VideoplattformPornos für eine bessere Welt

Zwei Italiener wollen der Pornografie zu einem besseren Image verhelfen. Dazu bauen sie eine Pornovideoplattform auf, deren Werbeerlöse für gute Zwecke gespendet werden.

Solche Buttons bekommen Unterstützer des Projekts "Come4 – Porn with Heart" als Dankeschön.

Solche Buttons bekommen Unterstützer des Projekts "Come4 – Porn with Heart" als Dankeschön.

Come4.org heißt eine in Entwicklung befindliche Porno-Website, die zum Anschauen und Hochladen von eigenen erotischen bis pornografischen Fotos und Videos einlädt. Die generierten Werbeeinnahmen wollen die Betreiber nach eigenen Angaben fast komplett an Hilfsprojekte auszahlen.

Zugelassen werden sollen nur ethisch vertretbare, legale Inhalte, Urheberrechte sollen geschützt und Nutzer nicht mit Malware oder Spam malträtiert werden. Wer Selbstproduziertes hochlädt, soll aussuchen dürfen, an wen das Geld geht – so sollen alle Beteiligten das Gefühl haben, etwas Gutes getan zu haben.

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Es klingt etwas verrückt, aber Marco Annoni und Riccardo Zilli haben genau das mit ihrem Projekt Come4 - Porn with Heart vor. Schließlich haben Porno-Websites enorm viel Zulauf.

Annoni hat einen Doktortitel in Philosophie und Zilli einen Magister in urbaner Architektur. Zilli hat gerade erst ein Start-up gegründet, eine Immobiliendatenbank namens Fliz. Die beiden Italiener haben demnach mit der Pornoindustrie bisher nichts zu tun gehabt – wollen sie aber gehörig umkrempeln, den Begriff Pornografie in ein positiveres Licht rücken und gegen viele von der Pornoindustrie verbreiteten Rollen- und andere Klischees angehen.

Allerdings wissen Annoni und Zilli auch, dass es nicht ohne die Pornoindustrie geht, auf deren Werbeschaltungen die Come4-Gründer hoffen, die aber wiederum nicht gegen die Richtlinien von Come4 verstoßen sollen. Andere Werbekunden werden sich wohl eher schwer damit tun, sich auf der Website zu präsentieren.

10.000 Dollar Startkapital werden benötigt

Wurde das Geld schließlich eingenommen, soll es zum Großteil ausgeschüttet werden, lediglich zum Betrieb und zur Weiterentwicklung werde ein Teil einbehalten, heißt es mit dem Versprechen größtmöglicher Transparenz.

Bisher gibt es nur eine Hilfsorganisation, die Interesse geäußert hat. Die Come4-Gründer hoffen auf weitere. Sie gehen allerdings selbst nicht davon aus, dass es leicht sein wird, andere davon zu überzeugen, Geld von einer Porno-Website anzunehmen. Ob ein menschenfreundliches Image das ändert, bleibt zu bezweifeln. Dennoch: Es dürfte genügend kleine Hilfsprojekte geben, die um Aufmerksamkeit und Mittel kämpfen und das Angebot annehmen werden.

Sofern Come4 denn realisiert wird. Denn noch brauchen Annoni und Zilli selbst das Geld, um zwei Entwickler zu finanzieren und das in Arbeit befindliche Projekt vollenden zu können. Dazu setzen sie auf Crowdfunding über Ulule.com.

Von den angestrebten 10.000 Euro haben sie bereits 39 Prozent von Unterstützern zugesagt bekommen. Ab 10 Euro erhalten diese als Belohnung etwa Aufkleber und Anstecker, mit denen sie sich dezent als Mitstreiter der Sex-Revolution erkennbar machen können – auch der Rest der Come4-Projektpräsentation zeigt, dass die beiden Initiatoren mit viel Humor und Spaß für den Erfolg ihrer wohltätigen Porno-Site trommeln.

