Tim Berners-LeeErfinder des World Wide Web attestiert Deutschen Mittelmaß

Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web, veröffentlicht einen Länder-Index zum Einfluss des Internets auf die Gesellschaft. Deutschland hat demnach Nachholbedarf.

Sir Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web

Sir Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web

Sir Tim Berners-Lee hat das World Wide Web erfunden, und nun fragt er sich offenbar, was er da angerichtet hat. Gestern abend hat er den Web Index vorgestellt, eine Übersicht darüber, in welchen Ländern das Internet wie stark genutzt wird und wie viel Einfluss es auf die Gesellschaft hat. Deutschland schafft es darin nicht einmal unter die ersten zehn.

Der Index der World Wide Web Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung von Berners-Lee, wertet Daten zur Internetnutzung in 61 Ländern aus. Erfasst wird, wie viel Prozent der Bevölkerung das Netz nutzen, zu welchen Inhalten sie Zugang haben, welche zensiert werden und wie die Infrastruktur sowie die Regulierung aussehen. Außerdem wertet die Stiftung aus, welchen Einfluss das Internet auf die jeweilige Gesellschaft hat. Dazu beobachtet sie, wie verbreitet soziale Netzwerke, E-Partizipation oder auch E-Business sind.

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Das Land, in dem das Internet der Gesellschaft den meisten Nutzen bringt, ist Schweden. Es folgen die USA und Großbritannien. Da es sich nicht um eine Rangliste handelt, in der es nur um die Freiheit des Internets und dessen Nutzung geht, landet China im Mittelfeld, nämlich an 29. Stelle. Deutschland liegt auf Platz 16, dicht gefolgt von Portugal, Spanien und Chile.

Auffällig: Geht es nur um netzpolitische Faktoren wie politische Partizipation via Internet, liegt Deutschland sogar nur auf Rang 23 – direkt hinter Russland. Das liegt unter anderem am – laut Index – bestenfalls durchschnittlichen Einsatzes des Internets für politische Kampagnen oder für die Mobilisierung von Wählern in Deutschland. Negativ ins Gewicht fallen auch die bisher fehlenden Open-Data-Initiativen der Bundesregierung.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Andererseits gehört Deutschland zu den Ländern, in denen das Netz am wenigsten zensiert wird. Hier ist der Wert deutlich besser als der von Russland. Bestnoten bekommt Deutschland außerdem beim Onlinezugang zu Regierungsdaten über Themen wie Wirtschaft, Bildung oder Gesundheit.

Die Quellen für den Web Index sind neben dem Ergebnis eigener Befragungen unter anderem das CIA World Factbook, die Internationale Energieagentur IEA, die Internationale Fernmeldeunion ITU, Reporter ohne Grenzen, die Weltbank sowie Wikimedia-Daten. Der Index, für den die Stiftung eine Anschubfinanzierung von Google in Höhe von einer Million Dollar bekam, soll von nun an jedes Jahr aktualisiert werden, "um das Verständnis für den Wert des Internets für die Menschheit kontinuierlich zu verbessern", wie es auf thewebindex.org heißt.

Denn Berners-Lee ist besorgt über Bestrebungen verschiedener Nationen, das Internet zu zentralisieren, zu kontrollieren und zu zensieren. "Es gibt keinen Aus-Schalter für das Netz", sagte er in London. "Es gibt keinen zentralen Ort, an dem man es abschalten kann." Einen solchen Knopf will Berners-Lee auf keinen Fall, fürchtet aber, dass viele Nationen ihn installieren wollen. "Und wenn das passiert, dann ist es wirklich wichtig, dass jeder Mensch dagegen ankämpft."

 
Leserkommentare
  1. "... gehört Deutschland zu den Ländern, in denen das Netz am wenigsten zensiert wird. ... Bestnoten bekommt Deutschland außerdem beim Onlinezugang zu Regierungsdaten ..."
    Wieso "Mittelmaß"? Ich finde das sind sehr positive Aussagen, denn es geht um Einfluss des Netzes auf FREIHEITLICH-DEMOKRATISCHE Gesellschaften. Sollte es zumindest.

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  2. Wie?! Die Deutschen sind technikfeindlich und hinken der Entwicklung hinterher?

    Das haette ich ja nie fuer moeglich gehalten .......

