Illegale Downloads : Filme im Internet zu kaufen, ist zu kompliziert
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Eine Serie auf verschiedene Plattformen verteilt

Fanhatten hat auch festgestellt, dass nicht selten die verschiedenen Teile einer Filmserie oder Staffeln einer Serie über unterschiedliche Video-on-Demand-Dienste verstreut sind. Wer an einem Wintertag einen Freddy-Krüger-Marathon plant (um beim Genre zu bleiben), dessen Spaß wird mitunter dadurch getrübt, dass die verschiedenen Filme erst einmal im Netz zusammengesucht werden müssen – und dass im schlimmsten Fall für jeden Streifen eine zusätzliche " All you can eat"-Filmflatrate abgeschlossen werden muss. Der Verlockung, alle Titel der Reihe in einer zwar illegalen aber sorgfältig gepackten Torrent-Datei herunterzuladen, wird dadurch nicht gerade kleiner.

Filmstudios müssen Komplexität verringern

Zwar blickt Fanhatten in seiner Zusammenstellung lediglich auf die Vereinigten Staaten – aber diese sind im Vergleich zum deutschsprachigen Markt sogar noch fortschrittlicher. Denn die auf der anderen Seite des Atlantiks besonders erfolgreichen, mit einem reichhaltigen Angebot ausgestatteten Aboservices wie Netflix oder Hulu Plus glänzen hierzulande bisher durch ihre Abwesenheit.

Ursache für die aus Kundensicht vollkommen unerträgliche Fragmentierung ist die komplizierte Rechtesituation , die es teuer macht, Inhalte zu akquirieren. Daran wird sich wohl erst etwas ändern, wenn die führenden Filmstudios gemeinsam einsehen, dass es am Ende für alle Beteiligten besser ist, wenn sie die von ihnen verursachte Komplexität verringern .

Der Tag, an dem die 2.300 Horrorfilme, die Fanhatten im "legalen US-Internet" verteilt auf 14 unterschiedlichen Services vorgefunden hat, bei einem einzigen Anbieter und über beliebige Plattformen und Geräte angeschaut werden können, wäre auch der Tag, an dem Piraterie auf einen Schlag unattraktiv wird.

Bis dahin bleibt Usern, die sich von illegalen Angeboten fernhalten möchten, nichts anderes übrig, als viel Zeit für die Recherche aufzuwenden oder Anbieter wie Fanhatten in den USA oder Tweek in Deutschland zu konsultieren. Diese informieren darüber, wo einzelne Filme und Serien im Netz zu finden sind.

Erschienen bei netzwertig.com

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Kommentare

48 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ein Vergleich

Eine Staffel einer TV-Serie aus den USA (Breaking Bad) kostet bei iTunes 29.99, aber man bekommt nur eine Sprache, nicht DE & EN. Die Staffel bekomme ich auf DVD bei Amazon mit beiden Sprachen für 12.99. Ich werde wohl die DVD kaufen.

N.B. Gesehen habe ich die Serie schon auf DE im Fernsehen, gesaugt habe ich sie auf EN auch schon aus dem Netz, aber mir gefällt die Serie, und deswegen will ich dafür zahlen.

Fortschrittsfeindlich

Was die Untersuchung des Fanhattenprojekts zeigt deckt sich mit meinen Erfahrungen, wobei Deutschland im Vergleich zu den USA in der digitalen Steinzeit lebt. Es ist schon lächerlich, dass ich in einer globalen und vernetzten Welt nicht die Möglichkeit habe aktuelle US-Serien im O-Ton zu sehen. Klar mit Proxys und VPN Servern kann man tricksen, aber viele Dienste akzeptieren nur noch US-Kreditkarten.

Die Filmstudios hätten vorgewarnt sein müssen durch die Musikindustrie. Aber sie hat genau so die selben Fehler gemacht, wie es nun die Buchindustrie tut: Prinzipiell im Kunden einen Gauner sehn, den man mit Kopierschutz und Co. gängeln muss. Man hat nicht verstanden, dass es um die Verfügbarkeit der Inhalte geht und das Trägermedium sekundär ist und der "Mode" unterliegt!

Deutschland hinkt hinterher

Ich war neulich auf der IFA. Bei Samsung gabe es eine neue Multimedia-Lösung mit der man Filme udn Serien streamen kann sowie kleine Spielchen laden (Name des Unternehmens fällt mir gerade nicht ein). Die Wand des Standes war geschmückt mit dutzenden Logos teilnehmender Partner. Das Who is Who der europäischen Fernsehanbieter war eigentlich dabei. Aber kein einziger deutscher Anbieter.