Internet of ThingsWenn Kühlschränke Gedanken lesen
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Überwachung leicht gemacht

Welche Risiken es bergen könnte, wenn das Netz zum großen Ganzen wird, wurde in Paris kaum diskutiert. Leider. Denn wenn das Internet der Dinge so kommt wie prophezeit, wird es in Zukunft nicht mehr genügen, zu diskutieren, wie Arztpraxen und Versicherungen Gesundheitsdaten sicher speichern oder wie soziale Netzwerke ihre Kundeninteressen verwalten. Denn auch der Kühlschrank sieht und hört dann alles. Und der Toaster. Und das Auto. Und wenn gewünscht, können diese Maschinen ihre eigenen Statusmeldungen automatisch twittern oder auf Facebook posten.

Wie das geht, zeigte Marcus Schappi von Ninja Blocks. Das ist ein Steuergerät, das es ermöglicht, ohne Programmieraufwand verschiedene Sensoren – etwa Geräusch-, Feuchtigkeits- oder Bewegungsmelder – mit dem Smartphone und dessen Kamera zu verschalten. Schappis Beispiel war lustig: Er präparierte seinen Hühnerstall mit einem Bewegungsmelder, der reagierte, wenn ein Fuchs sich näherte. Automatisch machte das Handy ein Foto von dem Räuber und twitterte es in die Welt. Praktisch, um zum Beispiel Einbrecher abzulichten. Aber ist es noch witzig, wenn damit Nachbarn, Mitarbeiter oder Partner bespitzelt werden? Für 199 US-Dollar kann man das Einsteiger-Set für Hobbyspione vorbestellen.

Hirnscan in Echtzeit

Das Internet of Things macht auch nicht Halt vor den intimsten Daten, die wir besitzen: den Vorgängen in unserem Gehirn. Die kanadische Unternehmerin und Psychotherapeutin Ariel Garten präsentierte bei der LeWeb ein futuristisches Stirnband namens Muse. Das misst die Hirnströme und sendet sie via Bluetooth ans Smartphone oder Tablet.

Bisher kann das Smartphone wenig mit den Daten anfangen. Das Anwendungsbeispiel, das Garten vorführte, war eher eine Spielerei: Kombiniert mit dem Programm Emotype können User Texte schreiben, während das Stirnband ein EEG aufzeichnet. Je nach Erregungszustand im Gehirn, verändert sich die Schriftart beim Schreiben. Eine schnörkellose kleine Schrift symbolisiert Konzentration. Regt sich der Schreibende auf, wird die Schrift größer und fetter, gerät er ins Träumen, erscheinen spielerische Serifen. Mehr nicht. Die Faszination für solche Ansätze ist jedoch riesig: Knapp 290.000 Dollar kamen auf der Crowdfunding-Platform Indiegogo für das Gerät bisher zusammen, das für 199 US-Dollar pro Stück ab kommendem Jahr ausgeliefert werden soll.

Bei allen Schwachstellen der ersten Anwendungen ist das durchaus nachvollziehbar, zeigen sie doch die faszinierenden Möglichkeiten, die im Internet of Things stecken. In Zukunft wird dank einfacher Sensoren in der Kleidung vielleicht kein Herzinfarkt mehr unerkannt bleiben, Geschwindigkeitsmesser könnten schwere Autounfälle verhindern, intelligente Haushaltsgeräte Energie sparen und Müll vermeiden. All das sind wünschenswerte Fortschritte. Es lassen sich Dutzende solcher Beispiele finden.

Bevor allerdings unsere Seele online geht, sollten wir vielleicht kurz darüber nachdenken, wer hier eigentlich wen steuert. Und wie viel Alltagsnetz wir wirklich wollen.

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Leserkommentare
  1. - nicht wenn ich es verhindern kann.

    Kaffee wurde mal von Hand aufgegossen,
    dann mit Maschine gebrüht,
    jetzt ist i.d.R. eine schweizer Präsizionsmaschine am Werk.
    Überall schmeckt alles gleich, vorgestanzt, beliebig.

    Vernetzte Küche, papierlosen Office, schuldenfreies Griechenland - Urban Legends, ist glaube ich, der Fachbegriff hier.

  2. Ich denke, dass viele dieser Ideen zum Glück wieder sterben werden. Man erinnere sich an die Zeit als die CD-Rom auf dem Markt kam. Augenblicklich wurde über die schönen neuen Möglichkeiten der multimedialen Welt von morgen spekuliert. Es hat sich zwar einiges in Richtung Multimedia geändert (Web 2.0), aber vieles ist beim Alten geblieben und vieles nervt einfach nur.

    Unsere Zeitung ist nach wie vor aus Papier, die Internetseiten werden meist mit AdBlockern oder nach deaktivieren von Flash erst richtig genießbar, weil die bunte blinkende multimediale Werbung einfach nur nervt.

    Im Gegensatz zu den ersten multimedialen Versuchen von Encarta kommen Enzykopedien (Wikipedia) sehr gut ohne Videos aus.

