Chaos Computer ClubInformatikerinnen gesucht

Der CCC-Kongress ist umgezogen, um mehr Platz zu haben. Der Neustart könnte dazu führen, dass sich künftig mehr Frauen für den Club interessieren. von 

Der Chaos Communication Congress (C3) hat sich entspannt. Das jährliche Treffen von Dateninteressierten und Hackern aus aller Welt fand bislang im Berliner Congress Centrum (BCC) statt, das nur mit Mühe die bis zu 4.000 Menschen fasste. Nun ist der Kongress des Chaos Computer Clubs nach Hamburg gezogen. Schätzungsweise 6.000 Besucher sind gekommen und trotzdem muss niemand Atemnot fürchten.

Das WLAN läuft stabil, es gibt genug Sitzmöglichkeiten und sogar genug Steckdosen und Toiletten für alle. Entsprechend gelöst ist die Atmosphäre. In Berlin hatte die Veranstaltung immer etwas Wuseliges, zu viele drängten sich in den zwei Etagen des Kongresszentrums am Alexanderplatz und versuchten, noch in einen der überfüllten Säle zu kommen. In Hamburg wird eher flaniert.

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Überall sitzen kleine Grüppchen, plaudern, arbeiten, basteln, surfen. Die sogenannten Hackcenter allein bieten nun auf drei Etagen Platz für unzählige Projekte, von Lichtinstallationen über Quadrocopter bis hin zu Workshops wie Arduino für absolute Anfänger.

Umzug geglückt

Im Club ist man über den gelungenen Neustart erleichtert, der Plan war umstritten. "Ich war ja nicht so für den Umzug", sagt Felix von Leitner, der vor allem unter seinem Avatar fefe bekannt ist. "Aber der Kongress hier ist gut. Im BCC herrschte einfach Platzmangel. Hier verläuft sich das. Und das Hackcenter riecht auch nicht mehr wie ein Pumakäfig, weil die Leute nicht mehr so eng aufeinander hocken."

Nicht, dass die Stimmung in Berlin je aggressiv gewesen wäre. Nerds sind eher friedvolle Mitbürger. Die Hamburger Polizei beispielsweise stuft das Gefährdungspotenzial der Veranstaltung wohl noch unter der eines Kirchentages ein . Aber die Freude an den neuen, sehr viel größeren Räumen ist vielen anzumerken. Auch wenn zwei der drei Säle ab und zu dann doch überfüllt waren.

Es ist das zweite Mal, dass der Club umziehen musste. Schon von 1984 bis 1997 wurde der Chaos Communication Congress in Hamburg veranstaltet. Die Stadt ist der Ursprung des Clubs, dort begann seine Geschichte. Doch das Eidelstedter Bürgerhaus, wo der C3 seinen Anfang nahm, wurde zu klein, genau wie nun das BCC. Denn der Einfluss des Clubs und das Interesse an ihm sind gewachsen.

Und sie wachsen weiter. 2012 war ein gutes Jahr für den Club, er hat für seine Projekte viel Aufmerksamkeit und Lob bekommen. Vor Kurzem erst waren mehrere Mitglieder mal wieder vom Bundesverfassungsgericht als Gutachter geladen. Sie sollten ihre Einschätzung zur Antiterrordatei abgeben .

Nicht alle sind glücklich damit. Einige von denen, die sich vor allem für das Basteln an Geräten und Software interessieren, sehen das wachsende politische Engagement mit Skepsis. Doch es sind letztlich beide Fähigkeiten – technischer Sachverstand und politischer Einsatz für Datenschutz und Bürgerrechte – die den Chaos Computer Club (CCC) für viele der Besucher interessant machen. Und es waren viele gekommen, viele zum ersten Mal.

Leserkommentare
  1. ach was Jungs, da ist was anders. Ich habe Medizin studiert war coroner, habe mit tollen Modefotografen gearbeit. Immer Musik gemacht, Jazz, Rock. Nebenher aber nicht nur communication research studiert. Da war ich total allein aber es war ok. Ich war dann im real time programming, Enwicklung bei dem Prozessor Erfinder. Da wurde ich schon betrachte als Wesen vom andern Steren. War ich in US bei denen, da war alles ok, aber in Europoe. Du siehst gar nicht auch wie so eine! Das war noch harmlos. Was solls heute lebe ich mit ner Frau zusammen. Wir haben einen UR Moog wieder ans laufen bekommen und bauen vieles selbst. In UK ist es much more easy

    • haldir
    • 29. Dezember 2012 17:22 Uhr

    Wenn Frauen in irgendeinem Wirtschaftszweig nicht auf 50% kommen, dann sind die Männer schuld.
    Ist diese Kette nicht selbst sexistisch?

    6 Leserempfehlungen
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    • 2b
    • 29. Dezember 2012 19:49 Uhr

    und dieser geht auf Kosten Derjenigen, welche durch moderne Technik einfach überfordert sind?
    Diese Überforderung (Vieler, meine ich, die man meist auch in Gruppen einsortieren will, mit jeweiligem, temporären? Unterstützungswunsch?) könnte man durch ethische Begleitung, im Sinn der Kompetenzerweiterung (kulturell, ethisch, technisch, sozial, wertformend) weiterbringen ... nicht gemeint ist damit suggestive Hilfe, welche sich in Machterhalt manifestieren will???

    ... ein Thema für Informatik&Frauen, aber nicht alleine deren Thema? ...

  2. hier die Netzpolitik, sich zwangsläufig auch aktiv einbringen muss, sollte doch jedem Menschen einleuchten. Die Frage sollte nur lauten: Wie machen sie das?