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    Erzählen Sie uns doch mehr über "Deutsche" und ihre Schrulligkeit. Dieses Gerede von der Rückständigkeit der Deutschen entbehrt doch wirklich jeglicher empirischen Grundlage. Was sind denn vorbildhafte Gesellschaften?

    Erzählen Sie uns doch mehr über "Deutsche" und ihre Schrulligkeit. Dieses Gerede von der Rückständigkeit der Deutschen entbehrt doch wirklich jeglicher empirischen Grundlage. Was sind denn vorbildhafte Gesellschaften?

  3. wow! man hat onlinezugang zu daten seiner eigenen regierung!? und das in einer offiziellen demokratie. sind wir schon soweit, dass selbstverständlichkeiten extra hervorgehoben werden mussen? und wie sieht dieser zugang eigentlich genau aus? z.b. muss man für einige daten des stat. bundesamtes zahlen.

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    Frau Merkels Lieblingdieser? Sie machen hier Aussagen, obwohl auch in Ihren Nachrichten gesagt wird was man als Regierung geheim hält

    Wenn Deutschland eine Demokratie wäre, dann würden wir Zugang zu allem haben was das Web bietet, und es gäbe keine Einmischung. Das Gegenteil ist der Fall. Nur wenn wir vergleichen können, wissen wir welche Informationen gut, und welche schlecht sind. Je mehr zensiert wird, je weniger können sich die Bürger informieren, denn das was wir in den Medien vorgesetzt bekommen sind vorgekaute Informationen und persönliche Meinungen!
    Diejenigen, die das World-Wide-Web als Gefahr bezeichnen nutzen es nicht wirklich... dies sind in den meisten Fällen die von uns gewählten Politiker, diejenigen, die sich von Lobbyisten "beraten" lassen. Politiker die das WWW kontrollieren und zensieren wollen müssen ABGEWÄHLT werden.

    Frau Merkels Lieblingdieser? Sie machen hier Aussagen, obwohl auch in Ihren Nachrichten gesagt wird was man als Regierung geheim hält

    Wenn Deutschland eine Demokratie wäre, dann würden wir Zugang zu allem haben was das Web bietet, und es gäbe keine Einmischung. Das Gegenteil ist der Fall. Nur wenn wir vergleichen können, wissen wir welche Informationen gut, und welche schlecht sind. Je mehr zensiert wird, je weniger können sich die Bürger informieren, denn das was wir in den Medien vorgesetzt bekommen sind vorgekaute Informationen und persönliche Meinungen!
    Diejenigen, die das World-Wide-Web als Gefahr bezeichnen nutzen es nicht wirklich... dies sind in den meisten Fällen die von uns gewählten Politiker, diejenigen, die sich von Lobbyisten "beraten" lassen. Politiker die das WWW kontrollieren und zensieren wollen müssen ABGEWÄHLT werden.

  4. http://www.openpetition.d...

    Bei manchen Themen kann man schmunzeln, einige sind gut, manche sehr gut

    • DgW
    • 06.09.2012 um 20:05 Uhr

    (Sarkasmus)Deutschland hat GEMA, GEZ und andere "Moderne" Institutionen die das Web Fördern und voranbringen wollen.(/Sarkasmus)

    Andererseits gehört Deutschland zu den Ländern, in denen das Netz am wenigsten zensiert wird.

    Selten so gut gelacht. Gerade die Medien sowohl Staatlich als auf Private Zensieren massiv! Hinzu kommt die GEMA und die GEZ Zensur.

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    Zitat: "Andererseits gehört Deutschland zu den Ländern, in denen das Netz am wenigsten zensiert wird. Hier ist der Wert deutlich besser als der von Russland."
    --

    > Mit der Aussage kann man gar nichts anfangen. Das bedeutet alles und nichts.

    Zitat: "Andererseits gehört Deutschland zu den Ländern, in denen das Netz am wenigsten zensiert wird. Hier ist der Wert deutlich besser als der von Russland."
    --

    > Mit der Aussage kann man gar nichts anfangen. Das bedeutet alles und nichts.

  5. Die anglo-amerikanische Rankingverblendung nimmt mittlerweile komische Züge an. Ganz abgesehen davon, dass man in dem Artikel nichts über die statistischen Grundlagen dieser 'Hitliste' im Detail erfährt, halte ich es für ausgesprochen problematisch, dass man offensichtlich aus einer Vielzahl heterogener Quellen (CIA, Reporter ohne Grenzen, IEA, "eigene Befragungen") Datenmaterial zusammensucht und sich daraus normative Aussagen zusammenzimmert. All die genannten Organisationen (außer vielleicht Reporter ohne Grenzen) sind ja nicht unbedingt politisch neutral. Das ist jedenfalls nicht ernst zu nehmen.

