Denn in Großbritannien darf man eine Behauptung eigentlich nur verbreiten, wenn man sich sicher ist, dass sie stimmt. Im Zweifel muss man das beweisen können. In den USA hingegen genügt es, nicht zu wissen, dass sie nicht stimmt. Wer also argumentiert, er habe zu dem Zeitpunkt nicht wissen können, dass die Berichte über McAlpine falsch sind, müsste in den USA und auch in Deutschland keine Strafe wegen Verleumdung fürchten. Immerhin war der verlinkte Text in einem angesehenen Medium erschienen, und für den normalen Leser gab es keinen Grund, an seinem Wahrheitsgehalt zu zweifeln.

In Großbritannien reicht das nicht, die Beweislast ist dort umgekehrt . Wer reich sei, könne mit Klage drohen und so Berichte unterdrücken, obwohl sie vielleicht wahr seien, sagen Kritiker dort. Diese Kritik wird auch im Fall McAlpine laut. Mit seiner Drohung versuche er, die Demokratie im Netz zu beschädigen, twittern Nutzer.

Dass die Drohung des Politikers wirkt, zeigt die Reaktion von Sally Bercow. Sie ist mit dem Sprecher des britischen Unterhauses verheiratet und eine derjenigen, die über den Fall McAlpine getwittert haben. Wie der Guardian berichtet , hat sie ihren Twitteraccount mit einst 59.000 Followern inzwischen gelöscht.

Sie habe niemanden verleumden wollen und mit dem Tweet lediglich eine Dummheit begangen, zitiert die Zeitung einen ihrer letzten Tweets. Allerdings sei sie nun ein wenig eingeschüchtert, sich weiter zu der Sache zu äußern. Sie habe nicht genug Geld, sich mit einem Multimillionär anzulegen.