VideoplattformPornos für eine bessere Welt

Zwei Italiener wollen der Pornografie zu einem besseren Image verhelfen. Dazu bauen sie eine Pornovideoplattform auf, deren Werbeerlöse für gute Zwecke gespendet werden. von Christian Klaß

Solche Buttons bekommen Unterstützer des Projekts "Come4 – Porn with Heart" als Dankeschön.

Solche Buttons bekommen Unterstützer des Projekts "Come4 – Porn with Heart" als Dankeschön.  |  © come4.org

Come4.org heißt eine in Entwicklung befindliche Porno-Website, die zum Anschauen und Hochladen von eigenen erotischen bis pornografischen Fotos und Videos einlädt. Die generierten Werbeeinnahmen wollen die Betreiber nach eigenen Angaben fast komplett an Hilfsprojekte auszahlen.

Zugelassen werden sollen nur ethisch vertretbare, legale Inhalte, Urheberrechte sollen geschützt und Nutzer nicht mit Malware oder Spam malträtiert werden. Wer Selbstproduziertes hochlädt, soll aussuchen dürfen, an wen das Geld geht – so sollen alle Beteiligten das Gefühl haben, etwas Gutes getan zu haben.

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Es klingt etwas verrückt, aber Marco Annoni und Riccardo Zilli haben genau das mit ihrem Projekt Come4 - Porn with Heart vor. Schließlich haben Porno-Websites enorm viel Zulauf.

Annoni hat einen Doktortitel in Philosophie und Zilli einen Magister in urbaner Architektur. Zilli hat gerade erst ein Start-up gegründet, eine Immobiliendatenbank namens Fliz. Die beiden Italiener haben demnach mit der Pornoindustrie bisher nichts zu tun gehabt – wollen sie aber gehörig umkrempeln, den Begriff Pornografie in ein positiveres Licht rücken und gegen viele von der Pornoindustrie verbreiteten Rollen- und andere Klischees angehen.

Allerdings wissen Annoni und Zilli auch, dass es nicht ohne die Pornoindustrie geht, auf deren Werbeschaltungen die Come4-Gründer hoffen, die aber wiederum nicht gegen die Richtlinien von Come4 verstoßen sollen. Andere Werbekunden werden sich wohl eher schwer damit tun, sich auf der Website zu präsentieren.

10.000 Dollar Startkapital werden benötigt

Wurde das Geld schließlich eingenommen, soll es zum Großteil ausgeschüttet werden, lediglich zum Betrieb und zur Weiterentwicklung werde ein Teil einbehalten, heißt es mit dem Versprechen größtmöglicher Transparenz.

Bisher gibt es nur eine Hilfsorganisation, die Interesse geäußert hat. Die Come4-Gründer hoffen auf weitere. Sie gehen allerdings selbst nicht davon aus, dass es leicht sein wird, andere davon zu überzeugen, Geld von einer Porno-Website anzunehmen. Ob ein menschenfreundliches Image das ändert, bleibt zu bezweifeln. Dennoch: Es dürfte genügend kleine Hilfsprojekte geben, die um Aufmerksamkeit und Mittel kämpfen und das Angebot annehmen werden.

Sofern Come4 denn realisiert wird. Denn noch brauchen Annoni und Zilli selbst das Geld, um zwei Entwickler zu finanzieren und das in Arbeit befindliche Projekt vollenden zu können. Dazu setzen sie auf Crowdfunding über Ulule.com .

Von den angestrebten 10.000 Euro haben sie bereits 39 Prozent von Unterstützern zugesagt bekommen. Ab 10 Euro erhalten diese als Belohnung etwa Aufkleber und Anstecker, mit denen sie sich dezent als Mitstreiter der Sex-Revolution erkennbar machen können – auch der Rest der Come4-Projektpräsentation zeigt, dass die beiden Initiatoren mit viel Humor und Spaß für den Erfolg ihrer wohltätigen Porno-Site trommeln.

Erschienen bei golem.de

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Leserkommentare
  1. mich an Zeiten (80er Jahre), in denen ich durch Straßen voller Friedensaktionen ging und mir dachte: Für den Frieden bin ich ja auch, aber wenn ich mir diese Projekte so anschaue, kann ich gleich einen Stand aufmachen, einen Hut hinlegen und ein Schild dazu:

    "Atmen für den Frieden. Ich atme nicht einfach nur so. Ich atme für eine friedlichere Welt. Bitte unterstützen Sie mich und mein Atmen mit einer kleinen Spende."

    Warum nicht geich den eigenen Stuhlgang einer besseren Welt widmen? Aber bitte mit öffentlicher Aufmerksamkeit und einem dezenten Spendenhinweis...

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    letzteres gibt es schon! -Keine Ahnung, ob von Tom Cruise erfunden oder nicht ;)

    http://www.sueddeutsche.d...

