Produktion für den YouTube-Kanal Revision3 in den USA © Noah Berger / Reuters

YouTube startet auch in Deutschland erste Themen-Kanäle. Auf den zwölf am Montag angekündigten "Originalkanälen" geht es um Unterhaltung, Gesundheit, Extremsport, Comedy und Autos. YouTube-Manager Robert Kyncl betont, dass YouTube-Mutter Google nicht frontal mit traditionellen Fernsehsendern konkurrieren wolle: "Unsere Strategie ist, zu schauen, welche Interessen es in der Welt gibt, die im Fernsehen unterrepräsentiert sind, und sie zu bedienen. Wir suchen gezielt nach diesen 'weißen Flecken', in denen es heute kein Angebot gibt."

Die New York Times ist sich trotzdem sicher, dass YouTube oder eine andere Online-Videoplattform schon bald das klassische Fernsehen ersetzen wird, und zwar für Zuschauer, Produzenten und Werbetreibende. Mit Zuschauern seien aber eher nicht die diejenigen gemeint, die seit Jahrzehnten an ihren Fernseher gewöhnt sind, sondern vielmehr ein jüngeres Publikum, das "online aufgewachsen" sei, wie es in dem Artikel heißt.

YouTube hatte die ersten Sparten-Kanäle mit speziell dafür produzierten Inhalten vor einem Jahr in den USA gestartet. Sie bestehen aus meist kurzen Videos zu bestimmten Themen, etwa Kochen, Mode oder Technik. Jetzt kommen zu den bisherigen mehr als 100 Kanälen 60 weitere unter anderem auch aus Großbritannien und Frankreich dazu. Geld verdient Google dabei mit vorgeschalteten Werbeclips, die Nutzer auch überspringen können.

Zur Einordnung, wie groß der Werbemarkt derzeit ist, einige Zahlen aus den USA: Werbetreibende geben dort laut der Marktforscher von eMarketer in diesem Jahr knapp drei Milliarden Dollar für Clips auf Online-Videoplattformen aus, fast eine Milliarde mehr als im Vorjahr. Verglichen mit den 64 Milliarden, die für klassische TV-Werbung ausgegeben werden, ist das aber immer noch wenig.

Wette auf neues Werbemodell

In Deutschland fängt YouTube klein an: Unter den Kanälen, die Ende des Jahres online gehen sollen, ist etwa Heartbeat Berlin von der RTL-Produktionsfirma UFA/Fremantle, der über "global relevante Trends und urbanen Zeitgeist" informieren soll. Für Ponk werden Comedy-Clips in einer Kölner Wohngemeinschaft gedreht, bei Happy & Fit geht es um Gesundheit und Wohlbefinden.

Zugleich glaubt YouTube, dass sein "TrueView"-System mit Anzeigen, die der Zuschauer nach wenigen Momenten wegklicken kann, das Werbegeschäft revolutionieren kann. "Die Wette ist, dass wir den Nutzern mehr und mehr relevante Werbeclips anzeigen können und sie es vorziehen werden, sie bis zum Schluss zu sehen. Und wir hoffen, dass die Firma hinter der Werbeanzeige dann gerne mehr bezahlt", erläuterte Kyncl.

Mit der Verbreitung von Fernsehgeräten mit Internetanschluss können YouTube-Videos inzwischen auch bequem auf dem großen Bildschirm angeschaut werden. Aus mehreren nacheinander folgenden Clips entsteht somit praktisch ein Spartensender, wie es sie im Fernsehen gibt. Google stellt dabei kostenlos YouTube als Plattform zur Verfügung. Zugleich sind die einzelnen Videos meist recht kurz, damit sie unterwegs angesehen werden können.