3D-DruckerStratasys nimmt Waffendruckern den 3D-Drucker weg

Cody Wilson will zeigen, dass sich mit 3D-Druckern auch Waffen herstellen lassen. Der Hersteller des Druckers fand das nicht gut und holte das geleaste Gerät wieder ab. von Werner Pluta

Die zwei Prototypen der geplanten druckbaren Wiki-Weapon

Die zwei Prototypen der geplanten druckbaren Wiki-Weapon  |  © Defense Distributed

Eine Feuerwaffe aus dem 3D-Drucker wird es vorerst nicht geben: Der Hersteller Stratasys hat der Gruppe Defense Distributed, die Waffen per Rapid Prototyping fertigen will, den 3D-Drucker wieder weggenommen, den Defense Distributed von Stratasys geleast hatte. 



Ziel von Gründer Cody Wilson, einem texanischen Jurastudenten, ist es, eine "Gemeinschaft zum Austausch von Kenntnissen über druckbare Schusswaffen und ihre Herstellung" aufzubauen. Defense Distributed hat dazu die Website Wikiweapon eingerichtet, auf der digitale 3D-Pläne für Waffen veröffentlicht werden sollen.

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Per Crowdfunding hatte die Gruppe im September 20.000 Dollar gesammelt, um einen 3D-Drucker von Marktführer Stratasys zu leasen. Damit wollte Defense Distributed eine Pistole bauen. Die Sammelaktion verlief allerdings nicht ganz reibungslos: Die Plattform Indiegogo entfernte das Projekt der Gruppe nach wenigen Tagen wieder. Das Geld für den 3D-Drucker wurde schließlich per Bitcoin gesammelt. 



Stratasys lieferte zwar einen Drucker vom Typ uPrint SE, forderte diesen aber kurz darauf per E-Mail wieder zurück. Er habe Stratasys geantwortet, dass er mit dem 3D-Drucker zwar eine Waffe bauen wolle, dass er damit aber gegen kein US-Bundesgesetz verstoße, zumal die Waffe auch nicht zum Verkauf gedacht sei, sagte Wilson dem Technikmagazin Wired. 



Nur legal drucken 



Es sei Firmenpolitik von Stratasys, "nicht wissentlich zuzulassen, dass seine Drucker für illegale Zwecke genutzt werden", heißt es in einem Antwortschreiben des Stratasys-Justiziars, das Wilson im Blog zum Projekt namens Defense-Distributed veröffentlicht hat. Deshalb kündige Stratasys den Leasingvertrag und werde eine Rückgabe arrangieren. Am nächsten Tag sei der Drucker abgeholt worden, sagte Wilson. 



Das Unternehmen behalte sich das Recht vor, einen Auftrag zu stornieren, sagte Stratasys laut Wired. Defense Distributed solle die "etablierten Bundes- und Staatsvorschriften befolgen, um in diesem Land eine Feuerwaffe herzustellen, zu verteilen oder bereitzustellen." Wilson hatte in seiner Mail zugegeben, keine Lizenz zur Waffenherstellung zu haben. 



Waffenbau erlaubt 



Das US-Gesetz erlaubt es Bürgern, einfache Handfeuerwaffen selbst herzustellen. Solange diese für den Eigengebrauch sind, müssen sie auch keine Lizenz für die Herstellung erwerben. Es gibt einige Ausnahmen: Verboten ist etwa der Bau von Maschinengewehren oder von Waffen mit abgesägtem Lauf. Eine weitere Einschränkung ist der Undetectable Firearms Act, der grundsätzlich Feuerwaffen verbietet, die nicht mit Metalldetektoren oder Röntgengeräten aufgespürt werden können. 



Wilson sagte Wired, er habe sich beim Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF), der zuständigen Behörde, erkundigt. Dort sei ihm gesagt worden, dass die Herstellung einer Waffe mit einem 3D-Drucker in einer gesetzlichen Grauzone stattfinde, aber wahrscheinlich nicht illegal sei. Er werde aber eine Lizenz zur Waffenherstellung brauchen, um sein Vorhaben durchzuführen. Wilson erwägt, eine solche zu beantragen.

Erschienen bei golem.de

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Leserkommentare
    • las.ziv
    • 02. Oktober 2012 18:31 Uhr

    In Zukunft laden wir uns eine Blaupause herunter, irgendwo aus den Tiefen des Internets, und drucken uns kurzerhand eine Schusswaffe aus.

