"Der Umzug war die beste Entscheidung überhaupt", sagt Constanze Kurz, eine der Sprecherinnen des CCC. "Wir haben genug Platz für alle, wir müssen keinen mehr wegschicken." In den vergangenen Jahren wurden die Eintrittskarten in einer Art Verlosung verkauft und waren binnen Minuten vergeben. Zum Ärger derjenigen, die draußen bleiben mussten.

Doch ging es bei dem Umzug nicht nur um mehr Platz. "Es musste eine Veränderung her, ich betrachte es als eine Art Häutung", sagt Kurz. An seinem alten Ort habe der Kongress viel zu reibungslos funktioniert, man habe etwas Neues ausprobieren wollen, denn es habe keine Überraschungen mehr gegeben, steht im offiziellen Blog des C3 .

Angst vor Veränderung sei völlig normal, sagt von Leitner und dass die Organisation an neuem Ort mit neuen Leuten auch hätte "total nach hinten losgehen können. Aber das Flair kommt von den Leuten, und es war relativ schnell klar, dass die auch nach Hamburg kommen."

Initiative gegen Diskriminierung und Belästigung

Eine Überraschung zumindest gab es. Eine neue Gruppe interessiert sich offensichtlich für den CCC: Frauen. Sie sind eine Minderheit bei der C3, noch zumindest. Und das liegt nicht unbedingt an den Frauen selbst, sondern vor allem an den Männern.

Frauen und Informatik ist ein Thema, vor allem in Deutschland. Das belegte ein Vortrag von Britta Schinzel . Die emeritierte Professorin hat sich lange mit dem Geschlechterverhältnis in ihrem Fachgebiet beschäftigt. An Beispielen wie der Universität Rostock und Carnegie Mellon zeigte sie, dass nur in Deutschland Frauen die Informatik meiden. In anderen Ländern sind mindestens die Hälfte der für Informatik Immatrikulierten weiblich. In der DDR waren es sogar sehr viel mehr. Ende der achtziger Jahre waren es an der Uni Rostock 65 Prozent, nach der Wende fiel dieser Wert auf nur noch acht Prozent .

Die Ursache ist laut einer von Schinzel zitierten DFG-Studie das Frauenbild der Männer. Sie würden Informatikerinnen nicht als richtige Frauen und nicht als richtige Informatikerinnen wahrnehmen und sie so abschrecken.

Auf dieses Problem wurde beim C3 nicht nur mit einem Vortrag aufmerksam gemacht. Schon immer betrachtete sich der CCC als Verein, der für jede Lebensform offen ist. Für den Kongress in Hamburg wurde zusätzlich eine Anti-Harassment-Policy verabschiedet – das Versprechen also, gegen jede Bedrohung, Belästigung und Diskriminierung vorzugehen.

Gruppen wie die Ada Initiative kritisieren, dass bei den oft männlich dominierten Hackerkonferenzen vor allem in den USA regelmäßig Frauen belästigt würden . Um auf das Problem aufmerksam zu machen, verteilten einige Aktivisten und Aktivistinnen grüne, gelbe und rote Karten auf dem C3. Wer sich belästigt fühle, solle dem Belästiger eine gelbe oder rote Karte übergeben, so die Idee. Da das eher symbolischen Charakter hat, wurde auch ein Notruftelefon eingerichtet.

Die Karten verursachten etwas Verwirrung und wurden von einigen Teilnehmern offensichtlich nicht sonderlich ernst genommen. Doch sie sorgten immerhin für Aufmerksamkeit für das Problem. Auf dem C3 ist der Frauenanteil vergleichsweise gering, Gruppen im CCC wie die Häcksen konnten daran bislang wenig ändern. Vielleicht fühlen sich Frauen künftig weniger abgestoßen. Dem Wachstum des Kongresses und der Hackerszene kann es nur nützen.

Der Autor hat auf dem 29C3 unentgeltlich einen Vortrag gehalten.