Windows 8Gewöhnungsbedürftiger Wechsel zwischen den Windows-Welten

Zum Start von Windows 8 lockt Microsoft mit Niedrigpreisen. Gegen einen schnellen Erfolg des Systems sprechen weniger technische Gründe als menschliche. von 

Windows 8

Der Startbildschirm von Windows 8  |  © Microsoft

Seit dem heutigen Freitag verkauft Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 8. Bis zum 31. Januar 2013 lockt das Unternehmen mit Einstiegspreisen, um zumindest eine Barriere möglichst niedrig zu halten. Denn Windows 8 erfordert von langjährigen Windows-Nutzern die Bereitschaft, einige grundlegend neue Dinge zu lernen – und das könnte viele vom schnellen Umstieg abhalten.

30 Euro kostet der Download von Windows 8 Pro derzeit. Die Installationsdateien auf DVD kosten doppelt so viel. Die Consumer-Version ist noch gar nicht erhältlich. Sie wird erst ab Februar 2013 verkauft, zum Preis von 120 Euro sowohl für den Download als auch die DVD. Windows 8 Pro wird dann satte 280 Euro kosten. Wer sich nach dem 2. Juni 2012 noch einen neuen Windows-7-PC gekauft hat, bekommt ein Update auf Windows 8 für 15 Euro.

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Aber nicht nur über den Preis versucht Microsoft, sein Betriebssystem schnell zu verbreiten: Mehr als 100 neue Endgeräte mit Windows 8 sollen in der nächsten Zeit auf den Markt kommen, wie das Unternehmen am Donnerstagabend bekannt gab, viele davon mit berührungsempfindlichen Bildschirmen. Denn auf diese ist Windows 8 mit seiner Kacheloberfläche aus Apps ausgelegt, der gewohnte Desktop ist nachgeordnet.

Microsoft-Direktor Oliver Gürtler zitierte Studien, nach denen im Jahr 2016 rund 75 Prozent aller verkauften Computer ein Touchdisplay haben werden. Ein Betriebssystem, das diese Entwicklung berücksichtigt, ist also ein notwendiger Schritt für das Software-Unternehmen.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Damit wird er auch für die Windows-Nutzer früher oder später notwendig werden. Und wer bereits ein Smartphone oder ein Tablet nutzt, wird sich mit der Kacheloberfläche schnell anfreunden können. Sie ist hochgradig personalisierbar, sieht gut aus und beinhaltet viele praktische Abkürzungen und Arbeitserleichterungen. So lange man Windows 8 vor allem als Konsument von Inhalten nutzt und dazu die Apps verwendet, macht das System schlicht Spaß.

Auch die im Vergleich zu Windows 7 verbesserte Desktop-Oberfläche bereitet keine allzu großen Probleme. Dass es das gewohnte Startmenü nicht mehr gibt – geschenkt. (Eine Übersicht über die wichtigsten Tricks und Kniffe gibt es hier.)

Gewöhnungsbedürftig ist der Wechsel zwischen diesen beiden Welten. Das gilt insbesondere dann, wenn das System nur mit Tastatur und Maus bedient werden kann. Das Aufrufen der Liste aller geöffneten Apps etwa erfordert ein wenig Übung. Und um von der Kachelebene in ein geöffnetes Word-Dokument zu gelangen, muss man erst in die Desktop-Ansicht wechseln, statt wie bisher einfach die am unteren Bildschirmrand abgelegte Datei anzuklicken. Gewöhnungsbedürftig heißt aber nicht, dass es fürchterlich umständlich wäre. Für manche Schritte braucht es nur etwas Neugier und einige Minuten Training.

Hilfreich sind die vielen Tastaturkürzel. David Pogue, Kolumnist der New York Times, hat die wichtigsten hier zusammengestellt . Oliver Gürtler von Microsoft sprach am Donnerstag denn auch von der "Generation Tastatur", die mit Windows 8 keine Probleme haben werde.

Leserkommentare
    • Boono
    • 26. Oktober 2012 11:13 Uhr

    "...In vielen Firmen läuft zudem noch ein über Jahre hinweg gereiftes System, nämlich Windows XP..."

