UrheberrechtOnlineprojekt Musopen befreit klassische Musik

Wer Beethoven aufführen will, hat ein Problem: Viele Aufnahmen und Notenblätter sind geschützt. Das Projekt Musopen spielt Klassik neu ein und schenkt sie allen. von 

Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven  |  © Hulton Archive/Getty Images

Aaron Dunn wollte 11.000 Dollar bei Kickstarter sammeln, um die Musik von Beethoven, Brahms, Sibelius und Tschaikowski in einer für alle frei nutzbaren Version zur Verfügung zu stellen. Die Idee kam gut an: Fast 70.000 Dollar an Spenden sammelte Dunn ein. Inzwischen arbeitet er daran, das weltweit größte Portal für rechtefreie klassische Musik zu bauen.

Musopen heißt die Seite, auf der es bereits Musikstücke von fast 200 Komponisten gibt, eingespielt von diversen Orchestern und Künstlern. Wer will, kann sie herunterladen, anhören, aufführen, abwandeln. Sämtliche Werke sind public domain , also nach amerikanischem Recht öffentliches Gut und dürfen damit zu jedem Zweck frei und kostenlos verwendet werden.

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Nicht nur Musik, auch Noten stellt das Portal zur Verfügung. So gibt es die Partitur der Wassermusik von Friedrich Händel genauso zum Ausdrucken wie die der Oper La Traviata von Giuseppe Verdi .

Lizenzgebühren von Kindergärten

Für viele Projekte, die klassische Musik aufführen oder verwenden wollen, ist das eine erhebliche Erleichterung. Denn die Musik selbst ist zwar nicht urheberrechtlich geschützt, da die Komponisten seit mehr als 70 Jahren tot sind. Doch dürfen eine konkrete Aufnahme oder ein bestimmtes Notenblatt deswegen noch lange nicht einfach so genutzt werden. Das verhindert das sogenannte Leistungsschutzrecht. Für Filme und Musik gibt es das schon länger, für deutsche Medien wird es gerade diskutiert.

Als Folge können Musiklabel und Notenverlage Geld für ihre Mühe verlangen, die entsprechenden Werke einzuspielen oder auszudrucken. Hierzulande wurden beispielsweise Kindergärten aufgefordert, Lizenzgebühren an die Gema zu zahlen , wenn die Erzieherinnen mit den Kindern Lieder singen und dafür Noten kopieren wollen. Und für ein Orchester beispielsweise kann es mehrere Tausend Euro kosten, sich alle Noten eines Stückes zu kaufen, das es aufführen will.

So ist es möglich, dass eigentlich freie Musik trotzdem nicht frei zugänglich ist, weil es keine Aufnahmen von ihr ohne solche Rechte gibt. Für die Vertonung von Filmen, für kleine Orchester und ähnliche Projekte kann das eine hohe Hürde sein.

Die Idee, klassische Musik zu befreien, hatte Dunn als Student am Skidmore College, einer Kunsthochschule im Bundesstaat New York . Seine Kampagne bei Kickstarter diente in erster Linie dazu, ein Orchester zu bezahlen. Die entsprechenden Aufnahmen entstanden dann in Prag .

Fans freier Nutzungsrechte unterstützen das Projekt. So schrieb die amerikanische Electronic Frontier Foundation , es sei ein Jammer, dass solche kulturellen Werke trotz ihres gesellschaftlichen Wertes und ihres hohen Alters "aufgrund von Kopierschutz-Interessen weggeschlossen sind".

Ein ähnliches Projekt gibt es auch für Literatur. Das Projekt Unglue.it versucht , lebenden Autoren ihre Rechte abzukaufen. Bislang allerdings nicht mit so großem Erfolg wie Musopen.

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Leserkommentare
  1. Eine grenzenlos freie Gesellschaft scheitert an übergroßen Egos, die ihre jeweilige Freiheit bis über die Grenzen der Freiheit anderer ausdehnen. Es gibt genug Menschen, die sollte man dringend vor sich selbst schützen. Leider. Es muss ja nicht wirklich so krass sein wie in China, aber eine grenzenlos-freie Gesellschaft so wie sich das Einige vorstellen kann ziemlich schnell ins gesellschaftliche Chaos führen. Egal ob virtuell oder real.

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    In China kann einen Haufen Musik umsonst herunterladen, auch der Schwarzmarkt boomt enorm. Wo ist da das von Ihnen genannte entgegengesetzte Extrem?

