Illegale DownloadsFilme im Internet zu kaufen, ist zu kompliziert

Diverse Filme und Serien sind im Netz verfügbar. Doch ist das Angebot so zersplittert, dass illegale Downloads attraktiv bleiben – obwohl die Nutzer lieber zahlen würden. von Martin Weigert

Piraterie ist nicht die Folge einer grundsätzlich fehlenden Zahlungsbereitschaft und einer angeblichen "Kostenlosmentalität". Ursache ist vielmehr der Mangel an zeitgemäßen, umfangreichen und uneingeschränkt verfügbaren digitalen Angeboten. Diese Erkenntnis ist zwar noch lange nicht bei allen Urhebern angekommen, sie wird aber belegt durch den Rückgang illegaler Downloads , den On-Demand-Musikdienste wie Spotify ausgelöst haben, dadurch, dass der Datenverkehr des legalen Filmdienstes Netflix höher ist als der gesamte Bittorent-Traffics sowie nicht zuletzt auch durch persönliche Anekdoten .

Wer dennoch nicht richtig glauben möchte, dass die Schwächen auf der Angebotsseite – insbesondere im Filmsegment – eine essenzielle Ursache für das Problem von Urheberrechtsverstößen und Piraterie im Netz darstellen, der sollte einen Blick auf eine Untersuchung des US-Aggregators für Filme und Serien, Fanhatten , werfen. Danach dürften keine Zweifel mehr daran bestehen, wieso ein schneller Torrent-Download für viele die naheliegendste Option darstellt, obwohl sie eigentlich eine legale, kostenpflichtige Alternative bevorzugen würden.

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Das Fanhatten-Team hat die Verfügbarkeit von 2.300 stream- oder downloadfähigen Horrorfilmen bei 14 kostenpflichtigen US-amerikanischen Videodiensten analysiert. Darunter waren so bekannte Anbieter wie iTunes , Hulu Plus, Netflix und Amazon Prime. Die Ergebnisse sind ernüchternd: 71 Prozent der Filme fanden sich lediglich bei einem einzigen der 14 untersuchten Anbieter wieder und lediglich 22 Prozent konnten bei zwei Diensten abgerufen werden. Weniger als sieben Prozent der unter die Lupe genommenen Titel stehen gruselwilligen Nutzern bei drei oder mehr Videodiensten zur Verfügung. Gerade einmal sieben Filme lassen sich von vier oder mehr legalen Quellen gegen Bezahlung streamen oder herunterladen.

Auch große Titel betroffen

Ein weiteres Ergebnis der Überprüfung: Von den 100 von der Fanhatten-Redaktion auserkorenen Top-Titeln des Horrorgenres sind 65 Prozent nur bei einer Quelle erhältlich, 25 Prozent bei zwei Quellen. Die Fragmentierung des Contentangebots im Filmsegment beschränkt sich damit nicht nur auf den sogenannten Long Tail, sondern auch auf große Klassiker.

Urheberrecht für Anfänger

Was ist ein Aggregator, warum wird die Gema kritisiert und wie viel verdienen Künstler am Verkauf von USB-Sticks mit? Unser Glossar zum Urheberrecht erklärt die wichtigsten Begriffe aus der Urheberrechtsdebatte von A wie Abmahnanwalt bis Z wie Zitate.

Wer viele Filme sehen will, so das Ergebnis, ist gezwungen, sich bei vielen dieser Dienste anzumelden. Ärgerlich ist das besonders dann, wenn man wie bei Netflix eine monatliche Pauschale zahlt, und dann dennoch gezwungen ist, auf einen anderen Anbieter auszuweichen.

Einzige Einschränkung wäre an dieser Stelle, dass Horrorfilme für sich genommen eine Nische darstellen. Dennoch sind die Resultate der Fanhatten-Analyse symptomatisch für die Situation des digitalen Contents: Zwar wächst die Zahl der Akteure, die Filme auf Basis unterschiedlicher Geschäftsmodelle und Preiskonzepte anbieten. Doch damit ist nicht unbedingt ein Komfortgewinn für die Nutzer verbunden. Diese können sich grundsätzlich nicht darauf verlassen, den gewünschten Film oder den angestrebten Serienabschnitt bei einem bestimmten Streaming- oder Downloadanbieter vorzufinden.

Leserkommentare
  1. ...ist es bei aktuellen Serien für Nicht-Amerikaner. Während in den USA die Folgen innerhalb eines Tages nach der Erstausstrahlung bei iTunes und co verfügbar sind, ist man als Europäer gerne mal eine Staffel bzw. ein knappes Jahr hinterher und zahlt obendrein auch noch mehr (oft für synchronisierte Fassungen ohne Untertitel/O-Ton oder niedrig aufgelöstes Material). Aktualität fällt meiner Meinung nach bei Serien noch mehr ins Gewicht als bei Filmen.