    • Rend
    • 08. Oktober 2012 15:52 Uhr

    Allerdings interessiert ihre Atmung vermutlich niemanden, wohl auch nicht ihr Stuhlgang. Pornografie allerdings schon. Die Nachfrage gibt den Ton an und bestimmt die Richtung.

  2. Ich weiß ja nicht, was für eine tolle Art zu atmen oder was für einen Stuhlgang Sie haben, aber ich wage zu behaupten, mit Porno gehen die Kassen leichter zu füllen.

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    Och, wenn man das esoterisch genug aufzieht und teuer genug anbietet, gibt es ein ausreichendes Publikum für sowas. Man könnte das auf Astro TV platzieren, dann kaufen das auch welche. Aber stimmt schon, Porno wird mehr Geld mobilisieren.

    • Infamia
    • 08. Oktober 2012 13:09 Uhr

    Und wenn mit, geht der auch neutral, dass mein Steuerberater und der Finanzbeamte nicht gleich erkennt, dass ich Pornos sehe?

    Fragen, die sich mir dabei stellen. :)

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    ...weder Ihren Steuerberater noch das Finanzamt zu kümmern, ob Sie Pornos schauen oder wem Sie Ihr Geld spenden. Schließlich sind das beides Angestellte von Ihnen. Wer zahlt schafft an (Huch! In diesem Zusammenhang sogar fast ein Wortspiel ;-))

  3. Geld für wie auch immer weltverbessernde Projekte zu sammeln ist ja eine löbliche Absicht. Aber im Artikel heißt es, die zwei "wollen der Pornografie zu einem besseren Image verhelfen."

    Was hat denn so eine Plattform mit dem Image der Pornografie zu tun? Ok, da wird ein halbwegs sauberes Portal aufgebaut mit ausschließlich legal produzierten Inhalten, inklusive Jugendschutz und allem. Davon wird das Netz nicht sauberer, und Pornografie nicht weniger menschenverachtend.

    Das ist wie ein Drückerraum für Porno - man kann die saubere und legal beschaffte Droge in einer quietschesauberen und sicheren Umgebung konsumieren. Aber eine Droge bleibt es trotzdem.

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    Sie zu der Meinung das Pornographie eine Droge ist und menschenverachtend?

    Jede Frau, die sich auszieht, macht das völlig freiwillig und wird in der Regel dafür bezahlt. Zumindest im Westen ist das so. Aber in anderen Erdteilen könnten wir daran ohnehin nichts ändern, Pornos hin oder her.

    Und was die Schönheitsideale angeht: Klar gibt die Industrie diese vor. Aber doch nicht nur bei Frauen. Die gibts doch auch für Männer. Laut Werbeindustrie sind ein Sixpack, 40cm Oberarmumfang und ein Dreitagebart Pflicht. Was unterscheidet uns da von Frauen?

  4. Och, wenn man das esoterisch genug aufzieht und teuer genug anbietet, gibt es ein ausreichendes Publikum für sowas. Man könnte das auf Astro TV platzieren, dann kaufen das auch welche. Aber stimmt schon, Porno wird mehr Geld mobilisieren.

    • TDU
    • 08. Oktober 2012 14:07 Uhr

    Aus dem "Unten" ist nie was Positives gewachsen, wenn es
    nicht auch inhaltlich gewachsen ist.

    Pornographie und Normalität ist wie Boulevardpresse und seriöse Presse. Wird die Boulevardpresse als richtig seriös angesehen, ist entweder das Niveau der Leser gesunken oder das Niveau der seriösen Presse.

    Man veranstalte wieder blutige Boxkämpfe für den guten Zweck, und man warte ab, was sich verändert. Ich denke nichts zum Guten, denn Geld ist nicht alles. Denen, die auf Niveau, Können und wirklichen Fortschritt setzen, wirds nur schwerer gemacht.

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    • TDU
    • 08. Oktober 2012 14:09 Uhr

    Im übrigen gehört zur Pornographie der Schmuddel dazu. Sonst wird er noch ein Stufe tiefer gehen. Auch die gerühmten und kultivierten Geishas sind nur den Reichen und Vermögenden vorbehalten.

    • TDU
    • 08. Oktober 2012 14:09 Uhr

    Im übrigen gehört zur Pornographie der Schmuddel dazu. Sonst wird er noch ein Stufe tiefer gehen. Auch die gerühmten und kultivierten Geishas sind nur den Reichen und Vermögenden vorbehalten.

  5. Sie zu der Meinung das Pornographie eine Droge ist und menschenverachtend?

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    Droge, weil sie anscheinend süchtig machen kann. Weil sie ein schmuddeliges Image hat. Weil die Grenzen zur Illegalität fließend sind. Alles hübsche Parallelen, finde ich.

    Menschenverachtend weil sie Leute, vor allem Frauen, auf ihre penetrierbaren Öffnungen und ihre Bereitwilligkeit, diese penetrieren zu lassen, reduziert.

    Ansonsten empfehle ich das Interview mit Myrthe Hilkens zum Thema.

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