RohstoffeFair produzierte Computer gibt es nicht

Rohstoffe aus Kongos Minen, zusammengebaut in chinesischen Fabriken: Auf dem Markt gibt es keine Rechner und Smartphones, die zu fairen Bedingungen produziert werden. von Jörg Thoma

Arbeiterinnen in einer chinesischen Fabrik (Archiv)

Arbeiterinnen in einer chinesischen Fabrik (Archiv)  |  © AFP/AFP/Getty Images

Im Kampf um immer niedrigere Preise für Hardware in der IT-Branche müssen Menschen in vielen Ländern unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten. Sie bauen Erze im kriegsgeschüttelten Kongo ab oder schuften in Fabriken für einen Hungerlohn und gefährden dabei mitunter ihre Gesundheit. Das wird sich in naher Zukunft nicht ändern, sagte Sebastian Jekutsch vom Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF) auf dem 29. Chaos Computer Congress. Erste Initiativen lassen aber hoffen, dass sich faire Hardware doch herstellen lässt. Davon ist Jekutsch überzeugt.

Konsumenten sind weitgehend machtlos, selbst wenn sie die Bedingungen für Minenarbeiter im Kongo oder Arbeiter in Zulieferfirmen in China ändern wollen. Denn anders als beim fairen Kaffeeanbau wird in elektronischen Komponenten mehr als ein Rohstoff verbaut. Hinzu kommt, dass gerade im Kongo der Abbau von Rohstoffen von korrupten Militärs oder Milizen kontrolliert wird und der Verkauf der Rohstoffe den Konflikt dort finanziert. "Konfliktfreie" Rohstoffe sind weitaus teurer.

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Auch die Anzahl der Zulieferfirmen ist weitgehend unüberschaubar, so dass nicht alle kontrolliert werden können. Selbst die Hersteller können nicht alle Kontrakthersteller überwachen, auch wenn sie wollten. Die Zulieferfirmen setzen oft auf menschliche Arbeitskräfte, weil sie beispielsweise Maschinen nur mit großem Aufwand umrüsten müssten, um die diversen Tastaturen verschiedener Hersteller mit Tasten zu bestücken.

Hersteller wie Apple reagieren auf öffentlichen Druck

Gerade diese Industrieabhängigkeit macht es schwer, eine Grasroots-Bewegung zu organisieren, wie sie etwa beim Kakao- oder Kaffeeanbau inzwischen für faire Arbeitsbedingungen sorgt. Denn letztendlich müssten alle Komponenten in einem Gerät als "fair" deklariert werden, wenn es ein solches Siegel trägt.

Ganz so aussichtslos wie die Situation jetzt erscheint, ist sie aber nicht, sagte Jekutsch. Schritt für Schritt müssten sich Hersteller, Politik, Konsumenten und Organisationen dafür einsetzen, dass elektronische Geräte zu fairen Bedingungen hergestellt werden.

Erste, wenn auch zaghafte Ansätze gebe es bereits, sagte Jekutsch. Weltweit engagieren sich neben Greenpeace immerhin mehr als eine Handvoll Initiativen für fairen Abbau und Rechte der Arbeiter in Zulieferbetrieben. Unter öffentlichem Druck reagieren selbst große Hersteller wie Apple , Samsung oder Microsoft auf Vorwürfe schlechter Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern .

Leserkommentare
  1. .... betroffen sind so viele Dinge unseres Alltags:

    Wie wäre wohl die Gefühlslage in Deutschland, wenn es ALDI, LIDL und Kik nicht mehr gäbe? Was würde unser Leben kosten, wenn wir für die Dinge unseres täglichen Gebrauchs einen fairen, angemessenen Preis zahlen müssten?

    [Weiterlesen]
    http://tinyentropy.com/2012/03/20/gefuhlt-reich-und-das-auf-kosten-anderer/

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    • intolia
    • 31. Dezember 2012 12:44 Uhr

    ... würde vermutlich anders ausschauen. Kein Billigurlaub mehr in der Türkei (den die vor Ort arbeitenden, oft in Baracken hausenden Billiglöhner mit 16 - 20 h Arbeitstagen tragen), man müsste eventuell auf einen Urlaub sparen.Kein Tierleid mehr, von Tieren, die im eigenen Gestank und Kot zusammengepfercht und mit Antibiotika zugedröhnt werden, damit sie diese Qual überhaupt überleben, man könnte also möglicherweise nicht mehr dreimal am Tag Gammelfleisch vertilgen. Keine Billigkleidung von kik, H& M, C & A und Co., für die sich andere Menschen mit Chemikalien vergiften müssen, oder am Ende sogar verbrennen, weil ihre Fabrik eine einzige Bruchbude ist, die am Ende noch Feuer fängt. Man könnte sich vielleicht einfach nur weniger Kleidungsstücke pro Jahr leisten.
    Tja, und vielleicht sogar nur alle 10 bis 20 Jahre ein neues Handy.
    Das würde wohl die westliche Wohlstandgesellschaft nicht lange durchhalten, oder?
    Schöne, neue Welt.

