Internetkontrolle : China verbietet anonyme Internet-Nutzung

Wer in China ein Profil auf einer Internetseite anlegt, der muss sich künftig ausweisen. Die Regelung könnte die Nutzung Twitter-ähnlicher Seiten verändern.
Chinesische Internetnutzer (Archivbild) © Mark RalstonAFP/Getty Images

China fordert von seinen 500 Millionen Internetnutzern, sich mit ihren echten Namen anzumelden. Ein neues Gesetz sieht vor, dass sie sich bei den Internetdienste-Anbietern ausweisen müssen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete.

Die neue Regelung diene "dem besseren Schutz privater Informationen und der Sicherung öffentlicher Interessen". Zwar könnten Nutzer weiterhin Pseudonyme verwenden, berichtete die New York Times . Sie müssten aber bei der Anmeldung ihren Klarnamen angeben.

Diese Regelung dürfte die Nutzung von Twitter-ähnlichen Seiten wie Sina Weibo verändern: Regimekritische Kurznachrichten können dann von staatlichen Stellen einfach einem Verfasser zugeordnet werden.

Strenge Internetzensur in China

Mit dem Gesetz verschärft China seine Restriktionen für die Internetnutzung. Das Regime fährt bereits einen harten Zensurkurs . Die Nutzer werden mit einer aufwendigen "großen chinesischen Firewall" vor unerwünschten Informationen abgeschottet . Dazu werden unter anderem Filter eingesetzt, die auf bestimmte Worte reagieren.

Tausende Zensoren sind im Einsatz, westliche Onlinedienste wie Facebook und Twitter sind blockiert. Zugleich werfen vor allem die USA chinesischen Geheimdiensten immer wieder vor, Unternehmen und Behörden über das Netz auszuspionieren.

Das neue Gesetz sei eine Reaktion auf Fälle, in denen Internetnutzer im Netz beleidigt oder verleumdet sowie digitale Informationen illegal genutzt worden seien, sagte ein Sprecher des Nationalen Volkskongresses. Menschen, die etwa korrupte Beamte anzeigen wollten, würden trotz der neuen Regelung geschützt.

Nicht nur China, auch einige Internetkonzerne gehen gegen das anonyme Surfen vor. So will Facebook seine Nutzer zwingen , auf Pseudonyme zu verzichten und Klarnamen zu verwenden. Ähnliches versuchte Google bei seinen Diensten YouTube und Google+ .

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Bestandsdaten

Mit dem Gesetzentwurf "GesE Bestandsdaten, BR-Drs. 664/12" wurden gerade wieder einmal Elemente zur Abschaffung der Anonymität im Netz hier in Deutschland diskutiert (haben Sie nichts mitbekommen davon?):

"So hatten der Innen- und der Rechtsausschuss des Bundestages vorgeschlagen, anonyme Prepaid-Karten und anonyme E-Mail-Adressen in Deutschland zu verbieten. Das zumindest lehnte der Bundesrat nun ab."

Siehe: http://www.zeit.de/digita...

Einigen Leuten würde es schon gefallen, wenn es den chinesischen Klarnamen-Zwang auch in Deutschland geben würde.

Wirklich nix neues ..

Ich lebe nun seit drei Jahren in China.
Wer einen Internetanschluss beauftragt, musste schon immer seinen Ausweis vorlegen, so auch ich.

Da die Marktführer (China Telecom, China Unicom, China Mobile) ohnehin Staatsbetriebe sind, dürfte eine Zuordnung von Person und IP-Nummer ein Klax sein.

Allerdings habe ich in China noch nie etwas von "Vorratsdatenspeicherung", dem "Grossen Lauschangriff", "Bundestrojaner" oder anderen Überwachungsmethoden gehört, die in der BRD immer wieder gewollt waren.

Wer die angesprochene "Firewall" umgehen will, nutzt einfach ein VPN (Virtuelles Privates Netzwerk). Dazu gibt es zahlreiche Anbieter, Millionen nutzen diesen Weg.

Aufgezeichnete Bewegungsprofile (Mobilfunk) gehören in Deutschland längst zum gerichtlichen Alltag, in Bayern kann die Nähe eines Mobiltelefons zu einem Tatort (etwa Diebstahl) bereits zur Verurteilung führen.

In München wurde bereits mit Gesichtsfelderkennung gearbeitet, in Strassenbahnen und Bussen werden Videos wochenlang aufbewahrt und am Flughafen werden Ein- und Ausreisen protokolliert.

Über das abgeschaffte Bankgeheimnis müssen wir in D auch nicht mehr reden.

Auch nicht darüber, dass Städte und Gemeinden personenbezogene Daten verkaufen.

Insoweit kann China noch eine Menge von Deutschland und Facebook & Co. "lernen".

@dogidrup

"GesE Bestandsdaten, BR-Drs. 664/12" geht noch wesentlich weiter. Ohne Gerichtsbeschluss können hier auch Passwörter für EMail, Bank, etc. ermittelt werden (TR69 Protokoll).

Horrido!