Anders als oft kolportiert ist Creative Commons keine Alternative zum Urheberrecht und will das auch gar nicht sein. Die durch die Non-Profit-Organisation Creative Commons (CC) entwickelten Lizenzen würden ohne den Unterbau des Urheberrechts auch gar nicht funktionieren. Sie sollen vielmehr einen vertraglichen "Hack" des urheberrechtlichen Maximalschutzes darstellen, der in Zeiten des Internets teils zu einer echten Belastung geworden ist.

Entsprechend hat sich CC seit seinem Start im Jahre 2002 auf die Fahnen geschrieben, einen möglichst laientauglichen Weg zu bieten, den ganz strikten urheberrechtlichen Schutz namens "alle Rechte vorbehalten" loszuwerden, der automatisch eintritt, sobald ein Werk geschaffen ist. Wenn also gesagt wird, jemand "schütze sein Werk mittels CC-Lizenz", dann ist das zumindest missverständlich. Geschützt wird das Werk stets nur durch die staatliche Rechtsordnung und ihre Gesetze. Wer ein Werk mit einer CC-Lizenz versehen veröffentlicht, fährt diesen Schutz bewusst zurück und kann dies zudem abgestuft in sechs verschiedenen Schritten tun.

Dafür gibt es sechs verschiedene CC-Lizenzen, die sich aus der Kombination von vier verschiedenen Lizenzelementen ergeben, von denen eines in jeder Lizenzvariante enthalten ist: Wo und durch wen das lizenzierte Werk auch genutzt wird, es muss immer der Name des Urhebers genannt werden. Letztlich sind CC-Lizenzen an die Allgemeinheit gerichtete Erlaubnisse, das betreffende Werk zu nutzen. Je nach Anwendungsfall kann der Urheber diese Erlaubnis durch Bedingungen einschränken, indem er die passende der sechs Lizenzvarianten einsetzt.

Da individuelles Aushandeln somit obsolet wird – man kann ja an der Standardlizenz erkennen, was man als Nutzer darf und was nicht – sollen die so lizenzierten Werke und Inhalte einfacher im Netz zirkulieren können. Die rechtlichen Transaktionskosten sollen den technischen angenähert werden, die im Internet nahe Null liegen.

Nun feiert CC mit zahlreichen Veranstaltungen weltweit die ersten zehn Jahre seiner Aktivitäten. In dieser Dekade ist viel erreicht worden. Hunderte Millionen Einzelwerke im gesamten Internet, die Zahl ist nicht genau ermittelbar, sind heute CC-lizenziert und damit – je nach konkret gewählter Lizenzvariante – mehr oder weniger freigegeben und nachnutzbar für jedermann. Sie machen die eigentlichen "creative commons", also die "kreative Allmende" aus, die CC im Namen trägt. Durch diese rege Verwendung seiner Lizenzen hat sich CC inzwischen zu einer Art universellem Hintergrunddienstleister für zahllose Initiativen entwickelt, die darauf setzen, dass Inhalte zugänglich und nachnutzbar sind, eben "Open Content".

Die Spannbreite der Dinge, mit denen sich diese Initiativen beschäftigen, ist so groß, dass sie an dieser Stelle nicht einmal im Ansatz abbildbar ist. Sie reicht von der Wikipedia über viele wesentlich kleinere, spezialisierte Wissenssammlungen, geodatenbasierte Projekte, Metadatenaggregatoren, öffentliche Datenangebote, Videoportale, Bilddatenbanken, Webradios und Samplingverzeichnisse bis zu politischen und sozialen Initiativen, NGOs und Kampagnen und, nicht zu vergessen, einer immensen Zahl von Blogs.

Wie in jedem System gibt es natürlich auch im CC-Lizenzsystem immer wieder Schwierigkeiten. Das drückt sich nicht zuletzt darin aus, dass die CC-Lizenzen bereits dreimal "versioniert" wurden, also überarbeitet, zuletzt im Jahre 2007. Derzeit steht die Version 4.0 kurz vor der Fertigstellung, die viele Jahre Bestand haben soll. Sie soll vor allem auch für Laien verständlicher sein.

Zudem regelt sie den Umgang mit Datenbankenrechten neu. Gemeint sind Schutzrechte, die an Datenbanken selbst dann entstehen, wenn deren Elemente selbst keinerlei schöpferische Qualität haben und darum auch nicht urheberrechtlich geschützt sind. Dennoch besteht dann ein Schutzrecht an der Datenbank selbst, welches nun mit Version 4.0 in die zentrale Gruppe der Rechte aufgenommen wird, die man mittels CC-Lizenz lizenziert.