Homophobie und RassismusHetzerische Website Kreuz.net ist offline

Die pseudo-christliche Website Kreuz.net ist vom Netz. Es könnte ein Erfolg für die Aktivisten sein, die seit Wochen gegen die homophobe und rassistische Seite vorgehen. von 

Die hetzerische Website Kreuz.net ist offline. Unter ihrer bisherigen Domain ist sie seit Sonntagvormittag nicht mehr erreichbar.

Der Koordinator der Initiative Stoppt kreuz.net , David Berger, sieht darin eine Reaktion auf den öffentlich entstandenen Druck. Er sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger , denkbar seien mindestens drei Möglichkeiten dafür, dass die Seite offline sei: Die Betreiber gehen ein paar Wochen in Deckung und hoffen auf ein Abflauen des medialen Sturms, sie planen einen Umzug von Domain und Server, oder sie planen einen kompletten Neuaufbau unter neuem Namen.

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Nach Artikeln über den verstorbenen Schauspieler Dirk Bach , die eine offen homophobe Haltung präsentierten, hatte die Kampagne des Bruno Gmünder Verlags für juristisch verwertbare Informationen über die Hintermänner eine Belohnung von 15.000 Euro ausgesetzt. Inzwischen konnten die Namen von mindestens einem halben Dutzend Verdächtiger ausfindig gemacht und an die Staatsanwaltschaft Berlin übergeben werden. Sie ermittelt ebenso wie die Staatsanwaltschaft Wien wegen Volksverhetzung.

"Menschenverachtende Propaganda"

Die Verantwortlichen von Kreuz.net konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden. Die deutsche katholische Kirche hat sich wiederholt von dem Angebot distanziert. Wie der Spiegel jüngst berichtete , sind oder waren jedoch mindestens zwei Dutzend Autoren mit kirchlichem Hintergrund auf dem Portal aktiv, darunter Priester, Kirchenangestellte und mindestens ein Religionslehrer.

Das Portal ist deutschen Behörden seit Langem bekannt, der Verfassungsschutz beobachtet die Seite. Wie Süddeutsche.de berichtete, schrieb der Verfassungspräsident Heinz Fromm auf eine Anfrage von Volker Beck: "Sowohl die Artikel als auch die Kommentare auf dieser Internetpräsenz sind häufig gekennzeichnet durch homophobe, muslimfeindliche und antisemitische Äußerungen, die teilweise eine extrem aggressive Diktion aufweisen."

Etliche Einträge seien nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt, die Grenzen zur Strafbarkeit überschritten. "Menschenverachtende Propaganda" werde verbreitet. Außerdem lägen "Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung" vor, heißt es in dem Schreiben.

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Leserkommentare
  1. Ich habe herzlich gelacht, als ich auf die Seite gestoßen bin. Gerade auch wegen den Leserkommentaren.

  2. Wieso sollte die Seite "Pseudo-Christlich" gewesen sein?
    Niemand hat den Anspruch darauf, dass seine Interpretation der Mythen und Sagen aus er Bibel die einzig wahre ist. Die komischen Leute von der Seite haben exakt gleich viel Recht sich Sachen und Ergebnisse dazu zu dichten... was anderes machen andere Gläubige ja auch nicht.

    Exakt so leben wie es die Bibel vorschreibt tut nun wirklich niemand... selbst ultra-ortodoxe Juden werden ganz sicherlich nicht ALLES aus ihren magischen Schriften übernehmen.

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    @Thema
    So die Seite ist vom Netz, wird irgendwo anders wieder aufgemacht.
    Dummheit lässt sich nun mal nicht heilen. Das gilt für alle missionarischen Religionen und wenn man hier die Kommentare so liest, kommt Rassismus in viele Formen vor.
    Und wenn der geneigte ZEIT-Leser des arabischen und englischen mächtig wäre, würde er bedeutend mehr Seiten finden.

    Im Prinzip zeigen Seite wie kreuz.net doch nur das Karl Marx recht hat , dass Religion als „das Opium des Volkes“ dient und wenn man benebelt ist kommt halt so etwas bei raus.

    Wer sich jedoch nur mit Verboten gegen so etwas wehren kann, ist genauso armselig wie die Betreiber der Webseite.

    Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und gehen Sie auf anders lautende Ansichten inhaltlich und argumentativ ein. Danke, die Redaktion/fk.

  3. Natürlich war die Seite absoluter Schund (wobei ich mir ja nie ganz sicher war ob wir da vielleicht einer Satire aufgesessen sind), aber ist das nicht genau die Art von unterdrückter Meinung die sonst immer abgelehnt wird?
    Nur weil es in diesem Fall die "Richtigen" trifft macht es das nicht besser.

    "The strongest weapon against hateful speech is not repression, it is more speech." - Barack Obama

    http://www.youtube.com/wa...

