Vor einigen Jahren stellte ich mir im Scherz eine Zweiklassengesellschaft vor: Diejenigen, die Facebook nutzen, und diejenigen, die Facebook nicht nutzen. Damals lachte ich über Visionen, in der Leute ohne Facebook benachteiligt werden. Heute wird das Schreckensszenario langsam Wirklichkeit.

Vor Kurzem gab es einen TEDx Event an der University of Leeds, eine Konferenz zu "Technology, Entertainment and Design". Für Vorträge gab es einen Wettbewerb, bei dem Studenten Vorschläge für Präsentationen einreichen konnten – allerdings ausschließlich über Facebook. Ich hätte ohne weiteres Ideen gehabt. Aber ein Auswahlverfahren über Facebook? Da habe ich mich lieber mit einem Platz im Publikum begnügt.

Die Facebook-Diskriminierung geht noch weiter: Barclaycard organisierte vor einiger Zeit eine Verlosung, die nur für registrierte Facebook-Mitglieder zugänglich war. Und wer manche Webdienste nutzen will, bekommt nur die Option angezeigt, sich mit einem Facebook- oder einem Twitter-Konto einzuloggen.

Netzwerke mit Profilkonten, die Informationen zentral verwalten, sind sicherlich bequem – für Nutzer und Dienstleister zugleich. Andererseits führen sie gleichzeitig dazu, dass bestimmte Menschen von vornherein ausgeschlossen werden.

Wenn ein Restaurant Gutscheine über Facebook vergibt, um junges Publikum anzuziehen, kann ich dafür Verständnis aufbringen. Wenn offiziell organisierte Anlässe wie TEDx auf Facebook setzen, oder wenn Unternehmen wie Barclaycard ihre Nutzer ermuntern, die eigenen Daten vorbehaltlos an einen profitorientierten Konzern in den USA zu übermitteln, ist das mehr als zweifelhaft.

In Großbritannien protestieren viele Menschen gegen die dort geplante Identity Card. Facebook aber weiß mehr als jede Behörde. Doch während man Behörden misstraut, werden die Daten einem Unternehmen freiwillig übergeben. Dabei sind Behörden theoretisch dem Volk Rechenschaft schuldig, ein Unternehmen aber schuldet Rechenschaft nur seinen Eignern.

Sicherlich lässt sich argumentieren, dass ja niemand teilnehmen muss. Nur wenn man diesen Gedanken weiterführt, kommt man der Diskriminierung sehr nahe. Ein Beispiel ist die Credit History in den USA. Die braucht dort jeder, denn ohne Kreditkarte sind Menschen als Kunden suspekt. Wollen wir künftig Menschen danach sortieren, ob sie bereit sind, ihre Daten Facebook zu geben?

Abgesehen von den Datenschutzproblemen führt eine derartige Fokussierung auf zentrale Dienste zu Abhängigkeiten. Wer zum Beispiel Verlosungen zu Facebook auslagert, verliert letztlich dafür die Kompetenz in der eigenen IT-Abteilung.

Was mir aber vor allem Sorgen macht: Was passiert, wenn ein Facebook-Konto zur Voraussetzung des Lebens wird? Bekomme ich künftig bestimmte Dienstleistungen nicht mehr, wenn ich keinen solchen Account habe? Denn, dass ich bestimmte Angebote nicht mehr erhalte, ist ja bereits der Fall.

Was wird aus der digitalen Zukunft? Werden wir bald von einem einzigen Unternehmen dominiert?