Kreuz.netStecken Kirchenleute hinter der homophoben Webseite?

Neue Hinweise deuten auf Beziehungen der katholischen Kirche zur Webseite Kreuz.net. Gegner der Hetzseite hoffen, nun endlich die Betreiber finden und anklagen zu können. von 

Seit Wochen dreht sich bei David Berger alles um eine Frage: Wer steckt hinter Kreuz.net? Die Webseite sorgte Anfang Oktober für Aufsehen, als sie den Tod des Komikers Dirk Bach mit den Worten "Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle" kommentierte. Als Koordinator der Kampagne "Stoppt Kreuz.net" des Bruno Gmünder Verlags erhielt Berger eine Vielzahl von Hinweisen zu den Hintermännern der homophoben Webseite.

Viele davon sind technische Ratschläge, um die Verantwortlichen aufzuspüren. Denn die Betreiber des Internetportals blieben bisher unbekannt, weil sie sich verschiedener, oft wechselnder Server im Ausland bedienten. Zuletzt wurde eine Registrierung auf den Bahamas ermittelt.

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Doch es gingen auch konkrete Hinweise auf Personen bei Berger ein. "Die heiße Spur führt nach Österreich", sagt Berger. Die Beweiskette sei zwar noch nicht lückenlos, doch er erwarte, dass es schon bald zu konkreten Aktionen wie Hausdurchsuchungen kommen könne.

Geld und Personal der katholischen Kirche?

Der Theologe vermutet, dass es sich bei den Hintermännern von Kreuz.net um eine drei- bis vierköpfige Redaktion handelt, deren Mitarbeiter der katholischen Kirche angehören. Auch in Hinblick auf die Finanzierung und die Bereitstellung von Informationen sieht Berger Verbindungen zur katholischen Kirche bestätigt. Das Magazin Der Spiegel berichtete jüngst, dass Priester, Kirchenangestellte und mindestens ein Religionslehrer in den Fall involviert seien.

Kreuz.net beschäftigt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Berlin. Der zuständige Staatsanwalt Markus Winkler bestätigt, dass zahlreiche Hinweise unterschiedlicher Art eingegangen seien. Diese habe er an die Polizei weitergeleitet. Über die Art der Hinweise und den aktuellen Stand der Ermittlungen wollte er sich allerdings noch nicht näher äußern.

Sissy Kraus, die den Gmünder Verlag als Anwältin vertritt, erwartet, dass die gesammelten Hinweise des Verlags dazu beitragen, "dass konkrete Maßnahmen, die das Strafprozessrecht ermöglicht, erfolgen können". Ein Gespräch mit der Staatsanwaltschaft sei für kommenden Dienstag geplant. Der Verlag hat Strafanzeige gestellt wegen Volksverhetzung, Verleumdung und Beleidigung unter einer Kollektivbezeichnung.

Berger sagt, dass die vorliegenden Hinweise verschiedenen Ursprungs seien. Einige kämen von Privatpersonen, die teilweise zu dem persönlichen Umfeld der Verdächtigten gehören. Außerdem gebe es eine gute Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche in Österreich. Kirchliche Instanzen in Deutschland täten sich dagegen schwer, mit den Gegnern von Kreuz.net zu kooperieren.