    • FranL.
    • 22. September 2012 13:42 Uhr

    Ein Kindergarten hat tatsächlich einmal eine Forderung der GEMA bekommen. Nicht weil die Kinder das Lied singen wollten, sondern weil eine Kindergärtnerin Text und Noten aus dem Internet hochgeladen und für die Eltern der Kinder kopiert hat. Irgendwann gab es da mal einen Fernsehbeitrag.

    Aber Sie haben recht, ich möchte Beethoven nur von einem erstklassigen Orchester hören. Die Aussage, klassische Musik müsse befreit werden, ist Humbug. Es steht jedem der diese Musik hören will frei, sich eine Konzertkarte, CD oder DVD zu kaufen oder ein Konzert im TV zu sehen. Und wer Beethoven selbst spielen möchte, kann sich die Noten kaufen und sich daheim selbst am Klavier oder der Violine ausprobieren. Insofern war klassische Musik noch nie so frei wie heute.

  2. Aber nun stellen Sie sich einmal vor, dieses Projekt würde tatsächlich sehr bekannt werden. Und bei großer Bekanntheit des Projekts lämen durch Crowdfunding sicher ein paar Millionen Euro zusammen.
    Davon könnte man die besten Künstler der Welt engagieren, klassische Musik zu befreien. Künftig könnte - für alle Zeiten - jeder Mensch dieser Erde kostenlos klassische Musik auf höchstem Niveau hören und einem großen Teil der Geldverwertungsmaschinerie der Konzerne wäre auf ewig der Hahn zugedreht.

  3. Die Befreiung bezieht sich auf die allgemeine Zugänglichkeit von Kulturgütern. Und ja, die Digitalisierung ist eine Technik, die es möglich macht, massiv Daten und Informationen kostenlos auszutauschen. Was wollen Sie dagegen machen? Das Fass ist am Rollen und kann nicht mehr aufgehalten werden — ebensowenig wäre es möglich gewesen, die Industrialisierung oder die Eisenbahn (auch beide erst durch technischen Fortschritt ermöglicht) zu verhindern. Nun also: Die Digitalisierung wird auch unsere Gesellschaften durchdringen, neu strukturieren und altgediegene Machtgefüge (in diesem Fall Produzent — Konsument) einreißen.

    Je eher man sich damit abfindet, umso weniger Mühe muss man aufbringen.

    Antwort auf "Freie Gesellschaft?!"
  4. 13. Extreme

    In China kann einen Haufen Musik umsonst herunterladen, auch der Schwarzmarkt boomt enorm. Wo ist da das von Ihnen genannte entgegengesetzte Extrem?

  5. Was heißt bei einer musikalischen Vorführung schon perfekt? Wenn man genau genug hinhört und das Stück kennt, entdeckt man immer irgendwo kleine Fehler, ganz gleich wer spielt. Ich glaube, die absolute Perfektion erwarten vor allem Menschen, die selbst nie Musik gemacht haben, denn wer das tut, weiß, dass es ein sehr, sehr langer Weg ist, bevor man ein paar Seiten Noten, gleich mit welchem Instrument, auch nur halbwegs akzeptabel wiedergeben kann. Wer selbst musiziert, weiß auch, dass man dabei unvergleichlich mehr empfindet als wenn man nur eine CD anhört - ganz egal ob ab und an mal ein Ton nicht ganz stimmt.
    Ich finde es wunderbar, wenn Noten und Aufnahmen von klassischer Musik frei verfügbar sind, gerade weil das diese auch ein wenig aus der "elitären Ecke" herausrückt - vielleicht macht das Hören ja beim einen oder anderen Lust auf mehr.

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    • Panic
    • 23. September 2012 18:33 Uhr

    dass diese Dinge frei verfügbar sind. Ich werde sie mir aber nicht antun. Ich habe ganz einfach nur bestimmte Vorstellungen, wie klassische Musik zu klingen hat. Wenn jemand das Mittelmaß dieses Projekts inspiriert mehr klassische Musik zu hören, gut. Für mich als klassischer Musiker ist es rein musikalisch gesehen nicht interessant.

    Und natürlich spielen auch die Berliner, Bostoner oder Londoner nicht fehlerfrei. Bloß: Sie werden das nicht hören. Und wenn, dann willkommen in der Riege der Rattles, Karajans, Naganos und Bernsteins.

