Onlinehandel : Apple fürchtet nackte Äpfel

Apple retuschiert Bücher und Musik in seinen Onlineläden. Angesichts seiner Marktstellung ein Problem. Der dänische Kulturminister will es mit seinen EU-Kollegen bereden.
Mit roten Äpfeln verdeckte der Autor in der Apple-Version die Hintern auf den historischen Fotos. © Peter Övig Knudsen

Apple-Gründer Steve Jobs hat sich immer wieder gern als Kind der Hippiebewegung bezeichnet. Die in seiner Onlinegeschäftsplattform für Musik, Filme, Spiele und Bücher waltenden Zensoren scheinen nicht an diese freiheitliche Tradition anknüpfen zu wollen. Apple hat mehr als 40 Jahre nach der Revolte der 68er ganz offensichtlich Probleme mit Nacktheit. Und Spaß versteht der Konzern in diesem Punkt auch keinen.

Das zumindest musste der Däne Peter Övig Knudsen erfahren. Er ist Autor zweier Bücher über die dänische Hippiebewegung der sechziger und siebziger Jahre. Im Apple-Buchladen iBookstore durften seine beiden Titel Hippie 1 und Hippie 2 erst verkauft werden, nachdem auf sämtlichen 47 Fotos aus der wilden Zeit die Geschlechtsteile der nackten Hippies verdeckt worden waren.

Der Autor allerdings hielt es für den Ausdruck von Doppelmoral, die Nacktfotos in seinen Büchern über die aufmüpfige Hippiegeneration einfach mit schwarzen Balken auf Hintern und Brüsten zu entschärfen. Also verzierte er seine anstößigen Hippies an den entsprechenden Stellen mit prallen, roten Äpfelchen. Das half nur kurz. Die beiden Bücher wurden schnell wieder aus Apples Sortiment gelöscht. Vermutlich, nachdem Apple-Zensoren die Anspielung auf den eigenen Konzern aufgefallen war.

Apple schweigt

"Ich bin gespannt von Apple zu hören, warum die Bücher nun wieder aus dem Sortiment gelöscht wurden. Brüste, Pimmel und Popos sind ja nun alle ordentlich verdeckt", sagt Övig. "Natürlich wollten wir Apple damit veräppeln, aber lustig ist die ganze Sache überhaupt nicht." Nicht einmal eine Erklärung gab es dafür. Er habe "monatelang versucht", mit Apple ins Gespräch zu kommen, sagt er. Doch die privatwirtschaftlichen Geschmackshüter aus Kalifornien hätten sich nicht auf einen Dialog eingelassen.

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass sich das Unternehmen als Kulturzensor aufspielt. Beispielsweise war die App der Pinakothek der Moderne gesperrt , weil sie die "Schlafende" zeigte, ein Bild des Expressionisten Max Beckmann . Viele solcher Beispiele gibt es inzwischen. Der dänische Autor wollte die Verstümmelung seines Bildbandes nicht hinnehmen und schrieb einen offenen Brief ab den dänischen Kulturminister.

Kulturminister Uffe Elbaek reagierte darauf mit einer Initiative. "Apple muss zurück auf den Teppich kommen, und sein Verhalten erklären. Alles andere ist unhaltbar", sagte er am Freitag. Er kündigte an, beim kommenden EU-Kulturministertreffen mit seinen Kollegen eine EU-weite Initiative gegen solche Zensierungstendenzen zu diskutieren. Er habe bereits seine EU-Kollegen kontaktiert, um zu prüfen in wieweit sie ähnliche Probleme mit Apple haben, sagte er. "Der Fall wirft grundlegende Fragen auf: Was geschieht, wenn einige Akteure so groß werden, dass sie ein ganzes Feld so dominieren können?", so der Minister.

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Kommentare

87 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

@ Peter Weins

Nicht nur das. In den USA wird die Ausübung von Gewalt mit Todesfolge im Zweifel akzeptiert, entweder, weil sie staatlich sanktioniert ist (Todesstrafe) oder weil jemand sein Hab und Gut verteidigt (Einbruch, Diebstahl).

Die schönste Nebensache der Welt (Sex) hingegen führt schon mal zu Rücktritten (aktuelles Beispiel David Petraeus) oder Misstrauensvoten (Bill Clinton).

Wenn ich Nacktheit sehen will, will ich Nacktheit sehen. Und wenn Apple sich als Hüterin der Welt aufspielt, kaufe ich halt kein Apple, sondern andere, die mir beim Anblick von Nacktheit nicht einen schwarzen Balken präsentieren.