    • emmapi
    • 31. Dezember 2012 12:27 Uhr

    "Im Kampf um immer niedrigere Preise für Hardware in der IT-Branche müssen Menschen in vielen Ländern unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten."

    Apple beweist, das es nicht um immer niedrigere Preise geht. Die verkaufen ihre Geräte viel zu teuer, sind das "wertvollste" Unternehmen der Welt und gleichzeitig auch das unsozialste.
    Es geht einzig und allein um Gewinnmaximierung. Dem wird alles untergeordnet.

    10 Leserempfehlungen
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    • Xarx
    • 02. Januar 2013 13:12 Uhr

    Gewinnmaximierung betreibt jeder Großkonzern. Apple als DAS unsozialste Unternehmen darzustellen blendet aus, dass zahlreiche andere Betriebe wie beispielsweise Samsung (public eye award 2012) ähnlich handeln. Wer also Apple als das Böse schlecht hin personifiziert erleichtert bestenfalls sein eigenes Gewissen.

    • oh.stv
    • 02. Januar 2013 23:35 Uhr

    wenn man miese Produkte mit mieser Qualität für dumping Preise verramscht ist das also moralisch akzeptabler ...

  2. Grundsätzlich muß natürlich klar sein, daß das Insistieren auf irgendwie ausgedrücktem politisch-korrektem "Wohlverhalten" von Unternehmen letztlich an der Sache vorbei geht. Jedes Unternehmen ist nunmal ein kapitalistisches, der "Tante Emma Laden" ebenso wie der "global player", da kann der eine uns sympathischer sein als der andere, ... aber es sollte klar sein, das es keinen "guten, besseren, richtigen" Konsum gibt, oder eben "guten, besseren, richtigen" Handel in einem System, daß so funktioniert wie es nunmal tut...

    Was ist dran an der Kritik von „Konsumgeilheit” und „Konsumterror” und der Forderung nach bewusstem Konsumverhalten und "verantwortungsvollem" Wirtschaften?

    Dass ein Chicken McNugget in seinem früheren Leben ein Huhn in Massenhaltung war (oder das Coltan aus dem letzten intakten Regenwaldgebiet stammt), liegt nicht an der außerordentlichen Grausamkeit der McDonald’s-Geschäftsführung, sondern daran, dass diese im Wettbewerb mit anderen Fast-Food-Ketten steht. Wer also ein Problem damit hat, dass in dieser Gesellschaft der Großteil der Gebrauchsgüter Schund ist und dass einem dieser Schund auch noch als das Allertollste angepriesen wird, muss den Zweck kritisieren, unter die kapitalistische Produktion abläuft, und die Form der Konkurrenz. >>>weiter http://marx.blogsport.de/texte/sonstiges/kritik-der-konsumkritik/

    "Fair produziert" heißt nicht kapitalistisch produziert! Alles andere ist Augenwischerei!

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/10/2/gs20102067h1.html

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    Ich würde sagen:
    Wer also ein Problem damit hat, dass in dieser Gesellschaft der Großteil der Gebrauchsgüter Schund ist und dass einem dieser Schund auch noch als das Allertollste angepriesen wird, sollte einfach auf Fair-Trade, Bio und Ökologisch nachhaltige Produkte schauen.
    Mc Donalds, Aldi und Apple werden genau das machen, was die Konsumenten wünschen. Momentan wünscht "König Kunde" halt "Billig und Cool" der Rest ist ihm nicht wichtig genug. Sonst würden sich die Firmen darauf einstellen.

    • intolia
    • 31. Dezember 2012 12:44 Uhr

    ... würde vermutlich anders ausschauen. Kein Billigurlaub mehr in der Türkei (den die vor Ort arbeitenden, oft in Baracken hausenden Billiglöhner mit 16 - 20 h Arbeitstagen tragen), man müsste eventuell auf einen Urlaub sparen.Kein Tierleid mehr, von Tieren, die im eigenen Gestank und Kot zusammengepfercht und mit Antibiotika zugedröhnt werden, damit sie diese Qual überhaupt überleben, man könnte also möglicherweise nicht mehr dreimal am Tag Gammelfleisch vertilgen. Keine Billigkleidung von kik, H& M, C & A und Co., für die sich andere Menschen mit Chemikalien vergiften müssen, oder am Ende sogar verbrennen, weil ihre Fabrik eine einzige Bruchbude ist, die am Ende noch Feuer fängt. Man könnte sich vielleicht einfach nur weniger Kleidungsstücke pro Jahr leisten.
    Tja, und vielleicht sogar nur alle 10 bis 20 Jahre ein neues Handy.
    Das würde wohl die westliche Wohlstandgesellschaft nicht lange durchhalten, oder?
    Schöne, neue Welt.

