WikiLeaks startet einen neuen Versuch, die Spendenblockade durch die Zahlungsdienstleister Mastercard und Visa zu umgehen: Die Freedom of the Press Foundation sammelt Spenden für WikiLeaks .

Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, "absetzbare Spenden für eine wechselnde Gruppe streitbarer Organisationen von öffentlichem Interesse zu sammeln – bereits existierende oder neue –, die sich damit beschäftigen, Missmanagement, Misshandlungen, Korruption, Repression und Verbrechen in den zunehmend undurchsichtig werdenden Institutionen aufzudecken". Das schreiben Danny Ellsberg und John Perry Barlow , zwei der Gründer, in der Huffington Post .

Ellsberg hatte 1971 selbst geheime Papiere des US-Verteidigungsministeriums an die Öffentlichkeit lanciert. Barlow ist ehemaliges Mitglied der Band Grateful Dead und einer der Gründer der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF). Mit dabei sind unter anderem noch Glenn Greenwald, Journalist bei der britischen Tageszeitung The Guardian , und der US-Schauspieler John Cusack .

Die Spendenblockade gegen WikiLeaks gehe auf die Initiative der US-Abgeordneten Joe Lieberman und Peter King zurück, erklären Ellsberg und Barlow. Anders als bei den Maßnahmen, die seinerzeit gegen Ellsberg verhängt wurden, gebe es gegen diesen "Akt der Zensur" keine Einspruchsmöglichkeit. Dagegen will die Freedom of the Press Foundation vorgehen und "Transparenz durch Crowdfunding finanzieren".

Spenden für vier Organisationen

Derzeit sammelt die Freedom of the Press Foundation Spenden für vier Organisationen. Neben WikiLeaks sind das Muckrock News , eine Organisation, die dabei hilft, Dokumente unter Berufung auf das US-Informationsfreiheitsgesetz zu bekommen, The Uptake , ein Angebot mit von Bürgerjournalisten erstellten Videonachrichten, sowie das National Security Archive , ein Archiv für Regierungsdokumente, die nicht mehr der Geheimhaltung unterliegen.

Nutzer können über die Website spenden, wobei sie mit Schiebereglern bestimmen, welche Organisation wie viel Geld erhält. Da die Freedom of the Press Foundation in den USA den Status der Gemeinnützigkeit hat, sind die Spenden auch steuerlich absetzbar. Gespendet werden kann über Kreditkarte.

Im Sommer hat bereits die französische Bürgerrechtsorganisation La Quadrature du Net WikiLeaks geholfen: Über ihre Unterorganisation Fonds de Défense de la Net Neutralité (FDN2) sammelt sie Spenden für WikiLeaks, die über die französische Carte-Bleue-Karte abgewickelt werden. Der Zahlungsdienstleister Groupe Carte Bleue arbeitet mit Visa und Mastercard zusammen. Diese sind vertraglich verpflichtet, Zahlungen über die Carte Bleue abzuwickeln.

Durch die Spendenblockade hat WikiLeaks nach eigenen Angaben 95 Prozent seiner Einnahmen verloren und ist seither in akuter Geldnot, so dass die Organisation ihre Arbeit zeitweise einstellen musste. Kürzlich hatte sie einen Teil der von ihr veröffentlichten Dokumente, die Global Intelligence Files , hinter eine Paywall gestellt.

Erschienen bei golem.de