InformationskriegSyriens Regierung klemmt das Land vom Internet ab

Ein technischer Fehler habe zum Ausfall des Netzes in Syrien geführt, sagt die Regierung. Doch Netzanalysten weltweit sind sicher, dass es gezielt abgeschaltet wurde. von 

Bei YouTube hochgeladenes Bild einer Explosion in Homs. Die Quelle ist unbekannt. Bilder wie dieses will die syrische Regierung offenbar verhindern.

Bei YouTube hochgeladenes Bild einer Explosion in Homs. Die Quelle ist unbekannt. Bilder wie dieses will die syrische Regierung offenbar verhindern.  |  © AFP/GettyImages

Seit Donnerstagmittag hat Syrien keinen Zugang mehr zum Internet. Mehrere Unternehmen, die internationalen Netzverkehr beobachten, berichten, dass sämtliche Verbindungen nach Syrien und aus dem Land heraus tot sind. Firmen wie Akamai , Renesys , Arbor und CloudFlare vermuten, dass die syrische Regierung sie abgeschaltet hat. In einigen Teilen des Landes soll auch das Mobilfunknetz ausgefallen sein.

Syriens Regierung dementierte die Berichte. Der syrische Informationsminister Omran al-Subi sagte im Staatsfernsehen, es handele sich lediglich um ein technisches Problem in einigen Regionen, das behoben werden solle. Techniker würden bereits daran arbeiten. Die Jerusalem Post zitiert den Minister außerdem mit der Aussage, Terroristen seien für den Blackout verantwortlich, sie hätten die Netzverbindungen des Landes attackiert.

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Gegen die Versionen, dass nur einige Regionen betroffen sind und gegen die, dass es Terroristen waren, sprechen allerdings die Beobachtungen der Netzanalysten. So heißt es im Firmenblog von CloudFlare : "Zuerst einmal sind alle Verbindungen nach Syrien unterbrochen und nicht nur einige Regionen offline." Innerhalb von zwei Minuten seien alle abgeschaltet worden. Ein Netzwerktechniker der Firma habe dabei praktisch live zusehen können und ein Video davon gemacht.

Die Erklärung mit den Terroristen hält CloudFlare auch für nicht sonderlich plausibel. Syrien sei über insgesamt vier Kabel mit dem Netz verbunden, drei Seekabel und ein Landkabel aus der Türkei . Um Syrien komplett aus dem Netz zu nehmen, hätten alle vier gekappt werden müssen. "Es ist unwahrscheinlich, dass das passiert ist."

Wahrscheinlicher sei, dass die staatliche Telekommunikationsbehörde – die der einzige Netzanbieter im Land ist – alle Verbindungen abgeschaltet habe. Renesys bloggte dazu : "In der weltweiten Routingtabelle sind alle 84 syrischen IP-Adressen-Blöcke unerreichbar, womit das Land praktisch aus dem Netz entfernt ist."

Es ist nicht das erste Mal, dass die syrische Regierung versucht, ins Internet einzugreifen, was auch bereits zu internationalen Protesten führte . Vor Offensiven der Armee hat sie schon mehrfach in einzelnen Regionen Internet und Mobilfunk gestört. Und in ihrem Kampf gegen die Opposition setzt sie auch auf Trojaner und Fishing-Attacken, um ihre Gegner anzugreifen. Längst ist in dem Land auch ein Kommunikationskrieg im Gange .

Der britische Guardian glaubt , dass die Netzabschaltung eine Reaktion darauf ist, dass die Opposition immer wieder Videos von Übergriffen und Erschießungen veröffentlicht. Außerdem nutzt sie Dienste wie Skype , um sich zu vernetzen. Daher hat die syrische Regierung auch schon diesen Informationsweg angegriffen. Nach einem Bericht der amerikanischen Electronic Frontier Foundation verbreitet sie Programme, mit denen sich infizierte Rechner überwachen lassen.

Leserkommentare
  1. 9. [...]

    Entfernt. Bitte richten Sie Ihre Kritik an das von uns dafür vorgesehene Postfach community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ds

    Antwort auf "[...]"
  2. Mittles Überschrift wird "Meinung gemacht", im Artikel selbst sind findet sich dann wieder eine auffällige Häufung von Konjunktiven, aber egal...

    Und die üblichen Jubelperser applaudieren!

