Urheberrecht : 154 Zeitungen in Brasilien verweigern Google-News den Zugriff

Onlinemedien in Brasilien verbieten dem Suchmaschinen-Anbieter, auf ihre Texte zu verlinken. Der Konflikt ähnelt dem Streit um das Leistungsschutzrecht in Deutschland.
© Boris Roessler/dpa

In Brasilien haben sich 154 Zeitungen von der Nachrichtenseite des Internet-Suchmaschinenanbieters Google zurückgezogen. Sie folgten damit einer Aufforderung des nationalen Zeitungsverbandes ANJ.

"Bei Google News zu bleiben hat uns nicht dabei geholfen, mehr Online-Leser zu bekommen, im Gegenteil", zitierte die BBC den Präsidenten des Verbandes , Carlos Fernando Lindenberg Neto. Indem bei der Suchmaschine bereits die ersten Zeilen der jeweiligen Artikel erscheinen würden, hätten die Leser kein Interesse mehr, den kompletten Text auf der Internetseite der Zeitung zu lesen.

Seit Dezember 2010 arbeiteten Google News und ANJ dem Bericht zufolge an einem Experiment: Google wurde erlaubt, die Artikelanfänge anzuzeigen, um die Leser neugierig zu machen – und sie im Idealfall auf die Originalquelle, die Internetseite der Zeitung, zu locken. Das Experiment bezeichnete die ANJ nun als gescheitert.

Diskussion um Leistungsschutzrecht

Google hatte erst vor kurzem seine Entscheidung gerechtfertigt, für die Schlagzeilen der Nachrichtenseiten nicht zu zahlen, berichtet die BBC . "Google News bringt weltweit Milliarden Klicks auf Nachrichtenseiten", sagte Marcel Leonardi, Googles Public Policy Director.

Ganz will die ANJ jedoch nicht auf die Suchmaschine verzichten: Wenn auch nicht bei Google News, so sollen doch die meisten Internetauftritte der Zeitungen auch weiterhin bei der normalen Google Suche zu finden sein. Zu den Zeitungen, die sich von Google-News zurückgezogen haben, gehören einige der landesweiten wichtigsten Nachrichtenseiten, wie O Globo und O Estado de Sao Paulo .

Auch in Deutschland wird über das Thema diskutiert, indem ein Leistungsschutzrechtes für Presseverleger eingeführt werden könnte. Ende August hatte die Bundesregierung einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen. Die Idee: Verleger sollen Lizenzgebühren fordern dürfen, wenn auf Suchmaschinen auf die von ihnen verlegten Zeitungstexte oder andere Presserzeugnisse verlinkt und mit kurzen Textschnipseln hingewiesen wird.

Die Befürworter dieser Regelung – vor allem die Verlage – argumentieren, dass Firmen wie Google mit derartigen Fremdinhalten Werbeeinnahmen erzielen. Die Verlage wollen an diesen Einnahmen beteiligt werden. Die Gegner des Leistungsschutzrechts sagen, dass es den Verlagen automatisch Klicks und damit Werbeeinnahmen bringt, wenn Suchmaschinen ihre Erzeugnisse auflisten. Eine zusätzliche Gebühr sei nicht gerechtfertigt.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

endlich mal was Vernünftiges zu Thema

sehr kluge Entscheidung! Ein professionell organisierter Verband, der öffentlich etwas unternimmt. In Deutschland wäre das undenkbar. Weil die Diskussion hier dominiert wird von dogmatischen Anhängern einer angeblich eingeschränkten digitalen Freiheit. Die es nicht gibt. Die Institutionen die wirklich online Geld verdienen setzen Geld ein. Und Hardware. Denen "gehört" das Internet sozusagen. Und diese Investitionen machen die nicht umsonst. Das ist die Kuh die gemolken wird. Und die Milche das sind all die idealistischen Beiträge, tonnenweise Artikel, News, Blogs, Musik und was weiß ich, von Menschen die für ihre Arbeit absolut keinen Gegenwert bekommen. Bis auf einige Lottogewinner natürlich.

Doppelspiel

Man kann sich der Indizierung ohne jeden Streit und Anwalt innerhalb von 2 Minuten entziehen, per robots.txt. Das wird man auch in Brasilien wissen und es ist auch nicht auf Google beschränkt.

Zuweilen erscheint mir die Diskussion so, als sei da nur eine Suchmaschine weltweit. Dem ist nun nicht so.

In Deutschland weiß man das auch, postulierte aber das sogenannte Leistungsschutzrecht, welches keine Leistung schützt, sondern eine Verlegerlobby. Klingt halt besser.

Umso spannender ist dann natürlich, dass die Häuser von der einfachen Methode des Ausklammerns keinen Gebrauch machen, sondern sogar mit dem sogenannten Republishing peinlich genau darauf achten, auch möglichst weit oben in den Suchergebnissen zu landen.

Achten Sie mal darauf, wie oft als Beispiel die ZEIT denselben Artikel zweimal anbietet, weil der Text leicht verändert wurde. Meist kurz nachdem der erste startete. Lustig ist das immer dann, wenn die Kommentare nur zur ersten Version passten.

Keine Angst, das machen alle Online-Pressehäuser und genau deswegen erscheint das Geschreibsel rund um das von den Verlagen geforderte Leistungsschutzrecht auch so merkwürdig.

Man klagt an, nutzt keine der Möglichkeiten, sich "vor den Suchmaschinen zu schützen" und steigt dann tief in die Opferrolle. Google vs. arme Verleger.

Da scheint es in Brasilien also ähnlich zuzugehen wie in Deutschland. Globalisierung, was?

Seltsam auch: Selten erhebt sich ein Blogger gegen Google, nur Verlage tun das. Cui bono?