    Wenn jemand für einen Film die 5. von Mahler braucht, dann kann er ja die Aufnahme des Taipee Orchsters benutzen. Auch wenn die dann nicht so klingt, wie die 5. Es ist doch vollkommen klar, dass man nicht einfach die Top 5 Aufnahmen einfach so benutzen darf. Da spielen die begabtesten Musiker eine Interpretation der besten Dirigenten. Warum sollte die Nutzung kostenlos sein? Schließlich ist das Feld der Musiker, die imstande sind diese Art von Musik außergewöhnlich wiederzugeben, einfach zu klein.

    Und wenn jemand wirklich Lust auf klassische Musik in vollendeter Form hat, dann sollte er sich einfach einen Account erstellen: http://www.digitalconcerthall.com/de
    Da kann man jedes Konzert der Berliner "live" mitverfolgen. Über einen Videostream, in bester 48.000 khz Qualität. Außerdem jede Menge Aufnahmen vergangener Konzerte. KOSTENLOS!

    Viel Spaß beim Hören

    cheers

    • Panic
    • 23. September 2012 18:33 Uhr

    dass diese Dinge frei verfügbar sind. Ich werde sie mir aber nicht antun. Ich habe ganz einfach nur bestimmte Vorstellungen, wie klassische Musik zu klingen hat. Wenn jemand das Mittelmaß dieses Projekts inspiriert mehr klassische Musik zu hören, gut. Für mich als klassischer Musiker ist es rein musikalisch gesehen nicht interessant.

    Und natürlich spielen auch die Berliner, Bostoner oder Londoner nicht fehlerfrei. Bloß: Sie werden das nicht hören. Und wenn, dann willkommen in der Riege der Rattles, Karajans, Naganos und Bernsteins.

    Wenn jemand für einen Film die 5. von Mahler braucht, dann kann er ja die Aufnahme des Taipee Orchsters benutzen. Auch wenn die dann nicht so klingt, wie die 5. Es ist doch vollkommen klar, dass man nicht einfach die Top 5 Aufnahmen einfach so benutzen darf. Da spielen die begabtesten Musiker eine Interpretation der besten Dirigenten. Warum sollte die Nutzung kostenlos sein? Schließlich ist das Feld der Musiker, die imstande sind diese Art von Musik außergewöhnlich wiederzugeben, einfach zu klein.

    Und wenn jemand wirklich Lust auf klassische Musik in vollendeter Form hat, dann sollte er sich einfach einen Account erstellen: http://www.digitalconcerthall.com/de
    Da kann man jedes Konzert der Berliner "live" mitverfolgen. Über einen Videostream, in bester 48.000 khz Qualität. Außerdem jede Menge Aufnahmen vergangener Konzerte. KOSTENLOS!

    Viel Spaß beim Hören

    cheers

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    • osawa
    • 24. September 2012 8:24 Uhr

    Sie verkennen hier eindeutig die Tatsachen. Solange der "E"-Musikbetrieb mit jährlichen Milliardensubventionen aus Steuergeldern unterstützt wird, kann hier wohl kaum von "KOSTENLOS" gesprochen werden. Es ist nur recht und billig, dass man seinen finanziellen Unterstützern einen kleinen Gegenwert zukommen lässt.

    • osawa
    • 24. September 2012 8:24 Uhr

    Sie verkennen hier eindeutig die Tatsachen. Solange der "E"-Musikbetrieb mit jährlichen Milliardensubventionen aus Steuergeldern unterstützt wird, kann hier wohl kaum von "KOSTENLOS" gesprochen werden. Es ist nur recht und billig, dass man seinen finanziellen Unterstützern einen kleinen Gegenwert zukommen lässt.

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    • Panic
    • 24. September 2012 10:59 Uhr

    Nur weil etwas subventioniert wird, wollen Sie davon was kostenlos haben? Na, dann gehen Sie mal zu Ihrem Bauern um die Ecke und fragen Sie nach 10 Eiern für lau. Oder wie wäre es mit einer Packung Strom?

    Was wollen Sie eigentlich? Mit der digital concerthall kriegen Sie doch beispielsweise was zurück. Ach, Sie wollen Rang A mit Dirigentendinner?

    Sorry, aber bei Ihnen sehe ich wie so oft nur die Selbstverständlichkeit des "Will ich aber haben". Das Subventionen jede Menge Arbeitsplätze sichern sollten Sie dabei auch nicht vergessen. Ansonsten würde ich mich noch über eine Quelle der "Milliarden" freuen.

    au revoir

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Musik | Film | Urheberrecht | Dollar | Domain | Gema
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