    Was den Syrienkonflikt angeht, ist die ZEIT meiner Meinung nach schon seit einiger Zeit nicht mehr glaubwürdig unabhängig.
    Zu oft werden vage Behauptungen als Tatsachen dargestellt, gerade in einem Krieg mit viel Geheimdiensbeteiligungen stirbt die Wahrheit ja noch schneller als sonst üblich, da wünsche ich mir von einer Zeitung die laut Eigendarstellung zu "den besten Zeitungen der Welt"¹ gehört, deutlich mehr kritisches Hinterfragen und deutlich mehr Zurückhaltung beim präsentieren von Aussagen EINER Partei als Tatsachen!

    ---

    ¹ Tja, Herr de Lorentzo, den Satz werden Sie sich wohl noch eine Weile anhören müssen... ;-)

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    > Und die üblichen Jubelperser applaudieren!

    Sie haben recht... was hier teilweise an Kommentaren zu lesen ist sobald irgendwo ein Artikel zum Thema Syrien erscheint, könnte direkt aus der Propagandazentrale Assads kommen.

    • Bashu
    • 30. November 2012 14:59 Uhr

    Terroristen haben alle 4 Leitungen gleichzeitig in die Luft gesprengt und das gesamte syrische Internet zum Erliegen gebracht?

    Öffentliche Berichte kann man anzweifeln, aber dann soll man bitte alternative Erklärungen liefern und mit Quellen fundieren.

    Ich bin für Alternativen offen, aber bisher ist alles eine schwammige Verschwörungstheorie, und am plausibelsten scheint mir die Erklärung, dass das System abgeschaltet wurde. Aus welchem Grund auch immer.

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    Ich weiss es nicht, wie es zu dem Stillstand kam. Was mir aber aufgefallen ist, ist dass die USA ganz pünktlich vor dem Zusammenbruch des Internets noch Kommunikationsausrüstung liefern konnten.

    Das Fazit: Derzeit sind nur die Milizen in der Lage mit der Aussenwelt zu kommunizieren.

    Glücklicher Zufall?

    daß diese Terroristen massive Unterstützung westlicher Geheimdienste und finanzielle Unterstützung vom Golf haben!

    Das ist nicht wie bei der Hamas, die Ihre Raketen aus zusammengeklaubtem Schrott zusammenbasteln.

    Niemand wird bezweifeln, daß CIA und MI6 dazu in der Lage wären, 4 Leitungen zu kappen...

    Nein, Beweise dafür habe ich natürlich nicht, ich behaupte ja auch nicht, daß es so gewesen wäre.
    Aber Sie fragten nach alternativen Szenarien. Dieses scheint mir nicht unwahrscheinlicher als die im Artikel vermutete Abschaltung durch Assad.

  3. Ich weiss es nicht, wie es zu dem Stillstand kam. Was mir aber aufgefallen ist, ist dass die USA ganz pünktlich vor dem Zusammenbruch des Internets noch Kommunikationsausrüstung liefern konnten.

    Das Fazit: Derzeit sind nur die Milizen in der Lage mit der Aussenwelt zu kommunizieren.

    Glücklicher Zufall?

    Antwort auf "Ihre Erklärung?"
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    • Bashu
    • 30. November 2012 15:15 Uhr

    zur internen Kommunikation? Und Videos und Berichte via Twitter oder Youtube ins Internet schleusen müssen die auch nicht.

    Also ich verstehe nicht, warum die Abschaltung des Internets die syrische Opposition (die ja wir wir alle gesehen haben davon Gebrauch macht) nicht schwächen soll aber stattdessen das syrische Regime.

    Und dass Kommunikationsgeräte an die Rebellen geliefert wurden stimmt ja, aber hat JEDER Rebell und JEDER Zivilist der etwa ein Handy und Internetzugang hatte jetzt so ein Gerät Made in USA?? Ich glaube nicht...

    • Bashu
    • 30. November 2012 15:15 Uhr

    zur internen Kommunikation? Und Videos und Berichte via Twitter oder Youtube ins Internet schleusen müssen die auch nicht.

    Also ich verstehe nicht, warum die Abschaltung des Internets die syrische Opposition (die ja wir wir alle gesehen haben davon Gebrauch macht) nicht schwächen soll aber stattdessen das syrische Regime.

    Und dass Kommunikationsgeräte an die Rebellen geliefert wurden stimmt ja, aber hat JEDER Rebell und JEDER Zivilist der etwa ein Handy und Internetzugang hatte jetzt so ein Gerät Made in USA?? Ich glaube nicht...

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    Es geht um Medienhoheit. Weitere Beispiele sind Bombenanschläge auf regierungsnahe Sender, gezielte Tötungen von Journalisten die für Staatssender arbeiten oder ganz aktuell: die Zerstörung mehrerer Sendewagen von syrischen und iranischen Fernsehsendern.

    Dazu noch die Sperrung der syrischen Kanäle über die Satellitenanbieter.

