10 Jahre Creative CommonsLizenzen werden bald auch für Laien besser verständlich sein

Die nächste Version der Creative-Commons-Lizenzen soll den "Hack des urheberrechtlichen Maximalschutzes" weiter erleichtern. Ein Ausblick von John H. Weitzmann von John H. Weitzmann

Anders als oft kolportiert ist Creative Commons keine Alternative zum Urheberrecht und will das auch gar nicht sein. Die durch die Non-Profit-Organisation Creative Commons (CC) entwickelten Lizenzen würden ohne den Unterbau des Urheberrechts auch gar nicht funktionieren. Sie sollen vielmehr einen vertraglichen "Hack" des urheberrechtlichen Maximalschutzes darstellen, der in Zeiten des Internets teils zu einer echten Belastung geworden ist.

Entsprechend hat sich CC seit seinem Start im Jahre 2002 auf die Fahnen geschrieben, einen möglichst laientauglichen Weg zu bieten, den ganz strikten urheberrechtlichen Schutz namens "alle Rechte vorbehalten" loszuwerden, der automatisch eintritt, sobald ein Werk geschaffen ist. Wenn also gesagt wird, jemand "schütze sein Werk mittels CC-Lizenz", dann ist das zumindest missverständlich. Geschützt wird das Werk stets nur durch die staatliche Rechtsordnung und ihre Gesetze. Wer ein Werk mit einer CC-Lizenz versehen veröffentlicht, fährt diesen Schutz bewusst zurück und kann dies zudem abgestuft in sechs verschiedenen Schritten tun.

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Dafür gibt es sechs verschiedene CC-Lizenzen, die sich aus der Kombination von vier verschiedenen Lizenzelementen ergeben, von denen eines in jeder Lizenzvariante enthalten ist: Wo und durch wen das lizenzierte Werk auch genutzt wird, es muss immer der Name des Urhebers genannt werden. Letztlich sind CC-Lizenzen an die Allgemeinheit gerichtete Erlaubnisse, das betreffende Werk zu nutzen. Je nach Anwendungsfall kann der Urheber diese Erlaubnis durch Bedingungen einschränken, indem er die passende der sechs Lizenzvarianten einsetzt.

Da individuelles Aushandeln somit obsolet wird – man kann ja an der Standardlizenz erkennen, was man als Nutzer darf und was nicht – sollen die so lizenzierten Werke und Inhalte einfacher im Netz zirkulieren können. Die rechtlichen Transaktionskosten sollen den technischen angenähert werden, die im Internet nahe Null liegen.

John Hendrik Weitzmann
John Hendrik Weitzmann

Creative Commons Deutschland wird von einer Doppelspitze geleitet. John Hendrik Weitzmann ist seit 2006 der sogenannte Legal Project Lead, zuständig für die rechtliche Seite inklusive der Portierung der CC-Lizenzen für das deutsche Rechtssystem. (Der Public Project Lead ist Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl.)

Weitzmann ist Rechtsanwalt, arbeitet unter anderem für das Urheberrechts-Portal irights.info und ist stellvertretender Sprecher des Internet & Gesellschaft Co:llaboratory e.V.

Nun feiert CC mit zahlreichen Veranstaltungen weltweit die ersten zehn Jahre seiner Aktivitäten. In dieser Dekade ist viel erreicht worden. Hunderte Millionen Einzelwerke im gesamten Internet, die Zahl ist nicht genau ermittelbar, sind heute CC-lizenziert und damit – je nach konkret gewählter Lizenzvariante – mehr oder weniger freigegeben und nachnutzbar für jedermann. Sie machen die eigentlichen "creative commons", also die "kreative Allmende" aus, die CC im Namen trägt. Durch diese rege Verwendung seiner Lizenzen hat sich CC inzwischen zu einer Art universellem Hintergrunddienstleister für zahllose Initiativen entwickelt, die darauf setzen, dass Inhalte zugänglich und nachnutzbar sind, eben "Open Content".

Die Spannbreite der Dinge, mit denen sich diese Initiativen beschäftigen, ist so groß, dass sie an dieser Stelle nicht einmal im Ansatz abbildbar ist. Sie reicht von der Wikipedia über viele wesentlich kleinere, spezialisierte Wissenssammlungen, geodatenbasierte Projekte, Metadatenaggregatoren, öffentliche Datenangebote, Videoportale, Bilddatenbanken, Webradios und Samplingverzeichnisse bis zu politischen und sozialen Initiativen, NGOs und Kampagnen und, nicht zu vergessen, einer immensen Zahl von Blogs.