Leserkommentare
    • outis
    • 31. Oktober 2012 16:24 Uhr

    Es wäre zu wünschen, dass den Hetzern von kotz.net das Handwerk gelegt wird. Soweit so gut.
    Allerdings braucht sich die Kirche anscheinend gar nicht erst von solchem Schund zu distanzieren, denn es bringt eh nichts. Die Distanzierung fällt der Öffentlichkeit nicht heftig genug aus, wobewi freilich die Frage aufkommt, ob man zu traditionellen Formen der Distanzierung von Häretikern greifen müsste, um glaubwürdig zu erscheinen. Das wäre der Zeit Redaktion dann wohl auch wieder nicht recht.
    Die Schlagzeile schlägt dem Fass allerdings den Boden aus: weil Frau Schütten die Distanzierung nicht reicht, macht sie kotz.net per rhetorischer Frage zum halboffiziellen Organ der Bischofskonferenz. Wann wird eigentlich bei solchem Journalismus die Grenze zu Hetze und Demagogie überschritten- frage ich rein rhetorisch, versteht sich.
    Zunächst einmal kann die Kirche nichts dafür, wenn Mitarbeiter in ihrer Freizeit anonyme Hetze im Web betreiben.
    Dann ist durch einfache Google-Recherche feststellbatr, dass der im Spiegelartikel genannte Georg May auf kotz.net zwar zitiert wird, aber er publiziert dort nicht. Anstatt Spiegelartikel zu zitieren und unhaltbare Anschuldigungen in den Raum zu stellen, wäre es eine echte journalistische Großtat, wenn die Zeit sich auf ihr Handwerk besänne und mit Recherche, die diesen Namen verdient, dazu beitrüge die tatsächlichen Macher zu finden und zum Schweigen zu bringen.

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    Es wurde im Zusammenhang mit dem Islam vor einigen Monaten oft gefordert, dass die Muslime Schmähungen aushalten müssen. Dies wird auch sowohl von politischen Randgruppen gefordert (Z.Bsp. Rechte) als auch von sozialen Minderheiten gefordert.

    Ich bin nicht dafür, dass wir eine staatlich verordnete Gesinnung haben, deren Abweichungen unter Strafe gestellt wird. Die USA waren hier aus meiner Sicht teilweise ein Vorbild. Obwohl dort keine Nazis mag haben sie beispielsweise deutlich größere Rechte in Sachen Meinungsfreiheit. Ein Negativbeispiel aus den USA wäre die Antikommunistische Hetze, wie sie in den 60ern und 70ern möglich war.
    Letzten Endes muss jede Gesellschaft hier ihre Ballance finden. Die Gesellschaft muss sich im klaren sein, dass es nicht möglich ist in jedem Einzelfall gerecht zu werden und wie Kommentar "3" richtig bemerkt hat - am meisten beschädigt es (wie auch im Falle des Islams) die Gemeinschaft aus der die Hetze kommt.

    Am besten können wir aus meiner Sicht im eigenen Umfeld handeln. Vor allem dann, wenn im eigenen Bekanntenkreis Menschen oder Menschengruppen verunglimpft werden, die nicht unserer persönlichen Gesinnung entsprechen. Also beispielsweise, wenn man sich als konservativer Muslim im Arabischen Raum für Religionsfreiheit einsetzt, wenn man sich im konserviativ-Katholischen Umfeld für die Rechte von Homosexuellen einsetzt oder wenn man im Sekularen Umfeld für die freie Religionsausübung in der Öffentlichkeit einsetzt.

  1. Viel Glück bei dem Bestreben, kreuz.net zu killen. Schade allerdings um diese Gratisbelustigung. Da die Seite meiner Meinung nach bewusst die katholische Kirche schädigen will sollte bei Vorverurteilungen, wie z.B. auch hier im Artikel, und Scheuklappenfahnungen Vorsicht geboten sein. Mitglieder der RKK, die als Privatpersonen Artikel gepostet haben, sind jedenfalls keine heisse Spur, weder zu den Hintermännern, noch zur Involvierung dieser Institution. Man müsste auch belegen, dass IHRE Artikel Straftatbestände beinhalten, sonst wäre es Sippenhaft.
    Übrigens gibt es viele Antischwule Webseiten, komisch, dass sich die Grünen bei kreuz.net so dermassen ins Zeug legen. Kurios Becks Forderung, "die Exkommunikation der Betroffenen" vorzunehmen. Tritt er bei der nächsten Papstwahl an? War es nicht so gewesen, dass "kirchenrechtliche Maßnahmen" im Prinzip grundgesetzwidrig seien? Jaja, die Grünen waren schon immer wie die Wassermelonen: aussen grün, innen rot. Solange es gegen die Kirche geht passts schon.

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    „Schade allerdings um diese Gratisbelustigung“

    Ach so, menschenverachtende Texte sind für Sie "Belustigung".