    Also ich kann da schon ein Muster erkennen, Sie nicht?

    Das größte strategische Manko, dass die syrische Regierung derzeit hat, ist die mangelnde Öffentlichkeitsarbeit. Es kommt eigentlich nie vor, dass die Regierung Assad ihre Version der Geschichte vortragen kann. In syrien selber und den Nachbarländern ist das nicht ganz so schlimm gewesen, da es eine Menge neutraler Medien gab. Jetzt aber auch nicht mehr.

    Ich könnte mir schon vorstellen, dass die Abschaltung des Internets das finale Abwürgen der syrischen Stimme ist.

  4. > Und die üblichen Jubelperser applaudieren!

    Sie haben recht... was hier teilweise an Kommentaren zu lesen ist sobald irgendwo ein Artikel zum Thema Syrien erscheint, könnte direkt aus der Propagandazentrale Assads kommen.

    Antwort auf "Ja, das übliche..."
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    • NDM
    • 30. November 2012 16:17 Uhr

    "Sie haben recht... was hier teilweise an Kommentaren zu lesen ist sobald irgendwo ein Artikel zum Thema Syrien erscheint, könnte direkt aus der Propagandazentrale Assads kommen."

    Im Artikel steht ja:

    "Längst ist in dem Land auch ein Kommunikationskrieg im Gange."

    Und er findet eben auch im Internet statt. In vielen Sprachen wird Assads Kriegspropaganda hinausposaunt.

    ...betreibt nicht nur der Herr Assad.

    Die selbstlosen Streiter für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte¹ nehmen es mit der Wahrheit auch nicht genauer als der Herr, der vor nicht allzu langer Zeit auch bei unseren Staatsoberhäuptern ein ehrenwerter und gerne gesehener Gast war...

    ---

    ¹dieser Ausdruck könnte Ironie und/oder Zynismus enthalten. Benutzen Sie im Zweifelsfalle Ihren gesunden Menschenverstand.

  5. Es geht um Medienhoheit. Weitere Beispiele sind Bombenanschläge auf regierungsnahe Sender, gezielte Tötungen von Journalisten die für Staatssender arbeiten oder ganz aktuell: die Zerstörung mehrerer Sendewagen von syrischen und iranischen Fernsehsendern.

    Dazu noch die Sperrung der syrischen Kanäle über die Satellitenanbieter.

    Also ich kann da schon ein Muster erkennen, Sie nicht?

    Das größte strategische Manko, dass die syrische Regierung derzeit hat, ist die mangelnde Öffentlichkeitsarbeit. Es kommt eigentlich nie vor, dass die Regierung Assad ihre Version der Geschichte vortragen kann. In syrien selber und den Nachbarländern ist das nicht ganz so schlimm gewesen, da es eine Menge neutraler Medien gab. Jetzt aber auch nicht mehr.

    Ich könnte mir schon vorstellen, dass die Abschaltung des Internets das finale Abwürgen der syrischen Stimme ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    > Es kommt eigentlich nie vor, dass die Regierung
    > Assad ihre Version der Geschichte vortragen kann.

    Das stimmt doch gar nicht. Noch in dem hier diskutierten Artikel wird ein Regierungsmitglied Assads zitiert, der die Netzausfälle "Terroristen" in die Schuhe schiebt. Durch nichts belegte Behauptungen, die Sie und andere Kommentatoren (nach deren Auftreten man übrigend die Uhr stellen kann, wenn es darum geht Assad den Rücken zu stärken) hier weiterverbreiten. Und das unter Ignorierung sämtlicher in dem Artikel berichteten Indizien (z.B. Abschaltung aller Kanäle innerhalb weniger Minuten), daß tatsächlich die Wahrscheinlichkeit hoch ist daß das syrische Regime dahintersteckt.

  6. > Es kommt eigentlich nie vor, dass die Regierung
    > Assad ihre Version der Geschichte vortragen kann.

    Das stimmt doch gar nicht. Noch in dem hier diskutierten Artikel wird ein Regierungsmitglied Assads zitiert, der die Netzausfälle "Terroristen" in die Schuhe schiebt. Durch nichts belegte Behauptungen, die Sie und andere Kommentatoren (nach deren Auftreten man übrigend die Uhr stellen kann, wenn es darum geht Assad den Rücken zu stärken) hier weiterverbreiten. Und das unter Ignorierung sämtlicher in dem Artikel berichteten Indizien (z.B. Abschaltung aller Kanäle innerhalb weniger Minuten), daß tatsächlich die Wahrscheinlichkeit hoch ist daß das syrische Regime dahintersteckt.

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