Social Media : Die Stimmung des Netzes erfassen
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Politisches Frühwarnsystem

Für das Image einzelner Produkte oder Politiker interessieren sich Stieglitz und seine Kollegen dabei weniger. Es geht eher darum, die komplexe Dynamik gesellschaftlicher Kommunikation sichtbar zu machen. Wie und warum entsteht ein Thema, welche Meinungslager gibt es, wo findet ein argumentativer Austausch statt, wie verändert sich die Stimmung im Laufe einer Debatte? Für demokratische Prozesse könnten solche Analysen durchaus fruchtbar sein: "Wenn man in Echtzeit Trends oder Themen identifizieren kann, die in den sozialen Medien bereits unterschwellig vorhanden sind, wäre das auch eine Art politisches Frühwarnsystem", sagt Stieglitz.

Um das Aufspüren von Themen und Tendenzen geht es auch bei dem mehrsprachig angelegten Forschungsprojekt TrendMiner , das Thierry Declerck vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz koordiniert und das die Europäische Union fördert. Mehrere europäische Universitäten sowie einige mittelständische Software-Unternehmen gehören zu den Kooperationspartnern. Der Focus von TrendMiner liegt auf politischen Debatten und Finanzmarktvorhersagen.

Politische Debatten auswerten ist mühsam

Von der semantischen Auswertung von Newstickern und Tweets erhofft man sich beispielsweise Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von Netzmeinungen und Börsenschwankungen. "Viele Finanzanalysten nutzen Twitter", sagt Declerck. Künftig könnten die Äußerungen der Experten automatisch identifiziert und relativ schnell nach Inhalt, Relevanz und Einfluss klassifiziert werden.

"Ungleich komplizierter ist dagegen die Analyse von politischen Debatten über Landesgrenzen hinweg", so Declerck. In den entsprechenden Datenbanken, auf die die Semantik-Software zurückgreift, müssen dazu nicht nur die Namen, Titel, Funktionen und Spitznamen einzelner Politiker hinterlegt sein. Auch die Bezeichnung bestimmter Ämter, die Strukturen von Staat und Parteien muss das Sprachprogramm kennen, um alle verfügbaren Kommentare auswerten und daraus möglicherweise Wahlprognosen ableiten zu können. Wie denken die Europäer in diesem Moment über Europa ? Bis eine Software darauf eine differenzierte Antwort liefern kann, wird noch Zeit vergehen.

"Abgesehen davon", sagt Stefan Stieglitz, "kommunizieren bei Weitem nicht alle User im Netz über politische Inhalte." Social-Media-Diskursanalysen bilden nur die Meinungen derer ab, die aktiv an Onlinedebatten teilnehmen. Und das ist – gemessen an der Gesamtbevölkerung – eine Minderheit.

Für Werber interessant

Aber auch Minderheiten, so sieht man das bei SAP, können eine sehr werberelevante Zielgruppe ausmachen. "Für den Hersteller von Düngemittel ist es eine interessante Information, ob Bauern einer bestimmten Region im Internet gerade über schlechte Ernten klagen", sagt Craig Downing. Das Wissen über die aktuelle Stimmung beim Verbraucher erlaube das sofortige Justieren des Angebots und der Marketingstrategie.

Erst neulich habe ein Kunde aus der Filmbranche dank Sentiment-Analyse mitbekommen, dass sein Actionfilm bei 18- bis 25-jährigen Männern zwar gut ankam, die dazugehörigen Freundinnen aber überhaupt keine Lust auf den Streifen hatten. Die Werbekampagne wurde umgehend geändert – und nun gezielt der romantische Plot des Films hervorgehoben. Und siehe da, auf einmal wollten die Frauen doch ins Kino.

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Man sollte allen Bevölkerungsgruppen den Zugang

zu den Sozialen Netzwerken ermöglichen. Die Umfragen im Internet erreichen zur Zeit nur Diejenigen die über einen PC, ein Smartphone oder einen eigenen Internetzugang verfügen.
Wichtige Bevölkerungsgruppen sind, eventuell aus Kostengründen, ausgeschlossen.

Dies kann man durchaus ändern. Ähnlich wie den Zugang zum Radio und TV kann man den Zugang ins Internet auch jedem Hartz IV Empfänger ermöglichen, auch denen die kein Geld für die Benutzung eines Internet Cafes haben.

In diesem Fall währen die Umfrageergebnisse tatsächlich repräsentativ und verwertbar. Eine solche Regelung, die kaum etwas kostet, würde sich auch positiv auf das Bildungs Niveau auswirken, mit der richtigen Aufklärung einigen "Flachen" von der Politik gerne benutzten Statistiken entgegen wirken.

Das Internet und die Sozialen Netzwerke sind die schnellste Möglichkeit Informationen jeglicher Art zu erhalten und weiter zu geben. An dieser Tatsache wird man rein gar nichts mehr ändern können und das ist gut so.

Nette Satire, oder war das etwa ernst gemeint?

Um Ihren m.E. ziemlich naiven und unausgegorenen Gedanken mal aufzugreifen: Die Repräsentativität kommt nicht allein dadurch zustande, dass sie jedem zwangsweise einen "Zugang zum Netz" verordnen, sondern aufgrund der im Artikel beschriebenen Methode allein dadurch, dass dann auch alle die Geräte ständig bedienen müssten, denn nur das, was an Input in Twitter und sonstwo erscheint, wird erfasst und kann ausgewertet werden.

Und überdies, haben Sie sich auch mal die Frage gestellt, wem das alles nützen, zu welchem Zweck der Aufwand betrieben werden soll? Die Informationen kann man mit der erwähnten Methode nur direkt an den Quellen der Provider bzw. Konzerne (Facebook etc.) usw. abgreifen und wer hat da Zugriff? Sie? Ich? Vier alle? Nein, nur ein paar Ausgewählte werden da die Möglichkeit haben, etwas im Netz zu erheben und die Information zu verwerten. Hier geht es doch um knallharte Macht- und Herrschaftstechnik und nicht um eine rosa basisdemokratische Piratenherrschaft.

Momentan werden die bereits erhobenen Informationen doch einzig und allein dazu benutzt, um uns über Werbung und zunehmend auch über als Journalismus getarnte Falschinformationen (PR genannt) zu manipulieren und zu bevormunden (siehe Beispiel im Artikel).

Und in Zukunft ist natürlich die Politik an den Informationen interessiert, weil sich hier völlig neue Möglichkeiten politischer Kontrolle, Manipulation und Herrschaft auftun. Glauben Sie ernsthaft, diese Instrumente bekäme "das Volk" in die Hand?

Einige Staaten interessieren sich garantiert brennend dafür

Eine Methode, die Opposition früh genug im Keim ersticken zu können:

"Wenn man in Echtzeit Trends oder Themen identifizieren kann, die in den sozialen Medien bereits unterschwellig vorhanden sind, wäre das auch eine Art politisches Frühwarnsystem"

Hoffentlich ...

>> Kein Praktikant mehr nötig, der Facebook-Foren überfliegt oder Twitter nach abwegigen Hashtags durchstöbert. <<

... kennen die neuen Tools mehr als Facebook und Twitter.

Per Auswertung von Social Media einen Überblick über Stimmungen und Strömungen gewinnen zu können, sehe ich positiv. Andererseits ist das ein deutliches Argument gegen Klarnamen-Zwang.

Die Politik sollte sich damit auseinandersetzen, was die Masse denkt. Was der einzelne denkt, geht sie (und erstrecht die Werbetreibenden) allerdings nichts an.