    „Da die Seite meiner Meinung nach bewusst die katholische Kirche schädigen will...“

    Verschwörungstheorie lässt grüßen;-)

    „Übrigens gibt es viele Antischwule Webseiten, komisch, dass sich die Grünen bei kreuz.net so dermassen ins Zeug legen.“

    Tja, irgendwo muss man halt mal anfangen.

  2. "Kirchliche Instanzen in Deutschland täten sich dagegen schwer, mit den Gegnern von Kreuz.net zu kooperieren." Wie soll die Kooperation aussehen? Sollte diese irgendwie möglich sein, vorrausgesetzt die "Gegner von Kreuz.net" trennen erstmal klar zwischen diesem Webportal und RKK, dann wäre die Kirche auf jeden Fall gut beraten, mitzumachen. Denn den Schaden hat die Kirche, weniger Dirk Bach. "auf grobe Weise missbraucht" trifft es sehr gut, denn bekanntlich liegt der Kirche eine Verunglimpfung von Homosexuellen grundsätzlich fern.
    "Ein Brief des Bruno Gmünder Verlags an die Deutsche Bischofskonferenz blieb bisher jedoch unbeantwortet." Wäre interessant, die Details zu kennen. Vielleicht liegt die Ursache im Brief selbst.

  3. ist ein starkes Stück: Außer den Schwulen wird in diesem Kreuz.net niemand mehr verunglimpft und beschimpft wie etliche Würdenträger der Katholischen Kirche. Das fängt bei einfachen Pfarrern, Klosterleuten und bei Theologen an und hört bei Bischöfen und Kardinälen nicht auf. Die Obszönitäten und Invectiven, mit denen dieses Kreu.net Amtsträger der Katholischen Kirche verunglimpft, betreffen überdies nicht nur den deutschsprachigen Katholizismus, sondern ebenso Mitglieder der römischen Kurie und Amtsträger weltweit. Die Überschrift unterstellt der Kirche, die tatsächlich Opfer des Kreuz.net-Portals ist, eine Täterschaft. Das ist ein journalistisches Fiasko.

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    das eine radikale gruppe konkurenten innerhalb der strukturen in denen ihre protagonisten kariere machen wollen demontiert, z.b. durch öffentliches bloßstellen währe nun wahrlich keine weltprimiere, eher im gegenteil
    erinnern sie sich nur an das eine der 2 wahrhaftig historischen rang einnehmende zitat des erzarchonten(f.j.s.) bzgl freunden....

    • TDU
    • 31. Oktober 2012 16:59 Uhr
    5. Bitte?

    "Noch mehr als von einem Gerichtsurteil verspricht er sich allerdings von kirchenrechtlichen Maßnahmen. Dazu gehöre auch die Exkommunikation der Betroffenen, sollte sich die Verbindung zwischen Kirchenmännern und Kreuz.net bestätigen. "Das wäre für Gläubige das wichtigere Signal"

    Bitte? Haben wir den Grünen zu befehlen wie die mit unliebsamen Personen umgehen oder nicht umgehen?. Ich hätte mit Oswald Metzger debattiert statt ihn raus zu werfen.

    Und die Gläubigen, wieso sorgt der sich um die, sind so blöde nicht.

    Allerdings wird es endlich Zeit, dass die Kirche ein Zeichen setzt. Man braucht die Sexuallehre gar nicht zu bemühen.

    Hass geht nicht im Namnen der katholischen Kirche.

    Sogar der 166 könnte greifen. Diese Seite diffamiert mich als Gläubigen und Miglied der katholischen Kirche und ist geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören.

    Würden die sich irgendwo Live aufbauen, würden sie es merken, dass die andere Wange hinhalten im Fall von Hass und Diffamierung nicht gilt.