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  6. Ich kann mich einem Vorkommentator nur anschließen - diese "Ergebnisse" sind sinlos sowie nutzlos. Es hat ganz den Anschein als wollte ein Engländer sein eigenes Land hochhalten - kein Wunder, die Infrastruktur ist marode, das Land in einer kontinuierlichen Rezession... die Regierung zerfleischt die Reste des Sozialsystems und der NHS. In einer solchen Situation braucht es natürlic Jubelmeldungen... (wie sie auch zur Olympiade praktiziert wurden)

    Vor allem sind die Maßstäbe - ich muss es so sgaen - bekloppt. Welchen nutzen haben Online Netzwerke? Wer ein reales Netzwerk aus persönlichen Kontakten unterhaelt profitier davon viel mehr - weist recht wenn es sich um Netzwerke wie Facebook handelt...

    Und e-Business... Wenn es gute Geschäfte gibt dann geht man da vielleicht gerne hin? Ich kann in England keinen vernünftigen Kleidungsladen sehen... In Deutschland gibt es zum Beispiel Sinn Leffers. Wenn man in Geschäften nur Nahrunsmittel bekommt und sonst wenig vernünftiges ist es selbstverständlich dass das Internet als Kommerzplatform wichtiger wird. Allerdings weiß ich nicht was dass über ein Land Aussagen soll...

    Der einzige sinnvolle Maßstab ist Internetzensur - der Rest ist belanglos.
    Dazu noch zu guter Letzt... In England bekommt man für den gleichen monatlichen Preis in einer Stadt einen Internetanschluss mit etwas einem Viertel der Leistung welche man in einer Deustschen Stadt erhaelt... Qualitativ sind englsiche Internetanschluesse relativ schlecht - relativ zum Preis...

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    Was England (und Schottland) angeht, habe ich dort immerhin fast überall schnell ein Pub oder Café mit kostenlosem und anmeldungsfreiem WLAN-Zugang gefunden. Oft schreiben die Wirte das auch groß hin. In Deutschland muss ich solche Gasthäuser hingegen mit der Lupe suchen und finde auch dann nicht viel, nicht mal mit Anmeldung und gegen Bezahlung.

    Geschäfte, in denen man "nur Nahrunsmittel bekommt und sonst wenig vernünftiges" sind mir übrigens eher selten aufgefallen. Tesco, ASDA und ähnliche Supermärkte haben ungefähr das Sortiment, das ich aus Deutschland kenne. Kleidung habe ich im UK noch keine eingekauft, finde das Sortiment aber auch in Deutschland reichlich mager - Herrenhosen sind hier in der Gegend in anderen Farben als schwarz oder dunkelgrau fast nur in Form von Jeans zu bekommen, wobei bei letzteren dann auch meist nur blau hinzukommt.

    Was England (und Schottland) angeht, habe ich dort immerhin fast überall schnell ein Pub oder Café mit kostenlosem und anmeldungsfreiem WLAN-Zugang gefunden. Oft schreiben die Wirte das auch groß hin. In Deutschland muss ich solche Gasthäuser hingegen mit der Lupe suchen und finde auch dann nicht viel, nicht mal mit Anmeldung und gegen Bezahlung.

    Geschäfte, in denen man "nur Nahrunsmittel bekommt und sonst wenig vernünftiges" sind mir übrigens eher selten aufgefallen. Tesco, ASDA und ähnliche Supermärkte haben ungefähr das Sortiment, das ich aus Deutschland kenne. Kleidung habe ich im UK noch keine eingekauft, finde das Sortiment aber auch in Deutschland reichlich mager - Herrenhosen sind hier in der Gegend in anderen Farben als schwarz oder dunkelgrau fast nur in Form von Jeans zu bekommen, wobei bei letzteren dann auch meist nur blau hinzukommt.

  7. Wo ist denn jetzt der Vorteil, in dieser Liste auf Platz 1 zu sein?! Wenn ich sehe, dass der SPIEGEL zum Beispiel seine Informationen zum Großteil aus Wikipedia und Twitter zusammenträgt, dann bin ich ganz froh, dass wir nicht noch von mehr Interneteinfluss gesegnet sind!

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