Kritiker wie der Forscher Milton Mueller verweisen auf jüngste Icann-Entscheidungen, die auf Drängen von einigen wenigen Regierungen und Unternehmen ad hoc getroffen wurden und vorherige Resolutionen anderer Icann-Gremien einfach überstimmten. Mueller, ein langjähriger Beobachter der Icann, schließt daraus: "Das Board, der CEO oder mächtige Staaten im Governmental Advisory Committee können entscheiden, was immer sie wollen, wann immer sie es wollen."

Anstelle einer Auseinandersetzung mit diesen Argumenten bevorzugen viele vermeintlich progressive Meinungsführer für ein freies Internet eine trügerische Selbstzufriedenheit mit dem Status quo. Zuletzt bezeichnete Googles "chief evangelist" Vint Cerf die Bemühungen Russlands und Chinas als hoffnungslos: "Diese beharrlichen Versuche sind nur Beweis für die Tatsache, dass diese Sorte von Dinosauriern mit ihren erbsengroßen Hirnen noch nicht verstanden haben, dass sie schon tot sind, weil das Signal noch nicht durch ihre langen Hälse durchgeleitet wurde."

Statt selbstzufrieden auf das Aussterben ihrer Gegner zu bauen, sollten die Anhänger eines freien und offenen Internets ihre Hirnmasse darauf verwenden, das bislang unerfüllte Versprechen einer innovativen "internet governance" umzusetzen.