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    • outis
    • 31. Oktober 2012 17:14 Uhr

    Lieber TDU, die Frage ist, ob man einen Strafantrag stellen darf, wenn man als Katholik und somit Teil der Kirche hier zum Hintermann dieser krankhaften Webseite erklärt wird.
    Dass die Grünen zu Exkommunikationen aufrufen ist allerdings das Lachhafteste, das ich gelesen habe, seit seinerzeit hier auf Zeit-Online im Zuge der Skandale um sexuelle Gewalt im Klerus Änderungen in den Katechismus diktiert wurden.

  4. das eine radikale gruppe konkurenten innerhalb der strukturen in denen ihre protagonisten kariere machen wollen demontiert, z.b. durch öffentliches bloßstellen währe nun wahrlich keine weltprimiere, eher im gegenteil
    erinnern sie sich nur an das eine der 2 wahrhaftig historischen rang einnehmende zitat des erzarchonten(f.j.s.) bzgl freunden....

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    ""6. kein argument
    das(s) eine radikale gruppe konkur(r)enten innerhalb der strukturen(,) in denen ihre protagonisten kar(r)iere machen wollen(,) demontiert (wen?), z.b. durch öffentliches bloßstellen(,) wäh(-)re nun wahrlich keine weltpr(i-e)miere, eher im gegenteil(.)
    erinnern sie sich nur an das eine der 2 wahrhaftig historischen rang einnehmende(n) zitat(e) des erzarchonten(f.j.s.) bzgl(.) freunden....""

    ... Ich habe Ihren Text zu editieren versucht (Klammern). Groß- und Kleinschreibung hätten auch nicht weitergeholfen.

    Nun frage ich mich immer noch: "WAS wollen Sie uns eigentlich sagen?" ---

    Es stimmt zwar, dass konkurrierende Gruppen in solchen Strukturen öfters mal versuchen können, sich gegenseitig zu diffamieren (Strauss-Kohl?). Diese Strategie existiert. Wer aber die RKK von innen kennt, muss zu dem Schluss kommen, dass dieses gehässige Niedermachen von Leuten á la kreuz.net untypisch katholisch ist. Hätte eine machthungrige Avantgarde nun diesen Weg gewählt, um die Hierarchie der Kirche von unten anzugreifen, bräuchte man ihr keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Beim katholischen Volk stösst diese Art nämlich auf Granit.
    Ich kenne selbst Leute die wohl den Piusbrüdern nahe stehen, sich aber mit der RKK nicht überworfen haben. Denen können Sie alles vorwerfen von erzkonservativ bis verstockt, aber sie sind total vergeistigt, teilweise passiv, und würden sich bei drohenden Schlammschlachten lieber zurück ziehen.

    "...Beim katholischen Volk stösst diese Art nämlich auf Granit.
    Ich kenne selbst Leute die wohl den Piusbrüdern nahe stehen, sich aber mit der RKK nicht überworfen haben. Denen können Sie alles vorwerfen von erzkonservativ bis verstockt, aber sie sind total vergeistigt, teilweise passiv, ..."

    Das mag ja Ihre Meinung sein, aber ist das nicht eine sehr märchenhafte Spekulation, die keinen Anlass zur Verallgemeinerung bietet?
    Ich habe von den Diskussionen um ihren hetzenden, anti"semitischen" Bruder Williamson ganz andere öffentliche Stellungnahmen von Pius-Brüdern in Erinnerung.
    Und der haltlose und diffamierende Glaube, dass Homosexualität eine heilbare Erkrankung oder Perversion sei, ist in "christlich" "konservativen" Kreisen nach wie vor weit verbreitet.

    • outis
    • 31. Oktober 2012 17:14 Uhr

    Lieber TDU, die Frage ist, ob man einen Strafantrag stellen darf, wenn man als Katholik und somit Teil der Kirche hier zum Hintermann dieser krankhaften Webseite erklärt wird.
    Dass die Grünen zu Exkommunikationen aufrufen ist allerdings das Lachhafteste, das ich gelesen habe, seit seinerzeit hier auf Zeit-Online im Zuge der Skandale um sexuelle Gewalt im Klerus Änderungen in den Katechismus diktiert wurden.

    Antwort auf "Bitte?"
    • Atan
    • 31. Oktober 2012 17:26 Uhr
    8. [...]

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