    Das ist wohl die Sorte Firmen, in der Emails noch über eine zentrale Poststelle laufen und ausgedruckt werden...
    :-)

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    Das sind teilweise weltweit agierende Konzerne!

    Und ich arbeite nicht bei einem Krauter, sondern in einem internationalen Konzern.

    XP wird bei uns weiter benutzt, weil einige spezielle Netzwerk Anwendungen unter Windows Vista und Windows 7 nicht zum laufen zu bringen sind.

    • Krisse
    • 26. Oktober 2012 11:56 Uhr

    Mit der Einführung von Vista zeigte sich, dass Unternehmen sich schwer tun umzusteigen. Bei Windows 7 konnten einige Probleme wieder ausgemerzt werden, die durch Vista entstanden waren, doch für Unternehmen gestaltet sich auch hierder Umstieg als aufwändig. Windows 8 schließlich zeigt, dass MS versucht alte Zöpfe abzuschneiden und sich weiter zu entwickeln, doch leider wird das in der Business-IT nicht gerne gesehen, da solche Schritte immer wieder zu Kompatiblitätsproblemen führen können.

    XP war bis 2011 noch das meist genutzte Betriebssystem obwohl es zu dem Zeitpunkt schon drei Jahre nicht mehr verkauft wurde und aufgrund der Probleme mit Vista wurde der Extended Support, also die Versorgung mit systemkritischen Updates, bis April 2014 verlängert.

    Windows 8 wird es, wie der Artikel schon sagt, schwer haben, weil Menschen Gewohnheitstiere sind.

    • nyobion
    • 26. Oktober 2012 11:59 Uhr

    eine firma muss für jeden pc eine MS lizenz bezahlen.

    "never change a runnig system"
    zeit ist geld. information ist geld.
    wenn beides durch eine umstellung verloren geht (gehen kann), sind firmen nicht bereit sofort umzustellen.

    funktioniert vorhandene software auf dem neuen system?
    muss ich meine mitarbeiter teuer neu schulen lassen?
    softwarehersteller müssen ihre system anpassen, neu programmieren oder aufwendig verbessers/ändern.

    all das sind teuere angelegenheiten. für einen normaluser, der sich für 100-200€ ein neues OS besorgt, treiber installiert und dann (fast) unbesorgt weitermacht, sind firmen bei eine unzahl von pc´s vor einem weit größeren problem.

    datensicherung, neustallation, vernetzung, testen (zeit-zeit-zeit-kosten-kosten-kosten), fehlersuche, inbetriebnahme, neue fehler, mitarbeiter schulen,usw. ein endloser rattenschwanz, bei dem erstmal nur einer gewinnt.

    • DerDude
    • 26. Oktober 2012 12:36 Uhr

    Und zwar spätestens am 08. April 2014, dem Tag, am dem Microsoft womöglich das letzte Sicherheitsupdate bereitstellt. Dann heißt es Abschied nehmen. So ist nun mal der Lauf der Dinge in der Microsoft-Welt: http://support.microsoft.com/lifecycle/?ln=en-gb&c2=1173

    Danach werden wohl nur Firmen XP weiterbenutzen, die sich nicht nur kein neues Betriebssystem, sondern auch keine eigene IT-Abteilung leisten können... und mit Linux beraten sein dürften.

    Ich habe einen PC mit Windows 7 vorinstalliert gekauft und muss sagen: XP ist im Vergleich dazu einfach immer noch eine gute Wahl. Vor allem wenn man seinen Ressourcenhunger vergleicht. Bei mir bootet es wesentlich schneller. Die Partition auf der ich das System habe, ist ein mehr als ein Drittel kleiner, was bedeutet, dass ich die Images die davon ziehe bequem auf eine DVD schreiben kann. Sicher es gibt einigen Zusatz an Komfort bei Windows 7. Aber ob der ausreicht, um auf Dauer den Umstieg auf Windows 7 oder 8, das ja noch aufwändiger ist zu rechtfertigen? Ich weiß es nicht. Und die Sache mit den Sicherheitsupdates ist auch nur relevant für ein unaufmerksames Verhalten online. Das kann man vermeiden, wenn man nicht gerade einfach blind drauf los surft. Also ich bin am überlegen, ob ich nicht einfach wieder downgrade.

