Internet der Dinge : Das Smartphone wird zur Fernbedienung fürs ganze Haus

SmartThings vernetzt Türen, Lampen und andere Gegenstände – sie sind dann per Smartphone steuerbar. Neu ist die Idee nicht, aber SmartThings soll besonders simpel sein.
Mit SmartThings lassen sich verschiedene Gegenstände im Haus aus der Ferne steuern – per Smartphone. © SmartThings

Als Alex Hawkison nach einem Urlaub seinen Keller betrat, war der überflutet. Ein Stromausfall hatte den Warmwasserboiler ausgeschaltet, die Rohre waren gefroren und schließlich geplatzt. Damals fasste Hawkinson den Entschluss, dass Wohnungen mit ihren Bewohnern reden können sollten und umgekehrt – am besten über das Internet.

Einfache Gegenstände wie Toaster, Klimaanlagen und Türen sollten über das Internet ihren aktuellen Zustand mitteilen und sogar per Smartphone steuerbar sein, fand Hawkinson. Also gründete er ein Unternehmen namens SmartThings und versuchte mit einem gleichnamigen Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter die Finanzierung zu sichern. Es fand einige Beachtung: Knapp 5.700 Unterstützer haben mit 1,2 Millionen US-Dollar dafür gesorgt, dass SmartThings tatsächlich hergestellt werden kann.

Das Herzstück von SmartThings ist ein zentraler Sammelpunkt, der SmartThings-Hub. Dieser ist in etwa so groß wie ein Mac mini und dient als Vermittlungsstelle zwischen intelligenten Gegenständen und deren Besitzern. Da Türen, Fenster und Glühbirnen nicht von Haus aus intelligent sind, müssen sie zunächst mit Sensoren und Motoren ausgestattet werden, die zudem mit dem Hub kommunizieren können. Diese intelligenten Sensoren nennt der Hersteller einfach Things . Sie sind ab Dezember über einen Online-Store zu Preisen zwischen 25 und 35 US-Dollar erhältlich.

Einmal aktiviert, kommunizieren Things drahtlos über den Funkstandard ZigBee mit dem Hub. Dieser ist per Ethernet (eine Mobilfunk-Variante nach 3G-Standard soll später folgen) an das Internet angeschlossen und sendet Daten an den Nutzer, sobald die Sensoren reagieren. Umgekehrt kann der Hub vom Nutzer Daten empfangen und so beispielsweise ein automatisches Türschloss-Thing öffnen oder schließen. Diese Interaktion zwischen Nutzer und Haushalt ist die Stärke von SmartThings: Während das bisherige Internet der Dinge meist einseitig Sensoren ausliest oder Gegenstände scheinbar autonom kommunizieren lässt, kann SmartThings die Dinge über das Smartphone auch steuern.

Einfacher als bisher entwickelte Produkte

Ganz neu ist die Idee allerdings nicht: Schon seit Jahren gibt es Konzepte und fertige Produkte zum intelligenten Wohnen . Auf jeder Cebit oder Ifa sind solche Ansätze zu sehen. SmartThings wirbt aber damit, besonders leicht installierbar und bedienbar zu sein. Außerdem sollen Entwickler alle Werkzeuge an die Hand bekommen , um weitere Gegenstände smart zu machen und die SmartThings-Palette nach und nach zu erweitern. Mehr als ein paar Standardmotoren, -sensoren und Funkmodule braucht es nicht – das sollte die Preise niedrig halten.

Neben der notwendigen Hardware liefert SmartThings auch die Fernbedienung für seine Things mit: Spezialisierte Smartphone-Apps können Sensorendaten auslesen oder Motoren Befehle erteilen. Hawkinson zufolge dienen diese SmartApps allerdings nur als Schnittstellen – das Herzstück der Logik befinde sich in einer firmeneigenen Cloud. Diese ist gleichzeitig auch Sammelpunkt aller Sensorendaten und ausgeführten Befehle.

Das lässt Platz für Bedenken: Theoretisch könnte das Unternehmen Profile davon erstellen, wie man seine Wohnung nutzt, wann man abwesend ist und ob man Hunde- oder Katzenbesitzer ist. Ein Umstand, den SmartThings momentan verschweigt. Die Verschlüsselung vom Hub in die Cloud sei auf dem neuesten Stand, versichert Hawkinson. Details hierzu gibt er auch auf Nachfrage nicht preis.

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Kommentare

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Und die Sicherheit?

Es stellt sich natürlich die Frage der Sicherheit. Dass die Verschlüsselung auf dem Stand der Technik ist, sagt jeder. Trotzdem wird früher oder später alles gehackt, sogar RSA, der Anbieter von SecurID Tokens. Wenn der Zugang zu den Things auf dem Smartphone liegt, ist er angreifbar. Smartphones werden verloren oder gestohlen, und viele Leute haben keinen Passwortschutz auf ihren Geräten. Nur beim Hochfahren, aber einmal angeschaltet ist es ungeschützt. Die wenigsten werden - erst recht ohne ihr Handy - wissen, wie sie ihr Gerät aus der Ferne sperren oder löschen können.

Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten durch (den unsachgemäßen Gebrauch von) SmartThings verursachten Einbrüche passieren. Und bis Viren im D-Netz die Runde machen, die die Fenster ständig auf und zu machen, oder das Licht an und aus und idealerweise dabei per Morse irgendwelche passenden Texte übermitteln.