Zehn Jahre Creative Commons

Die Creative Commons (CC) sind ein alternatives Modell zur Verwaltung von Urheberrechten. Die verschiedenen CC-Lizenzen sollen es ermöglichen, Werke wie Bücher, Artikel oder Filme möglichst vielen Menschen zur möglichst freien Nutzung zu überlassen. Je nach gewählter Lizenz sind bei der Nutzung des Werks aber bestimmte Vorgaben des Urhebers zu beachten.

Creative Commons ist gleichzeitig der Name einer gemeinnützigen Organisation, die dazu vorgefertigte Lizenzverträge zur Verfügung stellt. Gegründet wurde die Organisation im Jahr 2001, federführend war dabei der Harvard-Professor Lawrence Lessig. Im Dezember 2002 wurden dann die ersten CC-Lizenzen veröffentlicht. Das feiert die Organisation mit Partys und Veranstaltungen in aller Welt.

Lob, Kritik und Ausblick

In drei Artikeln würdigt ZEIT ONLINE den Geburtstag der Creative Commons:

Wissenschaftler Leonard Dobusch hält die Creative Commons für den Schlüssel zur Versöhnung des Urheberrechts mit der digitalen Revolution.

Blogger Michael Seemann kritisiert die CC dagegen als komplizierte, elitäre Wichtigtuerei.

John Hendrik Weitzmann, zuständig für rechtliche Fragen bei Creative Commons Deutschland, gibt einen Ausblick auf die Entwicklung des Lizenzmodells.

Wie in jedem System gibt es natürlich auch im CC-Lizenzsystem immer wieder Schwierigkeiten. Das drückt sich nicht zuletzt darin aus, dass die CC-Lizenzen bereits dreimal "versioniert" wurden, also überarbeitet, zuletzt im Jahre 2007. Derzeit steht die Version 4.0 kurz vor der Fertigstellung, die viele Jahre Bestand haben soll. Sie soll vor allem auch für Laien verständlicher sein.

Zudem regelt sie den Umgang mit Datenbankenrechten neu. Gemeint sind Schutzrechte, die an Datenbanken selbst dann entstehen, wenn deren Elemente selbst keinerlei schöpferische Qualität haben und darum auch nicht urheberrechtlich geschützt sind. Dennoch besteht dann ein Schutzrecht an der Datenbank selbst, welches nun mit Version 4.0 in die zentrale Gruppe der Rechte aufgenommen wird, die man mittels CC-Lizenz lizenziert.

Eine weitere Schwierigkeit liegt in der Definition des beliebten Lizenzbausteins "nur nicht-kommerzielle Nutzung erlaubt" (abgekürzt NC). Diese Definition ist in den entsprechenden Lizenztexten relativ offen formuliert, was einerseits verschiedene Gruppen dazu nutzen, um ihre eigenen Vorstellungen von "kommerziell versus nicht-kommerziell" zu entwickeln. Andererseits erhöht die unscharfe Formulierung aber auch die Rechtsunsicherheit für diejenigen, die versuchen einzuschätzen, ob sie selbst beziehungsweise ihr Handeln nun als kommerziell im Sinne der Lizenzen zu gelten hat oder nicht.

Und ganz allgemein besteht bei CC-Lizenzen – wie bei allen Open-Content-Lizenzen – das Problem, dass sie oft nicht eingehalten werden. Mitunter geschieht dies sogar bewusst, und die möglichen Konsequenzen wie Abmahnungen und gerichtliche Klagen werden als bloßer Kostenfaktor ins jeweilige Geschäftsmodell des Verletzers mit eingepreist. Gerade hier sind Weiterentwicklungen nötig und in Planung. Zukünftig sollen CC-Lizenzgeber die Möglichkeit bekommen, ihre Rechte bei Verletzungen der Lizenzen mit weniger Aufwand durchzusetzen. Mittelfristig wird dies voraussichtlich zu weniger Lizenzverletzungen führen und die entstehende kreative Allmende noch nachhaltiger werden lassen.