    4 Leserempfehlungen
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    Während schon fast ein Konsens darüber besteht, dass wir aus dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem heraus müssen, ist noch nicht klar, wie das geschehen soll. Der Kapitalismus kann nicht einfach durch ein anderes System, eine Alternativökonomie, ersetzt werden, denn einer seiner Fehler ist ja gerade, dass er ein einheitliches System ist, das sich über alle natürlichen und menschlichen Besonderheiten hinwegsetzt und alles über denselben Kamm schert.

    Der Autor plädiert statt dessen für ein Besinnen auf die Gemeinschaften: Leben kann nur gemeinsam gestaltet werden. Die Zukunft liegt in den Commons, also in Arrangements zur Herstellung und Erhaltung von gemeinsam genutzten Ressourcen. P.M. zeigt sehr konkret und detailliert, wie der Kapitalismus abgelöst werden kann, wie Gemeinschaften Märkte ersetzen können: eine Gebrauchsanweisung für das Gemeinglück.

    »Solch ein kultureller Pluralismus wird unsere Überlebenschancen drastisch erhöhen und ganz nebenbei viel mehr Freude in unser Leben bringen. Die nötigen Investitionen sind minimal: Es kostet uns nur den Verzicht auf simple Weltbilder und lieb gewonnene Überzeugungen.« P.M.
    http://www.edition-nautilus.de/programm/politik/buch-978-3-89401-767-5.html
    http://www.neustartschweiz.ch/
    http://www.solidarity-us.org/site/node/517
    http://endofcapitalism.com/about/4-what-comes-after-capitalism/

  3. Während schon fast ein Konsens darüber besteht, dass wir aus dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem heraus müssen, ist noch nicht klar, wie das geschehen soll. Der Kapitalismus kann nicht einfach durch ein anderes System, eine Alternativökonomie, ersetzt werden, denn einer seiner Fehler ist ja gerade, dass er ein einheitliches System ist, das sich über alle natürlichen und menschlichen Besonderheiten hinwegsetzt und alles über denselben Kamm schert.

    Der Autor plädiert statt dessen für ein Besinnen auf die Gemeinschaften: Leben kann nur gemeinsam gestaltet werden. Die Zukunft liegt in den Commons, also in Arrangements zur Herstellung und Erhaltung von gemeinsam genutzten Ressourcen. P.M. zeigt sehr konkret und detailliert, wie der Kapitalismus abgelöst werden kann, wie Gemeinschaften Märkte ersetzen können: eine Gebrauchsanweisung für das Gemeinglück.

    »Solch ein kultureller Pluralismus wird unsere Überlebenschancen drastisch erhöhen und ganz nebenbei viel mehr Freude in unser Leben bringen. Die nötigen Investitionen sind minimal: Es kostet uns nur den Verzicht auf simple Weltbilder und lieb gewonnene Überzeugungen.« P.M.
    http://www.edition-nautilus.de/programm/politik/buch-978-3-89401-767-5.html
    http://www.neustartschweiz.ch/
    http://www.solidarity-us.org/site/node/517
    http://endofcapitalism.com/about/4-what-comes-after-capitalism/

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Unser Leben ..."
  4. Wenn eine Tastatur eines westdeutschen Herstellers 30 Euro kostet, dann geht das nur vollautomatisiert.

    Soviele Varianten gibt es nicht von einer Tatatur, daß die Hersteller ständig ihre Anlagen umrüsten müssten.
    Bevor die Tasten beschriftet werden sind sie alle gleich.

    Das letzte bei der Herstellung einer Tastatur ist die Beschriftung der Tasten mit Laser.

    Selbst das Typenschild auf der Rückseite ist durch Laserbeschriftung ersetzt.

    • 29C3
    • 31. Dezember 2012 13:16 Uhr

    Denn computer sind als Komponenten oder allein stehende Geräte längst <em>consumer electronics</em>. Somit erschließt sich nicht, warum ausgerechnet für Computer etwas anderes gelten soll, als für den Rest der - eben - <em>consumer electronics</em>. Oder sonstwas, was auf diesem verrückten Planeten so munter konsumiert, und spätestens nach ein paar Jahren wieder weggeschmissen wird.

    2 Leserempfehlungen
    • 29C3
    • 31. Dezember 2012 13:19 Uhr

    Die meisten <em>consumer</em> nutzen keine 10% der längst verfügbaren Rechenleistung ihrer Geräte, und wenn dann höchstens die der GPU. Somit erfahren sie auch nie, was "die Kisten" so alles können.

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