Social MediaIsrael und Hamas bedrohen einander über Twitter

Die Onlinepropaganda der israelischen Armee und des militanten Arms der Hamas widerspricht den Regeln von Twitter und Facebook. Die Netzwerke reagieren trotzdem hilflos. von 

Luftangriff

Israel hat bei einem Luftangriff den Hamas-Kommandeur Ahmed al-Dschabari getötet und ein Video davon bei YouTube hochgeladen.  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Es war eine zumindest indirekte Drohung: "Wir empfehlen allen Hamas-Kämpfern, ob einfachen Mitgliedern oder Anführern, ihre Köpfe in den kommenden Tagen nicht über der Erde zu zeigen." Getwittert hat das ein Sprecher der israelischen Armee , auf Englisch. Das war vor zwei Tagen, kurz nach dem die Armee den Chef des bewaffneten Hamas-Flügels Iss al-Din, Ahmed al-Dschabari , bei einem Luftangriff getötet hatte.

Propaganda auf Twitter und anderen Onlineplattformen ist nicht neu, aber im Fall des jüngst eskalierten Konflikts zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen gibt es einige Besonderheiten, die auch die Rolle der Plattformbetreiber betreffen. Sie können sich nicht dazu durchringen, solche Inhalte zu entfernen, auch wenn sie mal mehr, mal weniger deutlich gegen ihre Richtlinien verstoßen.

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So verbreitet das israelische Militär unter dem verifizierten Account @IDFSpokesperson Meldungen über seine Aktionen, Zahlen zum Raketenbeschuss aus Gaza auf israelische Städte sowie Videos, die angeblich das Leben der Israelis zeigen, die unter dem Raketenbeschuss zu leiden haben. IDF steht für Israel Defense Forces. Mehr als 125.000 Menschen verfolgen ihre Updates.

Die Gegenseite ist keineswegs zurückhaltender. Vom – nicht verifizierten – Konto @AlqassamBrigade (die Kassam-Brigaden sind der militante Arm der Hamas und werden von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft) kam die Antwort auf die Drohung der Israelis. Sie lautete: "Unsere gesegneten Hände werden eure Führer und Soldaten erreichen, wo auch immer sie sind (Ihr habt die Tore der Hölle für euch selbst geöffnet)." Auch dieser Tweet ist in englischer Sprache gehalten. Die Adressaten sind also offenbar nicht nur die eigene und die Gegenseite, sondern die ganze Welt.

Drohungen sind laut den offiziellen Twitter-Regeln nicht gestattet. Trotzdem sperrt Twitter weder das IDF-Konto noch das der Alqassam-Brigaden.

Andere Plattformen müssen sich ebenfalls fragen lassen, warum sie die Propaganda nicht stoppen, obwohl sie gegen ihre Nutzungsbedingungen verstoßen dürfte. Facebook teilte dem Blog AllThingsD mit, man werde nicht gegen die bisher von den IDF veröffentlichten Inhalte vorgehen. Dabei stehen auf der Facebookseite der IDF die gleichen Drohungen wie bei Twitter – und die sind auch nach den Facebook-Regeln eigentlich nicht gestattet. Eine Begründung für seine Zurückhaltung lieferte Facebook nicht. Das Unternehmen könnte aber durchaus noch zu einem späteren Zeitpunkt eingreifen.

Leserkommentare
    • ST_T
    • 16. November 2012 14:40 Uhr

    Mehr kann man dazu nicht sagen...

  1. Nun müssen beide Seiten aber auch noch so konsequent sein und ihre Gefechte auf nem Battlefieldserver austragen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ein so geiles Kommentar habe ich schon lange nicht mehr gelesen ;)

    ,,Nun müssen beide Seiten aber auch noch so konsequent sein und ihre Gefechte auf nem Battlefieldserver austragen."

    Kommentar! Danke!

    ... darauf lassen sich die Israelis bestimmt nicht ein.

  2. ob nicht auch in Foren wie diesen hier gesteuerte Beiträge drin sind. Ich würde es bei einem großen Medium wie der Zeit nicht ausschließen.

    Beste Grüße
    FSonntag

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hurt
    • 16. November 2012 15:28 Uhr

    ... ist mit großer Wahrscheinlichkeit auszugehen. Es gab beispielsweise mal sowas:

    http://en.wikipedia.org/w...

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Darüber hinaus bitten wir darum, zum konkreten Artikelthema zu diskutieren. Danke, die Redaktion/cv

  3. Übel, ganz übel, was die Kassambrigaden twittern. Die sollten ihre Follower mal aufrufen, keine Raketen mehr abzuschiessen. Eine Sperrung dieser Terror-Accounts lehne ich aber trotzdem ab, denn im Grunde genommen kommt diese Art der substanzlosen Grossspurigkeit langfristig unseren israelischen Freunden zugute.

  4. Ein so geiles Kommentar habe ich schon lange nicht mehr gelesen ;)

    ,,Nun müssen beide Seiten aber auch noch so konsequent sein und ihre Gefechte auf nem Battlefieldserver austragen."

  5. Kommentar! Danke!

  6. 7. Civ5.

    erinnert mich an Civ5 was ich gerade spiele. Jeder denunziert jeden gegenseitig und versucht den jeweils anderen in der welt schlecht dastehen zu lassen.
    So kommt mir das vor.

    • TDU
    • 16. November 2012 15:21 Uhr

    Solange nicht die eigenen Leute zwecks Propaganda umgebracht werden, gehst ja noch könnte man meinen. Ansonsten kann man das Ganze mit der "Wollt ihr den totalen Krieg" Propaganda der Nazis vergleichen.

    Hetzerei auf beiden Seiten, und da es nur Tote und Verletze auf nicht israelischer Seite gibt, scheinen die unverwundbar und unsterblich zu sein.

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  • Schlagworte Israel | Hamas | Twitter | Ahmed al-Dschabari | Blog | Drohung
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