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    ist es gut und richtig, wenn Seiten verschwinden, auf denen gegen Minderheiten gehetzt wird. Was ist das für eine Frage. Solche Äußerungen sind selbstverständlich nicht mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Sonst dürften alle Neonazis das ebenfalls tun. Etwas mehr Differenzierung bitte.

    ist eine Sache; hier fanden sich jedoch auch Morddrohungen und -aufrufe. Und da fällt die Entscheidung doch etwas leichter.

  4. Die Seite war auch rassistisch? Davon hatte ich dort allerdings nichts gelesen. Kann es sein, dass dieser Begriff schon inflationär gegen alles mögliche verwendet wird?

    Im Übrigen bin ich generell nicht davon begeistert, wenn Publikationen mit anderen Meinungen eingestellt werden, weil "Aktivisten" mal wieder ihr Unwesen getrieben haben. Anderswo nennt man das Diktatur.

    Eine Leserempfehlung
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    hat mit 'Rasse' nichts zu tun, 'gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit' ist passender. Aber elend lang. Die allgemein anerkannte Definition nach Albert Memmi http://www.dir-info.de/do...

    Wie Sie dem Artikel hätten entnehmen können: kreuz.net hatte den grundgesetzlich geschützten Bereich freier Meinungsäußerung lange verlassen, dort ging es um Volksverhetzung, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Beleidigung usw, nennt man Rechtsstaat, nicht Diktatur.

    Was möchten Sie denn mit 'Aktivisten' und 'Unwesen treiben' aussagen?

    • R_IP
    • 03. Dezember 2012 9:17 Uhr

    Diktatur? Wohl kaum. Kann es sein, dass Sie den Begriff inflationär gebrauchen? Diktatur ist ein umfassender Begriff für ein politisches System, dagegen ist die Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit nur ein Teil desselben. Damit aus der politischen Unterdrückung von freier Meinungsäußerung eine Diktatur wird, bedarf es doch noch einiges mehr. Also immer schön die Füße stillhalten.

    Rassismus ist übrigens eine häufige Begleitform von Homophobie und Antisemitismus und also davon nicht sauber zu trennen, vor allem in Letzterem Falle.

    Ansonsten kann ich die Schließung bzw. zeitliche Nicht-Präsenz dieser Seite nur begrüßen. Was dort an Artikeln angeboten wird, spottet jeder Beschreiung. Statt Analyse, sachlicher Berichterstattung, ausgewogenem Urteil, filigranem Witz und ironischer Selbstbespiegelung, wie von gutem Journalismus erwartbar, finden sich dort nur Hassartikel und Hasskomentare. Traurig genug, dass genügend von diesen Leuten, die dort ihren Unflat produzieren, in kirchlichen und pädogogischen Einrichtungen sitzen und dort vermutlich sittsam das Vaterunser lehren, angereichert mit kleinen Splittern ihres wirklichen Denkens, und so ihren Einfluss auf die ihnen schutzbefohlenen weiter ausüben.

  5. eine Seite ist verschwunden, die die meisten gar nicht kannten. Toll.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "eine Seite ist verschwunden, die die meisten gar nicht kannten. Toll."

    Da sprechen, bzw. sprachen, Mitgliederzahlen und Seitenzugriffe aber eine ganz andere Sprache.

  6. Es gibt genug christliche Hardliner, das muss man nicht mit "pseudo" bemänteln.
    Zu denen rechts außen sagt ja auch keiner vornehm pseudo-Rechte.

    Eine Leserempfehlung
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    • Afa81
    • 03. Dezember 2012 11:03 Uhr

    [...]
    Für Sie ist also Kreuz.net der normale Repräsentant christlicher Glaubenslehre?

    Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen und persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/fk.

    • whale
    • 03. Dezember 2012 11:29 Uhr

    Zu extremen Rechten sagt man nicht "Rechte", sondern Neonazis, Rechtsradikale, Braune o.ä. Den Begriff "Pseudo-Rechter" würde aber jemand durchaus gebrauchen, der selbst von rechter Politik überzeugt ist, aber der Meinung ist, dass beispielsweise Nazitum damit nichts zu tun hat.

    Für "extreme" Christen würde man Begriffe wie Sektierer, Fundamentalisten oder auch radikale Christen verwenden. Pseudo passt aber, wenn der menschenverachtende Schund, den bestimmte Gruppierungen veröffentlichen, predigen oder sonstwie unters Volk bringen, gar nichts mehr mit dem Selbstverständnis von Christen zu tun hat. In diesem Fall könnte also der Begriff Pseudo-Christ durchaus passen.

    Natürlich ist es eine Frage der eigenen Position, Haltung und des eigenen Glaubens, einzuschätzen, ob jemand, der sich Christ nennt, dieses Bekenntnis pervertiert - oder nur über das Ziel hinausschießt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, nf
  • Schlagworte Rassismus | Katholische Kirche | Dirk Bach | Domain | Grundrecht | Heinz Fromm
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