    Ich habe keinerlei Verständnis für derartige Vermarktungsstrategien und empfinde in diesem Fall nur wenig Mitleid für die arme Content-Industrie. Ich würde z.B. gerne die aktuelle Big-Bang-Theory-Staffel kaufen, aber kann es nicht. Die einzige Möglichkeit die neuesten Folgen zu schauen, ist der Download illegaler releases (und der nachträgliche Kauf der DVDs/Blurays fürs Gewissen, sobald sich das Studio mal erbarmen sollte sie dem Rest der Welt zugänglich zu machen).

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    • cargath
    • 05. November 2012 12:46 Uhr

    Danke für diesen Artikel, es ist gut, dass dieses Problem langsam aber sicher nicht mehr nur als Spinnerei der Piraten abgetan wird, sondern tatsächlich als eine der möglichen Ursache für illegale Downloads in Erwägung gezogen wird. Jetzt müssen nur noch die Filmverlage aufwachen. Leider scheint es sich für Anbieter wie HBO zu rechnen die illegalen Downloads in Kauf zu nehmen...

    In Deutschland ist das Problem leider noch viel ausgeprägter als in den USA: Wir leben in einer globalisierten, immer durch das Internet vernetzten Welt und bekommen ständig die Werbeaktionen für neue Inhalte aus Übersee mit, aber wenn die Globalisierung mal gebracht wird und wir die Inhalte kaufen wollen, dann ist sie nicht da. Wir müssen Monate darauf warten, Monate in denen wir von unseren Online-Bekanntschaften in Amerika hören wie toll XY ist. Wir sind wie das Schulkind das auf dem Schulhof nicht mitreden kann. Und wenn die Inhalte dann ihren Weg nach Deutschland finden, dann müssen wir weiterhin auf veraltete Speichermedien wie DVD und BlueRay zurückgreifen, weil wir sonst nicht an eine unsynchronisierte Originalversion kommen.

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  2. US Serien gibt es gar nicht aktuell zu kaufen, es sei denn man trickst mit einer US-Adresse un itunes, etc. herum. Nicht direkt illegal, aber ein bißchen Grauzone. Stattdessen muß ich warten, bis sie Monate oder Jahre später schlecht synchronisiert in Deutschland im Fernsehen laufen, bevor ich sie mir dann auf DVD kaufen DARF. Das ist so prä-globalisiert!!! Ich würde ja für die Serien bezahlen, wenn man mich ließe!
    Und daß ARD/ZDF nicht mal ihre Tatorts etc. als download bereitstellen (nur die letzten drei...), ist eine Frechheit, vor allem angesichts der Fernsehgebühren.

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  3. "Und daß ARD/ZDF nicht mal ihre Tatorts etc. als download bereitstellen (nur die letzten drei...), ist eine Frechheit, vor allem angesichts der Fernsehgebühren."
    Das ist nicht die Idee von ARD und ZDF, sondern das Ergebnis unserer Regierung, für die nicht der Bürger, sondern Profitinteressen von Wirtschaftsunternehmen, hier das private TV, im Vordergrund stehen.
    Erstaunlich, dass eine CSU-Frau hier eine Initiative gestartet hat (http://www.heise.de/newst...). Mal sehen, was daraus wird.

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    • KG
    • 05. November 2012 17:24 Uhr

    Wenn ich den Film zuhause schaue, habe ich die gleiche Auflösung wie im Kino, ich habe garantiert den von mir präferierten Winkel zum/ Abstand vom TV und Surround-Sound.
    Ich kann essen und trinken was ich will und zahle keine 10€ für Cola + Chips.

    Was mir natürlich daheim fehlt sind andere Menschen, die
    - reden
    - lachen
    - vor mir sitzen und 2,10 m groß sind
    - neben mir sitzen und mit mir um die Armlehne streiten

    Und natürlich fehlt zuhause der authentische klebrige Boden, der mich so anekelt, dass ich meine Brieftasche liegenließe, würde sie mir runterfallen.

    Wenn Heimkino so ist wie Essen aus der Pappschachtel, dann ist "echtes" Kino wie essen von Porzellantellern - auf dem Bahnhofsklo, wobei die ganze Zeit wildfremde Menschen mein Essen anfassen.

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  • Schlagworte Internet | Film | Amazon | Download | Filmstudio | Piraterie
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