Ich mag die Creative Commons (CC) nicht. In internetaffinen Kreisen rangiert eine solche Aussage knapp über dem Geständnis, Videos von Katzenbabys abstoßend zu finden. Denn die CC-Lizenz bedeutet schließlich Freiheit, Gemeinschaftlichkeit und die Zukunft gleichzeitig. Eine Befreiung der Kreativen von den Restriktionen des Urheberrechts, ein Lizenzbaukasten, mit dem sie genau den Grad der Freiheit einstellen können, was andere mit ihren Fotos, Texten, Liedern und Filmen im Netz anstellen dürfen. Ein Kommunismus, der keinem weh tut, weil er freiwillig ist. Ein Kommunismus der Herzen, dem sogar die Tea Party ihren Segen geben würde. Seit zehn Jahren geht das schon so, und es nervt jeden Tag mehr.

Beinahe alle Urheberrechtsexperten sind sich einig, dass es in Zeiten, in denen jeder das Internet nutzt, um Inhalte zu teilen, ein Urheberrecht braucht, das so einfach ist, dass es sich jedem sofort erschließt. Die Antwort der Creative Commons sind sechs weitere Urheberrechte, die sich auf das unverständliche Original noch oben draufflanschen.

Creative Commons ist das Gegenteil eines verständlichen Urheberrechts. Es braucht eine lange Einarbeitungszeit in den Lizenzwust, und selbst dann macht man ständig Fehler. Wirklich verstanden werden die Lizenzen nur in Nerdkreisen, die sich darauf spezialisiert haben. Es ist kein Zufall, dass es Alltag in Redaktionen und Blogs ist, gegen CC-Lizenzen zu verstoßen oder meist gleich zugunsten kommerzieller Angebote darauf zu verzichten. Das Urheberrecht mag unfrei sein, aber immerhin gibt es dort einfache Standards.

Im Zweifel sind klassisch urheberrechtsgeschützte Angebote sogar günstiger, wenn man die ganzen kognitiven wie rechtlichen Transaktionskosten beim Einsatz der angeblich so "freien" CC-Inhalte mit einrechnet. Ich selbst verzichte lieber auf Bilder in meinen Blogposts, und von meinen Vorträgen gebe ich keine Folien mehr raus, statt mich mit dem Quatsch zu beschäftigen. Ich will kreativ sein, das Rechtsgetöse überlasse ich Anwälten.

Was es da alles gibt: mit Namensnennung (BY), Weiterverarbeitung nur unter gleicher Lizenz (SA), mit Namensnennung, aber bitte nicht bearbeiten (BY-ND), bitte nicht bearbeiten und nicht kommerziell verwerten, natürlich auch mit Namensnennung (BY-NC-ND), etc. Alles aufgeschlüsselt in sogenannte Module, die nach strenger Systematik miteinander kombinierbar sind. Hinzukommen die Fallstricke beim Einbinden. Worauf man alles achten muss: immer Original referenzieren, Autornamen angeben, Lizenz korrekt wiedergeben und auf die offizielle Creative Commons Page verlinken, aber auf keinen Fall die falsche Lizenz!

Der größte Wahnsinn dabei ist das NC-Modul – es steht für " noncommercial ", und eigentlich weiß keiner so genau, was das bedeutet. Ist mein Blog nicht kommerziell, obwohl ich über den Spendendienst Flattr Geld einnehme? Was, wenn ich irgendwann Werbung schalte? Muss ich die CC-NC-lizensierten Bilder dann alle wieder runternehmen? Oder will man mir zu verstehen geben: "Irgendwann werde ich für dieses Foto von meinem Gartenstuhl bestimmt 4.000 Euro bekommen, nicht, dass du mir das wegschnappst"? In welcher Welt leben diese NC-Menschen eigentlich? Das ist nicht mal Egoismus, das ist eingebildeter Egoismus und macht nebenbei die potenziellen Vorteile der CC-Lizenz zunichte .

CC-NC macht die lizensierten Inhalte unbrauchbar für freie Datenbanken, die Wikipedia , den Großteil der Blogs und damit für das Internet insgesamt. Und wofür das alles? Dass ja niemand je einen Cent verdient, der die Inhalte nutzt? Das Non-Commercial-Modul der Creative Commons ist wie der Heckspoiler am Opel Corsa – reine Wichtigtuerei.

CC-Lizenzen sind die FDP-Version von Freiheit

Ich selbst habe mich auch irgendwann gezwungen gesehen, meinen Blog unter eine freie Lizenz zu stellen, denn unser Gesetz sieht vor, dass es sonst implizit dem reinen Urheberrecht zugerechnet wird. Meine Wahl fiel nicht auf die CC0-Lizenz, obwohl sie meinen Ansprüchen entsprach, denn sie bedeutet quasi den Verzicht aller sich aus dem Urheberrecht herleitenden Rechte. Stattdessen griff ich zu der WTFPL, die "Do What The Fuck You Want To Public License" , die quasi dasselbe tut, denn ich wollte einen möglichst weiten Abstand zwischen mir und der durch die Creative Commons verursachten Verunsicherung schaffen. Bei WTFPL ist der Name Programm, jedes Weiterlesen der Lizenz ist reine Zeitverschwendung. Meine Inhalte sind wirklich frei, jeder darf damit tun und lassen, was er will und man versteht das sofort.

Ein paar Scherzbolde haben daraufhin meine Bloginhalte zu einem E-Book kompiliert, dass sie nun für 10,29 Euro das Stück auf Amazon verkaufen . Der Alptraum jedes CC-NC-Benutzers – und ein Glücksfall für mich. Ich kenne die Verkaufszahlen nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich mit dem Erzählen dieser Story weitaus mehr Geld verdient habe als die "Raubdrucker" durch den Verkauf. An dieser Stelle noch mal ein warmes Dankeschön.

Die CC-Lizenz sagt " some rights reserved " und meint damit: Ich will "freie" Inhalte produzieren und dennoch kontrollieren, was damit geschieht. Es ist die FDP-Version von Freiheit, mit Gartenzaun und Zeigefinger.

Das Netz verödet

Die Creative Commons errichten Wohlfühlinseln für Nerd-Privilegierte im Wahnsinn des Kapitalismus, ganz ähnlich wie die Ökoläden im Prenzlauer Berg. Wer es sich leisten kann, zückt seine LPG-Genossenschaftskarte und benutzt CC-Lizenzen. CC ist elitär und es verhindert die Beschäftigung mit dem eigentlichen Problem: dem unzeitgemäßen Urheberrecht. CC ist eine Brückentechnologie, allerhöchstens, aber wir haben uns darin eingerichtet und den Rest der Gesellschaft vergessen.

Mit dem Internet haben wir die einmalige Chance, in einer Wissensgesellschaft zu leben. Stattdessen leben wir im Urheberrechtsabmahn-Terror und trösten uns mit einer Flut meist minderwertiger CC-Inhalte. Das Netz verödet, Anwälte machen Kasse und wir wollen ernsthaft die Segnungen von 10 Jahren CC-Lizenzen feiern? Was wir brauchen, ist eine radikale Neufassung des Urheberrechts. Was wir brauchen, ist echte Freiheit und echte Rechtssicherheit im Netz, die jeder versteht. Weg mit dem CC-Wischiwaschi und her mit einer echten Urheberrechtsreform.