keinen Sinn mehr machen.

    • loboc
    • 08.09.2012 um 6:43 Uhr

    Ja, war schon schräg als ich mein erstes Arduino bestellt habe und auf der todschicken Verpackung (die ich immer noch habe) ein "made in Italy" Kleber prangte.

    Ich kann Arduino wirklich empfehlen, es ist Idiotensicher, meine Programmierkenntnisse beschränkten sich auf ganz wenig Processing, die Grundlage von Arduino: http://processing.org/
    Jeder der sich von diesem Artikel angesprochen fühlt, sollte sich dafür mal einen Sonntag Zeit nehmen.

    Ansonsten halte ich die Kombination von Internet und Post für zukunftsfähiger, so wie es Fritzing macht. Das jeder einen 3D Drucker zuhause hat, halte ich nicht für sinnvoll.

    Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an Banzi, Fry, Reas und alle anderen Männer, die ihre Zeit und ihre Nerven OpenSource opferrn!

    Eine Leserempfehlung
  6. Auch in der Massenproduktion wird dafür sehr viel Strom verbraucht.
    Weil da mit großen Kräften und Drücken gearbeitet wird.

    Für funtionierende Waffen ist die Methode zu ungenau, man braucht da schon noch ein paar Metallteile dazu.

    @Kai Biermann:

    Plastik ist ein Schimpfwort. Selbst Wiki verweist da auf Kunststoffe.

    Der Begriff ist schon seit 100 Jahren etabliert:

    http://www.kunststoffe.de...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Konterrevolution meint:"Auch in der Massenproduktion wird dafür sehr viel Strom verbraucht."

    Ja, aber weniger als im 3D-Drucker und z.B. in China wo der Kohle/Atom-Strom billig ist, und als Industriestrom noch mal subventioniert wird.

    Konterrevolution meint:"Für funtionierende Waffen ist die Methode zu ungenau, man braucht da schon noch ein paar Metallteile dazu."

    Ich zitiere dazu:

    "Und hier ein Videobeweis vom gleichen Autor, dass damit geschossen werden kann."

    http://www.zeit.de/digita...

    Mittlerweile werden übrigens auch Metallteile "gedruckt". Oder Formen gedruckt die es dann später ermöglichen das Metallteile gegossen werden.
    Ich bin übrigens durchaus nicht für ein Verbot von 3D Druckern, sondern finde das ganze phantastisch. Da gehen sicher am Ende Dinge die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.
    Es wäre also besser die Gesellschaft so weit zu verbessern das sie mit diesen Möglichkeiten klar kommt, als Verbote aufzustellen.

    Konterrevolution meint:"Auch in der Massenproduktion wird dafür sehr viel Strom verbraucht."

    Ja, aber weniger als im 3D-Drucker und z.B. in China wo der Kohle/Atom-Strom billig ist, und als Industriestrom noch mal subventioniert wird.

    Konterrevolution meint:"Für funtionierende Waffen ist die Methode zu ungenau, man braucht da schon noch ein paar Metallteile dazu."

    Ich zitiere dazu:

    "Und hier ein Videobeweis vom gleichen Autor, dass damit geschossen werden kann."

    http://www.zeit.de/digita...

    Mittlerweile werden übrigens auch Metallteile "gedruckt". Oder Formen gedruckt die es dann später ermöglichen das Metallteile gegossen werden.
    Ich bin übrigens durchaus nicht für ein Verbot von 3D Druckern, sondern finde das ganze phantastisch. Da gehen sicher am Ende Dinge die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.
    Es wäre also besser die Gesellschaft so weit zu verbessern das sie mit diesen Möglichkeiten klar kommt, als Verbote aufzustellen.

  7. Ob das eine Entwicklung wird wie die des PC, für dessen Nutzung nach Ansicht des damaligen IBM-Chefs nur ein Markt von etwa 5 Geräten bestand und schließlich fast jeder so ein Gerät zumindest nutzt oder ob diese Vision endet wie die aus den 50er Jahren von dem kleinen Atomkraftwerk, das in Zukunft jeder im Keller stehen haben wird, das muss sich trotz aller Begeisterung erst noch weisen, oder ob überhaupt für eine Milliardenbevölkerung genügend Energie und Rohstoffe dafür vorhanden sind, schließlich wachsen die Rohstoffe für den 3-D-Drucker nicht nach.

    Bis dahin sollten wir damit anfangen zu überlegen, wovon wir alle in Zukunft leben wollen, nicht ein jeder ist ein Kreativitäts-Crack ...

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