NetzregulierungDer Einfluss des Westens auf das Internet ist zu groß
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Trügerische Selbstzufriedenheit mit dem Status quo

Kritiker wie der Forscher Milton Mueller verweisen auf jüngste Icann-Entscheidungen, die auf Drängen von einigen wenigen Regierungen und Unternehmen ad hoc getroffen wurden und vorherige Resolutionen anderer Icann-Gremien einfach überstimmten. Mueller, ein langjähriger Beobachter der Icann, schließt daraus: "Das Board, der CEO oder mächtige Staaten im Governmental Advisory Committee können entscheiden, was immer sie wollen, wann immer sie es wollen."

Anstelle einer Auseinandersetzung mit diesen Argumenten bevorzugen viele vermeintlich progressive Meinungsführer für ein freies Internet eine trügerische Selbstzufriedenheit mit dem Status quo. Zuletzt bezeichnete Googles "chief evangelist" Vint Cerf die Bemühungen Russlands und Chinas als hoffnungslos: "Diese beharrlichen Versuche sind nur Beweis für die Tatsache, dass diese Sorte von Dinosauriern mit ihren erbsengroßen Hirnen noch nicht verstanden haben, dass sie schon tot sind, weil das Signal noch nicht durch ihre langen Hälse durchgeleitet wurde."

Statt selbstzufrieden auf das Aussterben ihrer Gegner zu bauen, sollten die Anhänger eines freien und offenen Internets ihre Hirnmasse darauf verwenden, das bislang unerfüllte Versprechen einer innovativen "internet governance" umzusetzen.

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Leserkommentare
    • Sorokan
    • 07. Dezember 2012 17:01 Uhr

    Einen wichtigen Punkt hat Herr Benner nicht angesprochen: Was ist genau der Vorteil einer Kontrolle durch die ITU im Vergleich zum bisherigen "Multi-Stakeholder" Ansatz - von Machteinflussbedürfnissen abgesehen -, was läuft also bisher falsch? Inwiefern wirkt sich die "Dominanz westlicher Akteure" heutzutage negativ aus? Was verhindert die ICANN an wichtigem technischen / gesellschaftlichen Fortschritt? Ich glaube, die Antwort ist: Nichts!

    Das Internet funktioniert wirklich wunderbar, so wie es ist. Der einzige Fehler scheint mir zu sein, dass es zu dezentral, zu offen, zu gleichberechtigt ist. Oder was sonst ist konkret daran zu "verbessern", in Hinsicht auf Netzprotokolle und Topologie?

    Und was genau ist diese GPPI - was ich bei einer schnellen Suche im Internet finde, scheint eher nach einem Lobbyverein auszusehen, aber vielleicht hat da jemand weitere Infos?

    6 Leserempfehlungen
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    dass es zu dezentral, zu offen, zu gleichberechtigt ist

    Das ist es leider nicht. Auf technischer Seite liegen alle Knotenpunkte und wichtige Teile der Infrastruktur in den USA und Europa. Über diese Knotenpunkte kann man das Netz innerhalb kürzester Zeit technisch lahmlegen.

  1. ... ist - so steht es neben dem Artikel - ein non-profit-organization. Gehe ich auf deren Website, dann sehe ich, dass es eine relativ grosse Organisation ist. Was ich auf der Website nicht finde sind die Finanzquellen dieses "thinktanks".

    Habe ich das übersehen oder steht dort wirklich nichts?

    Falls "nichts" dann ist der Artikel ganz nett, aber sonst nicht weiter relevant, da ich nicht weiss, wer die Musik bezahlt, die gespielt wird.

    Ansonsten bin ich der Ansicht, dass die USA beim Internet schlicht und einfach das "ius primae noctis" haben. Schliesslich waren es weitaus überwiegend US-Amerikaner, die das Thema voran gebracht haben und weiter voranbringen.

    (P.S.: Ich hege den vagen Verdacht, dass das GPPi der UN nahe steht. Die Lanze für die ITU wäre dann verständlich, wenn auch nicht akzeptabel.)

  2. den Sitz von Icann in ein neutraleres Land zu verlegen

    Gute Idee, aber wohin? Mir fällt da jetzt spontan nur die Schweiz ein.

    Generell ist es schon irgentwie bedrohlich, dass die USA dazu in der Lage ist von heute auf morgen den Stecker zu ziehen. Vielleicht nicht, um das ganze Netz lahnzulegen. Aber immerhin große Teile davon.

    Die Zeiten, in denen wir der USA bei solchen Sachen vertrauen können sind vorbei. Ich bin in diesem Fall bei China und Russland.

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    • Sorokan
    • 07. Dezember 2012 21:13 Uhr

    also bei all den schlechten dingen, die es über die usa zu sagen gibt - da bin ich lieber bei den usa.

  3. dass es zu dezentral, zu offen, zu gleichberechtigt ist

    Das ist es leider nicht. Auf technischer Seite liegen alle Knotenpunkte und wichtige Teile der Infrastruktur in den USA und Europa. Über diese Knotenpunkte kann man das Netz innerhalb kürzester Zeit technisch lahmlegen.

    Antwort auf "Konkrete Gründe?"
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    Wo wäre es denn Ihrer Meinung nach sicherer aufgehoben?

    • Sorokan
    • 07. Dezember 2012 21:13 Uhr

    also bei all den schlechten dingen, die es über die usa zu sagen gibt - da bin ich lieber bei den usa.

    Antwort auf "ein neutraleres Land?"
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    Hier geht es ja nicht um entweder oder, sondern um eine Machtteilung. Der berühmte Status Quo. Da kommen halt nur China und Russland in frage. Wer sonst bildet eine Macht auf Augenhöhe. Mir ist das Netz in den Händen der USA auch lieber als in den Händen von z.B. China. Aber noch lieber ist mir eine gegenseitige Kontrolle konkuriender Länder.

  4. Hier geht es ja nicht um entweder oder, sondern um eine Machtteilung. Der berühmte Status Quo. Da kommen halt nur China und Russland in frage. Wer sonst bildet eine Macht auf Augenhöhe. Mir ist das Netz in den Händen der USA auch lieber als in den Händen von z.B. China. Aber noch lieber ist mir eine gegenseitige Kontrolle konkuriender Länder.

    Antwort auf "China und Russland?"
    • Sorokan
    • 07. Dezember 2012 21:46 Uhr

    Das gilt für die Vernetzung, aber hindern denn die Usa, die Icann oder irgendwelche RFCs China, Russland oder Afrika daran, Investitionen in den Ausbau der Backbones zu tätigen und z.B. weitere Unterseekabel zu legen? Ich glaube nicht, dass die ITU da einen Vorteil bringt, da bin ich interessiert. Die grundlegende Technik ist auf Protokollebene dezentral, offen, gleichberechtigt - siehe open root server network (war ein flop, aber an der technik oder der icann lags eher nicht).

    • Sorokan
    • 07. Dezember 2012 21:52 Uhr

    China und Russland sind die schlimmsten Internetzensoren / Überwacher. Man sollte Pädophile auch nicht in den Aufsichtsrat eines Kindergartens setzen ;-)

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