Erschienen bei golem.de

 
Leser-Kommentare
    • Rend
    • 09.10.2012 um 20:08 Uhr

    Noch einmal zu den Produktionsbedingungen. Hatte ich es nicht so verstanden, dass alle Filme auf der Videoplattform sowieso nur Privatproduktionen sein sollen?

    Also, da wird sowieso kein Jenna Jameson Hochglanz-Porno zu sehen sein, und auch kein von schmieriger, irgendwo in Osteuropa produzierter Streifen.
    Dort werden meines Wissens nach billige, aber zumindest ehrliche, Privatfilmchen laufen, aus heimischen Schlafzimmern.

    Kurz gesagt, alles Zutaten aus natürlichem Anbau

    Antwort auf "Spenden"
    • Lyna
    • 14.10.2012 um 0:12 Uhr

    Ich finde, man muss Pornographie und Erotik trennen. Pornographie ist die Sexualisierung von Gewalt, die Menschen werden zu Objekten. Erotik ist sinnlich, sie umfasst den geistig-seelischen, sowie den körperlichen Bereich. Der Unterschied dabei ist, dass in der Erotik der Mensch Subjekt bleibt, und nicht zur platten Sexmaschine wird. Erotik finden wir beispielsweise oft auch in der Kunst. Die Menschen, die Pornographie ablehnen, werden oft als verklemmt bezeichnet, dieses Urteil finde ich pauschal und meist vorschnell gefällt,
    Dem Pronogrpahischen Film zu einem besseren Image zu verhelfen, finde ich fatal. Pornographie ändert sich dadurch nicht und bleibt menschenverachtend. Um noch einmal auf den Beitrag von TardisHQ zu kommen. Meiner Meinung hat er einen Logikfehler begangen: "Dadurch, dass die Figuren in den Filmen aber genau nur Objekte sind und keine Menschen, können sie auch nicht als Mensch verachtet werden." Er hat vergessen, dass die Figuren in den Filmen von Schauspielern, Menschen gespielt werden, die Subjekte sind und im Film zum Objekt werden. Denn in den meisten Pornofilmen, ist der Sex nicht Fake, sondern echt. Oft kommen Menschen mit Geld-,Drogenproblemen in die Pornoindustrie; nicht selten haben sie auch schon Missbrauchserfahrungen hinter sich. Es ist also ähnlich wie in der Prostitution. Die Arbeit in der Pornoindustrie schadet diesen Menschen mehr, als sie ihnen hilft. Also fordere ich einen Diskussion über Pornographie und keine Beschönigung.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Reduzieren wir ein Problem auf das Wesentliche, bleibt meist der Mensch als Quelle des Übels!
    Wir können gerne über die Bedingungen und den menschlichen Umgang mancher Produzenten der Pornoindustrie diskutieren und ja, es ist immer wieder erschreckend was Mensch Mensch antut, auch was Mensch sich selbst antut, aber was hat das nun mit dem Thema dieses Artikels zu tun?
    Hier sollen privat erstellte Pornos beschaut werden können, keine Filme der Pornoindustrie und Spenden für Hilfsprojekte generiert werden, wo sehen Sie die Doppelmoral?
    Ihr Anwurf, Pornographie sei die Sexualisierung von Gewalt, ist unzulässig pauschalierend!
    Das kann so sein, muss es aber nicht und gerade bei privat hergestellten Filmen wird der Anteil zur Schau gestellter Gewalt eher gering bleiben!
    Generell ist Pornographie an sich nichts Schlechtes, kann durchaus auch Erotik plus Geschlechtsteile sein und eigentlich bestimmt auch hier der Mensch die Qualität durch seine Wahl, seinen Konsum.
    Frei ausgelebte Sexualität in einvernehmlicher Form kann übrigens auch Reduktion auf Körperlichkeit, das Subjekt zum Objekt zu stilisieren und bestimmte Formen von Gewalt mit einbeziehen, es gibt Menschen die mögen und machen das so, also wird es auch so in Pornos übertragen werden!
    Auch das ist an sich nichts Schlechtes, wenn die Rahmenbedingungen stimmen unter den handelnden Personen!
    Moralische Bewertungen bleiben jedem einzeln überlassen, tun aber hier nichts zu Sache.

