Hugo Awards: Copyright-Software gerät außer Kontrolle
Eine Software, die illegal kopierte Inhalte sperren soll, hat bei der Verleihung der "Scifi-Literatur-Oscars" überreagiert – und die Hugo-Fans mattgesetzt.
© Darryl James / Getty Images

Autor Neil Gaiman setzte gerade zu seiner Dankesrede bei den Hugo Awards an, als der Livestream unterbrochen wurde. (Archivbild)
Science-Fiction ist vielleicht auch deshalb so beliebt, weil die Dummheit heutiger Technik den Menschen von einer besseren Zukunft träumen lässt. Besser jedenfalls als in der Nacht auf Sonntag, als eine Software den Livestream der Hugo-Award-Verleihung unwiederbringlich stoppte, weil sie die dort eingespielten Clips zur Vorstellung der Nominierten als Urheberrechtsverletzungen einstufte.
Der Hugo-Award ist einer der bedeutendsten Preise für Science-Fiction-Literatur, benannt nach dem Erfinder des Begriffs Science-Fiction, Hugo Gernsback. In diesem Jahr fand die Preisverleihung in Chicago statt, während der 70. World Science Fiction Conference (Worldcon). Übertragen wurde sie live über die Streamingplattform Ustream. So sollten Fans im Internet, aber auch Gäste, die im Saal keinen Platz mehr gefunden hatten und in Nebenräumen vor Bildschirmen saßen, die Show verfolgen können.
Das funktionierte so lange, bis der britische Autor Neil Gaiman für seine Arbeit an der britischen TV-Serie Doctor Who ausgezeichnet werden sollte. Ein Ausschnitt der Serie sowie kurze Clips der anderen Nominierten wurden gezeigt, dann setzte Gaiman zu seiner Dankesrede an – und der Livestream brach ab. "Worldcon banned due to copyright infringement" (Worldcon gesperrt wegen Urheberrechtsverletzung) stand auf der Seite von Ustream.
Für Science-Fiction-Fans ist das in etwa so, als würde die Fernsehübertragung der Oscar-Verleihung in dem Moment und endgültig beendet werden, in dem zum ersten Mal Ausschnitte der nominierten Filme gezeigt werden.

Der angeblich Schuldige war schnell gefunden. Ustream arbeitet mit Vobile zusammen. Vobile stellt eine Software zur Verfügung, die Videos auf Ustream mit einer Datenbank abgleicht. Erkennt sie, dass jemand gerade einen urheberrechtlich geschützten Film oder ein solches Video streamt, meldet die Software dies Ustream, damit das Unternehmen die Übertragung nötigenfalls unterbrechen kann. Genau das passierte, als bei der Show die Clips der nominierten Beiträge eingespielt wurden. Wer nun die Übertragung unterbrach, ist nicht ganz klar.
Der Chef der Streamingplattform entschuldigte sich zunächst in einem Blogeintrag für den Abbruch der Übertragung und kündigte an, vorerst nicht mehr mit Vobile zusammenarbeiten zu wollen: "Unser Team nahm eine Flut von Twitter-Nachrichten zur gesperrten Übertragung wahr und versuchte, den Stream wieder in Gang zu bringen. Unglücklicherweise gelang es uns nicht, die Sperre vor dem Ende der Show zu beseitigen."Demnach hatte die Vobile-Software die Entscheidung zur Sperrung der Übertragung selbständig und unwiederbringlich getroffen.
Mittlerweile hat sich aber auch Vobile geäußert – und dementiert. Vobile liefere nur Informationen, welche Konsequenzen daraus gezogen werden, entscheide der Auftraggeber, also in diese Fall Ustream.







Trick 17 mit Selbstüberlistung!
"Der Punkt ist, dass die Fähigkeit zur Übertragung vollkommen von schlecht programmierten Bots abhing. Und sobald diese ihre falschen Entscheidungen getroffen hatten, gab es absolut nichts mehr, was man noch hätte tun können, um den Stream neuzustarten. Falls noch irgendjemand glaubt, Urheberrechtsgesetze könnten die freie Meinungsäußerung nicht stoppen, den wird die automatisierte Zensur der Hugo Awards eines Besseren belehren. Roboter haben eine legitime Übertragung gekillt. Willkommen in der Gegenwart."
Genau DAS ist der Punkt. Und man kann, nein man muß all jenen "Kulturschaffenden", die sich u.a. für diese Art des Urheber"rechtes" eingesetzt haben, mangelnde Kultur vorwerfen - anderenfalls wären sie in der Lage gewesen, die Folgen ihres Handelns korrekt zu bewerten.
Ach was sind wir überrascht, daß die Zensur nach "hinten losgeht"...
Das Urheberrecht ist so kompliziert geworden, dass nicht einmal Computer noch unterscheiden können, was erlaubt ist und was nicht.
*Nicht einmal* Computer können das Urheberrecht korrekt interpretieren? Wie überfordert müssen dann erst Richter, Staatsanwälte und deren Gehilfen sein?
...Kopfschüttel...
... beim Doctor ist die Übertragung ausgefallen. Na wenn da mal nicht der Master dahinter steckt... ;-)
Mal im Ernst: Ich bin für den Schutz des geistigen Eigentums, aber er nimmt mehr und mehr bizarre Züge an.
"Streng genommen ist die Vobile-Software zwar kein "Roboter", aber das ist hier nicht entscheidend."
Annalee Newitz schrieb von einem "Bot". Und das ist eben ein Programm. Das aber nur am Rande.
Entscheidend ist, dass sie etwas erkannt hat, auf das im Artikel praktisch nicht eingegangen wird: Wenn es selbst ein (neutraler) Bot so leicht schafft (legale) Kommunikation zu unterbinden, wie groß ist die Gefahr, dass ebendas politisch motiviert passieren könnte.
Nur um das richtigzustellen: Annalee Newitz schreibt erst "bot", dann "robot".
Nur um das richtigzustellen: Annalee Newitz schreibt erst "bot", dann "robot".
Nur um das richtigzustellen: Annalee Newitz schreibt erst "bot", dann "robot".
Die Bots sind so programmiert, dass nicht mal die Admins von Ustream da einhaken können?
Was ist DAS denn für eine Expertensoftware? Wer nimmt denn bitte als Admin bzw. Verantwortlicher einer Streamingplattform SO was ab?
Das wäre ja noch schöner: Dass mir die Software vorschreibt, was ich zu tun und zu lassen habe.
Allerdings hat die Aktion auch etwas gutes, wie Frau Newitz bereits richtig analysiert hat: Hier wurde bestmöglich demonstriert, wie (ursprünglich sicher wohl gut gemeinte) Software zur Durchsetzung von Urheberrechtsansprüchen, sehr schnell nach hinten los gehen kann. Danke, für diese tolle Argumentationshilfe, Vobile.
habe": Seit Microsoft allgemeiner Zustand.
...haben spätestens mit WIN 7 und evtl. schon Vista mithilfe des DRM (Digital Rights Management) dazu geführt, daß ich inzwischen schon Probleme habe überhaupt meine selbst produz. Filme anzusehen und zu kopieren. Vobile scheint diese Ent- wicklung nun fortzusetzen.
...haben spätestens mit WIN 7 und evtl. schon Vista mithilfe des DRM (Digital Rights Management) dazu geführt, daß ich inzwischen schon Probleme habe überhaupt meine selbst produz. Filme anzusehen und zu kopieren. Vobile scheint diese Ent- wicklung nun fortzusetzen.
I'm sorry, Dave. I'm afraid I can't do that.
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