Besonders aktiv ist CC als Organisation derzeit im Bereich frei nutzbarer Bildungsressourcen (Open Educational Resources – OER). Auch nimmt CC mit seinem kürzlich neu gebildeten "Science Advisory Board" die Fäden seines zwischenzeitlich eingestellten Projekts "Science Commons" wieder auf und setzt sich dafür ein, dass Forschungsergebnisse und Materialien, die Grundlage für weitere Forschungen sein können, mit möglichst wenigen rechtlichen Beschränkungen belegt werden.

Dieser Text ist unter CC BY 3.0 de lizensiert

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Leserkommentare
  1. ist ein Lizenzmodell, dass die militärische und militärtechnische Nutzung verbietet.
    Die Frage ist nur, wie man Verletzungen sanktioniert und ob man solche Sanktionen dann auch durchgesetzt bekommt.

    Eine Leserempfehlung
    • adama
    • 07. Dezember 2012 23:25 Uhr

    Das wäre natürlich Klasse. Dann könnte man so ziemlich jede Veröffentlichung verbieten, da jede Information zum Vorteil einer Partei genutzt werden kann. :)

    • Zigarre
    • 08. Dezember 2012 2:53 Uhr

    Erst erklärt Herr Seemann, dass CC unnötig kompliziert ist, und nur knapp 28 Stunden später erhalten wir von Herrn Weitzmann die Erleuchtung: Dass CC vereinfacht wird. So weit, so gut.

    Worin bestand das Hauptproblem? Herr Seemann lehrt: Es gibt eine Unzahl von Modulen, je nachdem, ob ein Autor mit Vor-, Nach-, Ordens- und/oder Spitznamen genannt werden möchte, ob man seiner Mona Lisa einen Schnurrbart aufmalen darf oder nicht, oder vielleicht nur, wenn er nicht so aussieht wie der des Künstlers, ob ein Straßenmaler Kleingeld annehmen darf, wenn er das doofe Bild in der Fußgängerzone auf die Straße pinselt, usw.

    Natürlich hat Seemann da völlig recht. Es wird einfach hoffnungslos unübersichtlich und führt zwangsläufig zu Fehlern. Dann ist jemand wahlweise traurig oder wütend oder droht sogar mit Klage, weil ich übersehen habe, dass ich wegen der irgendwas-Komma-wievielten CC-Version vergaß, den Namen seiner Schwiegermutter mit anzugeben.

    Aus dem zweiten Artikel erklärt sich mir aber nicht wirklich, ob das überhaupt behoben wird.
    Man kann sich ab 4.0 effektiver über den fehlenden Namen beschweren? Die Datenbankenkompabilität wurde verbessert? Fan-tas-tisch!
    Naja, Pluspunkt für das mit dem NC, falls es denn klappt.

    Ich hoffe mal, dass nur einfach nicht erwähnt wurde, dass diese ganzen "Erlaubniswürste" gekürzt wurden, oder dass ich es schlicht überlesen habe.
    Ansonsten wird es wohl auch nicht das Gelbe vom Ei werden auf der unendlichen Suche nach dem Urheberrecht der Zukunft.

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    • nik--
    • 10. Dezember 2012 0:38 Uhr

    Blöden Sarkasmus kann man sich jedenfalls sparen, denn _der_ trägt garantiert nicht zur Versachlichung der Debatte bei.

    > Es gibt eine Unzahl von Modulen

    Nee, gibts nicht. Der Autorenname ist bekannt, die Nutzung kann nur generell eingeschränkt werden oder nicht.

    > Ansonsten wird es wohl auch nicht das Gelbe vom Ei werden auf der unendlichen Suche nach dem Urheberrecht der Zukunft.

    Glückwunsch! Artikel ausgesprochen unaufmerksam gelesen!

  2. 4. I like

    und ich wünsche auch und vor allem der C3S, der zukünftigen Konkurrenz der der GEMA alles gute!

    Eine Leserempfehlung
    • nik--
    • 10. Dezember 2012 0:38 Uhr

    Blöden Sarkasmus kann man sich jedenfalls sparen, denn _der_ trägt garantiert nicht zur Versachlichung der Debatte bei.

    > Es gibt eine Unzahl von Modulen

    Nee, gibts nicht. Der Autorenname ist bekannt, die Nutzung kann nur generell eingeschränkt werden oder nicht.

    > Ansonsten wird es wohl auch nicht das Gelbe vom Ei werden auf der unendlichen Suche nach dem Urheberrecht der Zukunft.

    Glückwunsch! Artikel ausgesprochen unaufmerksam gelesen!

    Eine Leserempfehlung

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