    Reduzieren wir ein Problem auf das Wesentliche, bleibt meist der Mensch als Quelle des Übels!
    Wir können gerne über die Bedingungen und den menschlichen Umgang mancher Produzenten der Pornoindustrie diskutieren und ja, es ist immer wieder erschreckend was Mensch Mensch antut, auch was Mensch sich selbst antut, aber was hat das nun mit dem Thema dieses Artikels zu tun?
    Hier sollen privat erstellte Pornos beschaut werden können, keine Filme der Pornoindustrie und Spenden für Hilfsprojekte generiert werden, wo sehen Sie die Doppelmoral?
    Ihr Anwurf, Pornographie sei die Sexualisierung von Gewalt, ist unzulässig pauschalierend!
    Das kann so sein, muss es aber nicht und gerade bei privat hergestellten Filmen wird der Anteil zur Schau gestellter Gewalt eher gering bleiben!
    Generell ist Pornographie an sich nichts Schlechtes, kann durchaus auch Erotik plus Geschlechtsteile sein und eigentlich bestimmt auch hier der Mensch die Qualität durch seine Wahl, seinen Konsum.
    Frei ausgelebte Sexualität in einvernehmlicher Form kann übrigens auch Reduktion auf Körperlichkeit, das Subjekt zum Objekt zu stilisieren und bestimmte Formen von Gewalt mit einbeziehen, es gibt Menschen die mögen und machen das so, also wird es auch so in Pornos übertragen werden!
    Auch das ist an sich nichts Schlechtes, wenn die Rahmenbedingungen stimmen unter den handelnden Personen!
    Moralische Bewertungen bleiben jedem einzeln überlassen, tun aber hier nichts zu Sache.

  1. Ich glaube nicht, dass außer der "dreckigen" Pornoindustrie niemand Anzeigen schalten wird. Lifestyle rund ums Thema Sex und Links zu manchen Onlinespielen findet man doch auch jetzt schon auf allen möglichen Pornoseiten.

    PS: Welcher A-Promi wird eigentlich der erste sein, den ein überzeugender Werber ( "Für eine gute Sache und so...")dazu bringt, mit einem selbstgedrehten Film gute Publicity zu schaffen ;-)

  2. Reduzieren wir ein Problem auf das Wesentliche, bleibt meist der Mensch als Quelle des Übels!
    Wir können gerne über die Bedingungen und den menschlichen Umgang mancher Produzenten der Pornoindustrie diskutieren und ja, es ist immer wieder erschreckend was Mensch Mensch antut, auch was Mensch sich selbst antut, aber was hat das nun mit dem Thema dieses Artikels zu tun?
    Hier sollen privat erstellte Pornos beschaut werden können, keine Filme der Pornoindustrie und Spenden für Hilfsprojekte generiert werden, wo sehen Sie die Doppelmoral?
    Ihr Anwurf, Pornographie sei die Sexualisierung von Gewalt, ist unzulässig pauschalierend!
    Das kann so sein, muss es aber nicht und gerade bei privat hergestellten Filmen wird der Anteil zur Schau gestellter Gewalt eher gering bleiben!
    Generell ist Pornographie an sich nichts Schlechtes, kann durchaus auch Erotik plus Geschlechtsteile sein und eigentlich bestimmt auch hier der Mensch die Qualität durch seine Wahl, seinen Konsum.
    Frei ausgelebte Sexualität in einvernehmlicher Form kann übrigens auch Reduktion auf Körperlichkeit, das Subjekt zum Objekt zu stilisieren und bestimmte Formen von Gewalt mit einbeziehen, es gibt Menschen die mögen und machen das so, also wird es auch so in Pornos übertragen werden!
    Auch das ist an sich nichts Schlechtes, wenn die Rahmenbedingungen stimmen unter den handelnden Personen!
    Moralische Bewertungen bleiben jedem einzeln überlassen, tun aber hier nichts zu Sache.

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