    Zum Sexismus bzw. dem Frauenbild gibt es hunderte Ansichten und bedarf auch immer einer Definition - ohne Frage ist es ein tägl. Problem. Auch ein Nerd ist ein hormongesteuerter Mensch, der seinen "Deckel für den Topf" sucht. Das man dabei oft über das Ziel hinaus schießt, ja, aber wo beginnt das? Tatsache ist auch, dass die meisten Paare sich im Arbeitsumfeld finden. Das würde nicht funktionieren, wenn man keine Signale senden würde, die dann auch wieder als sexistisch angesehen werden können.

    Die derzeitige Frauenquotenfrage ist doch auch ein politisch gemachtes Problem. Eine Gesellschaft die von einer authoritären "Mutti" geführt wird, der es nur nach ihrer vorgestellten Ordnung geht, prägt eben Volk und Gesetzgebung (z.B. Herdprämie). Jede Mutter ändert ihre Meinung, wenn sie damit ihren häuslichen Frieden wiederherstellen kann ...

    • prof d.
    • 29. Dezember 2012 19:23 Uhr

    frauen interessieren sich nicht für MINT, weil es nicht in ihre vorstellung von weiblichkeit passt, und sie nicht in der lage sind, dieses auffassung zu korrigieren und zu verlassen. das sollen andere machen. die männer oder die gesellschaft.

    und das hier ist auch noch interessant:

    http://pastebin.com/P5vfxPnq

    4 Leserempfehlungen
    • 2b
    • 29. Dezember 2012 19:49 Uhr

    und dieser geht auf Kosten Derjenigen, welche durch moderne Technik einfach überfordert sind?
    Diese Überforderung (Vieler, meine ich, die man meist auch in Gruppen einsortieren will, mit jeweiligem, temporären? Unterstützungswunsch?) könnte man durch ethische Begleitung, im Sinn der Kompetenzerweiterung (kulturell, ethisch, technisch, sozial, wertformend) weiterbringen ... nicht gemeint ist damit suggestive Hilfe, welche sich in Machterhalt manifestieren will???

    ... ein Thema für Informatik&Frauen, aber nicht alleine deren Thema? ...

    Antwort auf "Das übliche Lied"
  3. Kann der Meinung wie der in Kommentar 13 verlinkten nur Recht geben.

    Ich wende mich inzwischen von Genderdiskussionen demonstrativ ab, weil mir die verbissene Einseitigkeit einfach auf den Keks geht. Alle Frauen sind Opfer und alle Männer sozial unfähig und überhaupt erstmal schuldig. Frauen sind arm und schwach (genauso wie Homos) und wir müssen da alle drüber reden, auch wenn die Betroffenen das vielleicht als Paternalismus empfinden. Und wer das als paternalistisch bezeichnet, hat im Grunde das selbe Problem wie Juden kritisierende Juden, sogenannten jüdischen Selbsthass.

    Allein, wie man beim deutschen Bildungsunwesen meinen kann, ein ganzes Geschlecht sei verantwortlich für die wenigen weiblichen Informatiker, ist mir schon ein Rätsel.

    Wie man dann ausserdem noch von Gender (Philosophie der vielfältige Geschlechts- und Sexual"identitäten") reden kann, wenn man die ganze Zeit nur von 50%-Problemen von XY zu XX-Verhältnissen redet, ist mir auch schleierhaft, zudem zu flachlandphilosophisch.

    Das Reinpressen dieses Themas in jeden Alltagsbereich empfinde ich ausserdem zunehmend als eine Art Gesinnungsterror.

    Auch die Frauen, die ich kenne und die ich als stark und selbstbewusst beschreiben würde, machen sich komischerweise über diese Genderdebatten meist lustig oder drehen halb genervt die Augen, wenn man das anspricht.

    In den 70igern/80igern war das wirklich intellektuell, heute reichts noch für flache Witze und bunte Kärtchen (Kita-Pädagogik!).

    6 Leserempfehlungen
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    • 2b
    • 30. Dezember 2012 16:45 Uhr

    das sehen Sie sicherlich auch anteilig ("Kita-Pädagogik"_Gesellschaft, nach Ihrer Einordnung).
    Die Frage ob Wir "unkommentiert" diese Erfahrung für die Zukunft wieder zulassen sollten, ohne Alternativen aufzuzeigen, meine ich, wäre eine relativ wichtige Frage???

    "constructive²disharmony?"

  4. Debatten wie solche sind heuchlerisch und falsch zugleich, da sich niemand über den deutlich hohen Frauenanteil anderen Branchen empört, wie. z.b. Grundschullehrerinnen.
    Hier wäre es wichtig für Kinder eine männliche Bezugsperson als Vorbild zu haben.

    Die angeführte Ursache, dass die männlichen Informatiker Schuld wären an dieser Misere, ist wieder einmal ein dummes Kommentar für unsere mittlerweile "überemanzipierte" Gesellschaft, welches niemand benötigt.
    Denn nicht der Staat sollte Quoten für Frauen einführen, sondern jeder sollte die Arbeit ausüben dürfen, die er für richtig hält und ihm Spaß macht.
    Sobald ein männliches Übergewicht ensteht, wie in der Informationsbranche, melden sich hier Frauenrechtler zu Wort und begründen dies wieder mit männlicher Unterdrückung und bla bla bla.
    Wir könnten genauso gut ja auch darüber nachdenken einen Männer-beauftragten für Grundschullehrer zu fordern.
    Meiner Meinung nach handelt es sich hier um eine sinnlose Debatte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Computer | Chaos Computer Club | Avatar | DDR | Diskriminierung | Informatik
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