CyberwarObama erlaubt Angriffe auf fremde Netze

Amerikanisches Militär und Sicherheitsdienste dürfen Rechner in fremden Ländern angreifen, um die USA zu schützen. Das bestimmte Präsident Obama in einem geheimen Gesetz. von 

US-Präsident Barack Obama hat ein Gesetz unterzeichnet, das neue Richtlinien für einen Cyberwar festlegt. Die Washington Post berichtet , die Presidential Policy Directive 20 erlaube dem Pentagon, aggressiver gegen Angriffe vorzugehen, die über das Internet gegen die USA geführt werden. Obama habe sie bereits im Oktober unterschrieben.

Die Order verstärkt das bisherige Vorgehen. Im Juli 2002 unterzeichnete der damalige Präsident George W. Bush einen präsidialen Erlass zum Thema Cyberwar . Darin forderte er Sicherheitsdienste und Armee auf, Richtlinien zu entwickeln, wie Angriffe über das Internet bekämpft werden können. Der Text ist bis heute nicht öffentlich, bekannt ist aber, dass es darin um offensive Möglichkeiten des Kampfes geht, also um Angriffe auf fremde Computernetze. Genauer ausgeführt wurden die Pläne zwei Jahre später in der National Security Presidential Directive 38 "National Strategy to Secure Cyberspace" .

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Offensive Verteidigung ist damit der Schwerpunkt von Obamas Direktive. Obama hat die Umsetzung dieser Strategie nun wohl in die Hände des Militärs gelegt. Auch der aktuelle Text ist geheim, die Washington Post zitiert aber mehrere Quellen, die ihn gesehen haben wollen.

Aggressiver Akt

Zum ersten Mal werde darin konkret festgelegt, wie die USA in einem digitalen Krieg kämpfen wollten, zitiert die Zeitung ein anonymes Mitglied der Regierung. Das Gesetz unterscheide dabei zwischen der Verteidigung innerhalb des eigenen Netzwerks und sogenannten Cyber-Operations, die "außerhalb dieses Bereichs" stattfinden – mit anderen Worten: Angriffe auf fremde Computer und Netze.

Angriffe auf Server in anderen Ländern sind demnach eindeutig erlaubt. Die Verbindung zwischen einem angegriffenen Computer in den USA und einem angreifenden Computer in einem anderen Land zu kappen, sei in der bisherigen Doktrin als aggressiver Akt betrachtet worden. Immerhin könnten diese Länder sich dadurch "auf den Schlips getreten fühlen". Diese Ansicht werde nun nicht mehr vertreten, berichtet die Washington Post .

Die Direktive enthalte klare Anweisungen, wer wann und wie handeln dürfe. Es werde erwartet, dass nun das Pentagon neue "rules of engagement" ausarbeite, also Handlungsanweisungen für die Truppe. Digitale Offensiven, die nicht im Rahmen eines konventionellen Krieges stattfänden, müssten aber direkt vom Weißen Haus genehmigt werden.

Angriffe gibt es längst

Möglicherweise gehen diese Pläne auch auf Wünsche des Pentagon zurück. Das legt der Bericht der Washington Post zumindest nahe. In dem Artikel steht der Satz: "Unterdessen hat das Pentagon das Internet als weiteren militärischen Raum definiert – neben Luft, Land, See und Weltraum – und wünscht, in diesem Raum zu operieren." Für Militärs ist dieser Bereich sehr interessant. Bei konventionellen Waffen herrscht weltweit eine Art Patt, Kriege zwischen großen Staaten drohen schnell zu eskalieren. Das Internet aber bietet viele Möglichkeiten , dem eigenen Land und seiner Wirtschaft mit Gewalt Vorteile zu verschaffen.

Solche Überlegungen gibt es in vielen Ländern. Auch in Deutschland werden offensive Werkzeuge entwickelt und entsprechende Einheiten bei der Bundeswehr aufgebaut.

Das amerikanische Militär setzt sie bereits ein. 2010 wurde das sogenannte United States Cyber Command gegründet, das militärische Zentralkommando für den Krieg im Internet. Und spätestens der von den USA und Israel entwickelte Stuxnet-Wurm hat gezeigt, dass gezielt fremde Rechner und Netze angegriffen werden. Dessen Einsatz gegen den Iran hatte Obama befohlen .

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Barack Obama | Washington Post | Militär | Weltraum | Bundeswehr | Computer
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