    Sehen wir es realistisch, auch wenn sich viele Anwendungen erdenken lassen, durchsetzen werden sich nur wenige (die MMS konnte die SMS nie wirklich annähernd gefährden).
    Und dadurch reich werden bestimmt noch weniger. Wer ist durch das Internet nachhaltig reich geworden? Keine große Hoffnung für die Menschheit.

    Im Bereich Sicherheit haben wir derzeit noch so viele Baustellen offen, dass die technische Entwicklung gerne mal ein Jahrzehnt stehen bleiben könnte und wir hätten ich noch keine zufriedenstellenden Lösungen. Stimmts Herr Minister Bahr?

  3. Alles, wirklich alles, was denkbar ist, ist auch irgendwie, wenn nicht gleich, so doch später machbar. Selbst das Undenkbare ist im Moment seiner Feststellung bereits gedacht und damit schon Teil des Machbaren. Das kann der Mensch nicht abstellen, Neugierde und eine Gabe für Kombinatorik sind elementare Grundbestandteile seines Wesens mit denen er kontinuierlich Neues schafft. Aber dann kommt die Nutzenabwägung. Erst wenn das Machbare einen Nutzen bringt kann es einen Sinn ergeben. Und erst wenn es einen Sinn ergibt wird es sich in der Breite durchsetzen. Die Idee intelligenter Kühlschränke wird seit zwanzig Jahren durch die Feuilletons der Fach- und Nichtfachpresse getrieben. Mann könnte hämisch postulieren, wenn einer Gruppe von Produktdesignern nichts mehr zum Thema Kühlschrank einfällt, dann kleben sie reflexhaft einen Monitor drauf und deklarieren ihn zum intelligenten Kühlschrank. Aber die Häme greift nicht, da die Dinge eben zum Zeitpunkt ihrer Postulierung lediglich keinen Sinn machen, wohl aber Machbar sind und Zum Teil sogar Nutzen bringen. Die Frage ist also nicht, ob uns jetzt aktuell der intelligente Kühlschrank sinnig erscheint, die Frage ist, ob uns denkbare Welten in denen ein intelligenter Kühlschrank Sinn macht auch sinnig und erstrebenswert erscheint. Und genau da verläuft die ewige Frontlinie zwischen den Verweigerern, den Wertkonservativen, den gedankenlosen Machbarkeitshedonisten all den anderen qua Handeln um die Gestaltung von Gesellschaft ringenden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • meander
    • 14. Dezember 2012 8:41 Uhr

    Das Problem liegt weder im technisch Machbaren noch im Thema Effizient. Ein "intelligenter" Kühlschrank wird eben eines nie sein, menschlich. Er wird immer nur seiner Programmierung folgen können. Es ist eine Verleugnung der Wirklichkeit und dem Fehlen sinnvoller Tabus zuzuordnen, dass wir gerade im heutigen informationstechnischen Mittelalter uns solchen Fantasien hingeben.

    Genauso wie die individuelle Werbung im Internet mir die Sicht auf wirklich interessante neue Dinge versperrt, nicht meinen aktuellen Bedürfnissen entspricht, genauso wird kein Kühlschrank oder intelligenter Fernsehen mir jemals das eigene Bauchgefühl oder den lieben Menschen, Freund oder Freundin ersetzen können.

    Allerdings werden kommunizierende Kühlschränke und Fernseher irgendwann einfach die Netze mit Datenmüll verstopfen und die Kommunikation der Menschen notfalls wieder auf alte analoge Technik zurückführen, damit die Kühlschränke und Multimediageräte sich mit ihren Herstellern und Internetmärkten verständigen können - gesetzlich geschützt. Ungestört von unserem unstrukturierten Gesprächen und Dokumenten.

    • meander
    • 14. Dezember 2012 8:41 Uhr

    Das Problem liegt weder im technisch Machbaren noch im Thema Effizient. Ein "intelligenter" Kühlschrank wird eben eines nie sein, menschlich. Er wird immer nur seiner Programmierung folgen können. Es ist eine Verleugnung der Wirklichkeit und dem Fehlen sinnvoller Tabus zuzuordnen, dass wir gerade im heutigen informationstechnischen Mittelalter uns solchen Fantasien hingeben.

    Genauso wie die individuelle Werbung im Internet mir die Sicht auf wirklich interessante neue Dinge versperrt, nicht meinen aktuellen Bedürfnissen entspricht, genauso wird kein Kühlschrank oder intelligenter Fernsehen mir jemals das eigene Bauchgefühl oder den lieben Menschen, Freund oder Freundin ersetzen können.

    Allerdings werden kommunizierende Kühlschränke und Fernseher irgendwann einfach die Netze mit Datenmüll verstopfen und die Kommunikation der Menschen notfalls wieder auf alte analoge Technik zurückführen, damit die Kühlschränke und Multimediageräte sich mit ihren Herstellern und Internetmärkten verständigen können - gesetzlich geschützt. Ungestört von unserem unstrukturierten Gesprächen und Dokumenten.

  4. All dies habe ich kuerzlich literarisch ueberwaeltigend gelesen in "loecher - life and death in my personalized internet hole" von lars roeper.

  5. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bewegungsmelder | Bluetooth | Internet | Smartphone | Paris | Palo Alto
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