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    Die drucken "wir" auch aus? Gleich ein gefüllter Mantel mit Spitze oder zum Zusammenbauen wie bei Ikea?

  1. Die drucken "wir" auch aus? Gleich ein gefüllter Mantel mit Spitze oder zum Zusammenbauen wie bei Ikea?

  2. Das Grundgesetz gibt allen Deutschen das RECHT zum Widerstand. Waffen zum Ausdrucken geben uns die MOEGLICHKEIT dazu. Eigentlich nicht zu beanstanden.

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    "(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."

    Der interessante Satzteil ist der letzte Halbsatz: "wenn andere Abhilfe nicht möglich ist".

    Zur Zeit haben wir ein arbeitsfähiges Verfassungsgericht, einsatzbereite Polizei, etc. Abhilfe dürfte dehalb möglich sein, Sie brauchen also kein Waffenlager anzulegen.

    gelernt haben die Verfasser des Grundgesetzes aber dann doch nicht so viel aus Hitler-Deutschland, wie immer gesagt wird, wenn man die Formulierung "Alle Deutsche" liest. Bewohner ohne Deutschen Pass haben also nicht dieses Recht?

  3. 4. Nun ja

    Ob ich jetzt begeistert davon sein soll, daß auf der Welt ein paar unregistrierte Waffen auftauchen?

  4. ...greifft zum Messer !

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    • illyst
    • 03. Oktober 2012 20:45 Uhr

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/se

  5. Auch eine Zahnbürste kann tödlich sein, wenn man empfindliche Stellen angreift. Das gilt auch für Hausschlüssel.

    Theoretisch wäre es auch möglich, sich in seiner Werkstatt eine Pistole zu basteln; Drehbänke kann man sich legal kaufen, wenn man genug Geld hat.

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    Ist nur theoretisch möglich.

    Die Maschinen sind relativ billig, gebrauchte Industriedrehbänke und Fräsmaschinen kann man bei Ebay für ein paar tausend Euro kaufen. Für den Preis eines vernünftigen Gebrauchtwagens sollte man das Werkzeug und die Maschinen kaufen können.

    Aber die muss man auch gebrauchen können. Fräser, Dreher, Werkzeugmacher, etc sind nicht umsonst Ausbildungsberufe.

    Einen 3D Drucker mit einem heruntergeladenen Programm füttern und auf Start drücken kann jeder.
    Aber 99% der Bevölkerung würden schon die Pausen für eine Schußwaffe nicht lesen können, geschweige denn etwas produzieren das dem Plan entspricht.
    Das fängt damit an das man eine Drehbank ausmessen muss. An der sauberen Ausführung dieser Tätigkeit scheitert sogar mancher Dreher.

    • dëfr
    • 02. Oktober 2012 20:29 Uhr

    ..aber so eine Schnappsidee kann doch wieder nur von den Amis kommen. Erst vor kurzem erschien hier ein Bericht darüber...

    ttp://www.zeit.de/politik/ausland/2012-07/USA-waffen

    Was geht nur in deren Köpfen vor? Das wär das letzte was mir einfallen würde, was man mit dieser echt interessanten Zukunftstechnologie alles anfangen kann.

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    daß es Mr. Wilson primär darum geht, eine Schusswaffe selbst herzustellen.
    Das sollte mit etwas Gehirnschmalz und einer vernünftig ausgestatteten Werkstatt auch ohne 3D-Drucker hinzubekommen sein.

    Icvh find's spannend daß jemand versucht, diese doch noch ziemlich junge Technologie auszureizen und mal zu sehen, was machbar ist.
    Sicher kann man über die Wahl des Objektes streiten - aber eine Pistole bringt auf jeden Fall mehr Publicity als wenn er einen Rasierapparat ausdrucken wollte!

    Und dann sollte man nicht vergessen, daß die Jungs und Mädels auf der anderen Seite des salzigen Teiches ein etwas anderes Verhältnis zu Schusswaffen haben...

  6. für hoch belastete Bauteile ausreichen, wird man auf die "Waffe aus dem Drucker" wohl noch länger warten müssen.

    Aber da es viel einfacher geht, funktionsfähige SW herzustellen, braucht es den Drucker auch garnicht.

    Mfg KM

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  • Schlagworte Produktion | Digitalisierung | Computer
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