Mit den Trollen, die Witze über Tote machen, Hinterbliebene terrorisieren oder Teenager heimlich fotografieren , wollen die Teilnehmer in Mannheim wenig zu tun haben. Für sie sind diese Auswüchse – wenn überhaupt – nur die niederste Form des Trollens. Für sie ist Trollen eine Art der Auseinandersetzung, der positiven Diskussion. "Es ist ähnlich wie mit dem Begriff Hacker", erklärt Trollcon-Organisator Oliver Knapp im Gespräch: In der Öffentlichkeit seien Hacker früher immer nur als Zerstörer und Einbrecher gesehen worden, mit der Arbeit des Chaos Computer Clubs habe sich aber inzwischen ein positiveres Bild des Hackers etabliert. Mit der Konferenz wolle man auch ein anderes Bild vom Troll vermitteln.

Dazu nutzten die Organisatoren einen klassischen Medienmechanismus: die Preisverleihung. So kürten sie den Berliner Piraten-Fraktionschef Christopher Lauer zum Troll des Jahres. Lauer habe mit seinen provokanten Auftritten in Talkshows "erfahrene Berufspolitiker aus ihren inhaltsleeren Worthülsen" befreit. Er sei ein Beispiel für einen positiven Troll, der die Diskussion voranbringe. "Durch die absichtliche Überzeichnung neuralgischer Fragen entstehen gruppendynamische Synergieeffekte, die mit traditionellen Diskurstechniken nicht in der Geschwindigkeit möglich wären", heißt es in der Laudatio.

Referentin während des Vortrags selbst getrollt

Dass Trollen nicht nur ein Augenöffnen, sondern auch ein Mittel des handfesten Kampfes um Positionen und Überlegenheit ist, zeigte sich am zweiten Tag der Trollcon. Als die Journalistin Julia Seeliger über Trolle, Feminismus und rape culture referiert , wird sie selbst getrollt. Die Organisatoren verteilen rosa Überraschungseier für Mädchen – inakzeptabel für Feministinnen. Gleichzeitig pöbelten Zuhörer auf Twitter los: "Rede ruhig weiter", hieß es dort, "Orga sonnt sich in Deinem Hass". Ob der Dialog, der gesellschaftliche Diskurs, auf diese Weise einen Schritt nach vorne macht, darf bezweifelt werden.

Die erste Trollcon hat deutlich gemacht: Was die eine Seite als Höhepunkt der Kommunikationskunst empfindet, führt bei der anderen Seite unweigerlich zum Ende der Kommunikation. Die Konferenz war zumindest der Versuch einer Annäherung.