    • Zack34
    • 27. Oktober 2012 15:23 Uhr

    <a>
    Von Großunternehmen-IT haben Sie jedefalls keine Ahnung.
    <a>

  1. Ich kenne eine Menge Nutzer, die Microsoft mit dem zwangsweisen Umstieg im Bedienkonzept bei Office verärgert hat. Der Schritt von den Symbolleisten zum Ribbon war kein kleiner, die Bedienung mag für Newbies intuitiver geworden sein, aber der Such-,- Klick- und Mausbewegungsaufwand ist größer geworden.

    Wer den Umstieg bei Office mitgemacht hat, wird vermutlich mißtrauisch sein, seine grundsätzliche Arbeitsweise an ein Tablet-basiertes Bedienkonzept anzupassen, wenn er doch (im Büro z.B.) gar kein Tablet benutzt und er von den möglichen Vorteilen daraus gar nichts hat...

  2. 3. Irrtum

    Das sind teilweise weltweit agierende Konzerne!

    Antwort auf "Windows XP in Firmen?"
  3. und stimme hier vollkommen zu: "So lange man Windows 8 vor allem als Konsument von Inhalten nutzt und dazu die Apps verwendet, macht das System schlicht Spaß."
    Nach ein paar Wochen Beta-Testung habe ich entnervt den PC neu aufgesetzt, mit dem bewährten 7-System, da ich hauptsächlich selbst Inhalte produziere am PC.
    Leicht ist es mir nicht gefallen, denn 8 ist in mancherlei Hinsicht einfach schneller, wirkt schlanker. Aber da hat ja wohl jeder seine Prioritäten.
    Leztlich werden die Hardwarehersteller hier wohl MS in die Hände spielen, weil sie vermehrt Touchscreenprodukte auf den Markt bringen werden und den Maus-Tastatur-Betrieb zurückdrängen.

    Ich hoffe, mein PC macht es noch lange.

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    und eben dies ist der punkt - was für einen vorteil soll eine touch screen oberfläche bieten, wenn man auf dem rechner inhalt produzieren soll (ergo arbeiten)? sollen die leute jetzt an ihren schreibtischen sitzen und auf einem 1/2 bis 1 meter entfernten bildschirm herumtipsen anfangen? oder den bildschirm nahe heranstellen, sodass man keinen platz für was anderers hat? ein touchscreen konzept ist für einen arbeitsrechner komplett ungeeignet. klar, man kann es auch mit der mau bedienen, aber optimiert ist es für touch screen. ich bezweifle, dass unternehmen sich darauf einlassen werden und schliesslich sind es die lizenzen an unternehmen, die geld bringen.

  4. Einige könnten bei älteren Versionen bleiben andere stellen wenn dann sicherlich auch auf Linux um. Auch wenn alles konkreter geworden ist so ahmt Windows nur etwas nach und dann geht man lieber zum original

  5. Guter Artikel, der einen guten Überblick über das neuen Win-OS verschafft.
    Dennoch ist in meinen Augen das Argument, der Nutzer müsse erst die neue Oberfläche erlernen und sich umstellen, ein Scheinargument. Auch ein Gingerbread ist keine Win-Oberfläche, oder wieviele Menschen benutzen einen Ipod und haben auf dem Desktop ein Win-OS?
    Das Ziel von Win8 besteht ja gerade nicht darin, einfach ein Win7 auf einen Touchscreen zu klatschen, sondern ein gutes neues System für Mobiles, Tablets etc. zu liefern.
    Ich hatte bereits die Beta auf meinem alten Notebook getestet und war sehr zufrieden: Schnelle performance, intuitiver Aufbau und schickes Design.
    Mein Fazit: Dieses OS hat Potenzial und wird erfolgreich sein!