Ihr kauft von den USA, ihr kriegt USA!

Apple ist ein US-Unternehmen. Apple ist genau deshalb Apple, *weil* es ein US-Unternehmen ist. Nur deshalb hat es diese Produkte, die alle so lieben, entworfen und hergestellt, weil die US-amerikanische Kulture genau diese Mischung von Kreativität und wirtschaftlicher Nutzung hervorbringt.

Gleichzeitig hat die US-amerikanische Kultur andere Moralvorstellungen als Deutschland, auch im Bereich von Sexualität. Wer also Apple kauft (oder sich der durch Apple geschaffenen Vertriebsplattformen bedienen will), der kriegt nicht nur Apple, den großartigen US-Designer und US-Produzenten, sondern auch den Apple mit den US-Moralvorstellungen.

Oder umgekehrt: kauft und verkauft nicht bei Apple, dann könnt ihr machen was ihr wollt (genauer: dann müsst ihr euch nach anderen Moralvorstellungen richten, aber jedenfalls nicht nach denen von Apple).

wird immer schlimmer

es wird immer schlimmer mit dieser Firma.
So musste schon Mark Twains "Neger Jim" umgenannt werden.
Apps mit politischen Hintergründen werden teilweise nicht akzeptiert etc...
wenn Apple eine kleine Randerscheinung wäre, dann wäre das kein Problem.
Aber durch die Marktbeherrschende Stellung speziell bei jungen Menschen ist diese Privatzensur besorgnbis erregend.
Denn es wird einfach ein Mind setting betrieben, welches die Akzeptanz von Zensur herbeiführt.
Dies muss verhindert werden.
Das kann aber nur der mündige Verbraucher tun.
Dazu rufe ich hiermit auf.

Da haben Sie Recht!

Ich habe in meinem Leben noch kein Apple Produkt gekauft. Das Problem ist das im Grafischen Gewerbe vor allem mit Apple hantiert wird.

Die Moral von Apple kann man nur als zum Kotzen bezeichnen. Wenn Arbeiter Sklaven gehalten werden, ist das kein Problem wichtig ist der Gewinn!

Geht es aber um Nacktheit, Sex oder gar Porno ist das ganz schlimm.

Ich persönlich wünschte mir, niemand würde mehr ein Produkt dieses Umwelt zerstörerischen Konzerns kaufen. Den nachhaltige Produktion ist etwas ganz anderes, als alle paar Monate ein neues Produkt auf den Markt schmeissen, welches in Wahrheit nur die Farbe gewechselt hat.

Doch:

Es gab' mal ein Zeit, da hat Adobe (Photoshop & Co.) Macs empfohlen. Ursprünglich, weil deren Software darauf wirklich zackiger lief, dann noch, zwei, drei Jahre aus Gewohnheit, dann nicht mehr.
Außerdem mögen Grafiker gut aussehende, gut ausgedachte Dinge.
PCs (die Gehäuse) sind - fast ausnahmslos immer noch - unhübsch, Windows wurde mit den Jahren leider auch nicht viel besser.
Mit Macs fühlt man sich da als Künstler einfach eher zuhause, aus ästhetischen Gründen und natürlich auch aus Gewohnheit.
Es gibt auch heute noch einige gute Gründe mit Macs zu arbeiten.
Leider weiß das Apple und die resultierende Arroganz wird immer schlimmer, an vieeelen Stellen spürbar. Lange Liste!

Ich hoffe, daß Microsoft, Samsung, Google etc. Apple mehr & bessere Produkte entgegenstellen, damit wir irgendwann wieder eine richtige Konkurentssituation haben.
NUR dieses wird die Lage wieder verbessern.

Das war einmal...

Da Apple Adobe nicht nur durch Flash verprellt hat und Adobe unangefochtener König der Designsoftware ist wird sich dieses Blatt irgendwann wenden.
Schon bei Adobe CS5 stellt man fest, dass die Softwarebundles Windows im Fokus haben und dafür konzipiert sind und für Mac lediglich ein liebloser Port bereitgestellt wurde. Auch sind seit Windows7 viele Workflows im Tagesgeschäft des Designer wesentlich besser gelöst - zumindest wenn man sich etwas stärker einarbeitet.
Bei uns im Unternehmen hat sich auch dem Apple Marketing hingeben lassen und kurz vor CS5 teuer auf Mac gewechselt. Zufrieden ist hier leider keiner und vieles läuft nun erheblich langsamer, so dass schon im Gespräch ist, wenn auch mit Verlust, auf PCs zurückzuwechseln.