    • Glik
    • 26. Oktober 2012 11:24 Uhr

    von der Maus zur Fingersteuerung - das ist ein ähnlicher 'Fortschritt' wie Verzicht auf Messer und Gabel um wieder mit der Hand zu mampfen.
    Da es mit unserer Kultur generell bachab geht ein durchaus konsequente, zeitgeistige Entwicklung.

    Die breite Masse der Kommunikations- und Sozialwerks-Junkies wird es folglich dankbar annehmen. Für jemanden, der tatsächlich mit seinem PC 'arbeiten'! will, kommt das Fingergewische sicher nicht in Frage.

    M$ auf dem Weg zum digitale Prolsystem - da wird sich der Profi umorientieren müssen. Als Firmenchef wär mir das schon peilich, so einen Spielkram in meine Büros einzuführen ...

    Ab Version 9 dürfte wohl wieder Vernunft einziehen bei Ballmer und Co. War bei Vista ja auch so.

    Eine Leserempfehlung
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    @Glik: Ich kann Sie schon verstehen. Auch ich bin eher Freund der Maus und bearbeite am PC auch einige Dinge. Ich will mich da nicht über "abgetouchte" Apps nur berieseln lassen.
    Allerdings halte ich die Touch-Entwicklung für unaufhaltbar. Man kann es als Rückschritt sehen aus Ihrer Argumentation. Doch im Sinne des Zusammenwachsens von Technik und Mensch (dazu gab es dieser Tage Artikel hier auf zeit.de), ist das nur eine logische Entwicklung diese technischen Dinge zu vermenschlichen, indem wir eben Geräte lernen zu "streicheln" (da sollten mal alle drauf achten) anstatt nur noch einen Knopf zu drücken. Das sind so kleine, feine Gesten, die wir uns im Rahmen dessen anerziehen.

    Wie gut wir das finden, ist eine andere Sache. Da sollte man keine Beschreibung mit einer Wertung vermischen (sprach der Soziologe). Ich komme mir da vor wie ein Rentner, aber ich gehöre auch zur "Generation Tastatur" und mag diesen Touchscreen-Kram besonders dann nicht, wenn man längere Text tippen will.
    Außerdem frage ich mich halt auch warum das so nötig ist. Windows 7 ist doch nun wirklich noch nicht alt. Klar, Microsoft wollte nun nachziehen, aber solange Windows 7 so lange kompatibel bleibt wie es all die Jahre auch Windows XP noch tat, wäre das erleichternd...

    • Psy03
    • 27. Oktober 2012 22:18 Uhr

    Empfehlen kann. Sehr schön geschrieben!

    Ich HASSE diese Fingerwischerei. Ich habe auch diesen Smartphonemist nicht mitgemacht.
    Ich habe ein Uralt-Nokia (immerhin schon mit Bluetooth :P), übrigens das selbe was Herr Schäuble immer noch hat.
    Er wird schon Wissen warum.

    Ich kann zwar nicht so schön durch irgendwelche Apps wischen, aber ich kann mein Handy problemlos mal fallen lassen und das Akku hält auch noch nach 10 Jahren fast eine Woche am Stück!

    Mit PCs und BS ist es leider nicht so, mich stört hierbei der (indiretke) Zwang.
    Man kann sonst wielange bei XP bleiben, irgendwann läuft dort keine neue Software mehr drauf, von Spielen etc. ganz zu schweigen.
    Noch mehr ärgert mich, das Windows einen da voll veralbert.
    Windows Vista war eigentlich Windows 7 Beta wenn man so will und Windows 7 dann das fertige Programm.
    Jetzt ist es noch gar nicht so lang auf den Markt, da äfft man Linux nach - Albern!
    Und von den Preisen her sowas von Überzogen! Dabei hat man nichtmal so lächerlich einfache Probleme wie die Bekämpfung der Backdoorviren über die Flash-Hintertür in den Griff bekommen.
    Und die gibt es, seit es Flash und Windows gibt!!!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Shell AG | Apps | DVD | Download | Euro
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