Soziales NetzwerkTwitter übergibt Nutzern persönliches Archiv

Jedem sein Tweet-Archiv: Was für den Einzelnen nur ein amüsanter Blick in die Vergangenheit ist, könnte Forschern viel über Sprache, Medien und Kommunikation verraten. von 

Twitter-Archiv

Das persönliche Twitter-Archiv ist unter anderem nach Monaten und Hashtags durchsuchbar.  |  © Twitter

Twitter war bislang eine Art Tagebuch, von dem selbst der Verfasser nicht alle Seiten lesen konnte. Denn maximal die letzten 3.200 Tweets ließen sich abrufen. Es sei denn, man hatte den genauen Link zu einem noch älteren Eintrag.

Nun eröffnet Twitter einen Weg in die Vergangenheit. Das Unternehmen führt eine Download-Funktion ein, über die jeder Nutzer sein persönliches Tweet-Archiv herunterladen und durchsuchen kann – auch wenn es mehr als 3.200 Tweets umfasst. Das kündigte Twitter in einem Blogeintrag an.

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Dieses Archiv besteht aus einer Datei, die im Browser oder auch in Programmen wie Microsoft Excel geöffnet werden kann. Wie das aussieht, zeigt ein Screenshot im Blog .

Es enthält alle je veröffentlichten eigenen Tweets sowie alles, was ein Nutzer retweeted hat. Durchsuchbar ist das persönliche Archiv nach Monaten, Hashtags, Nutzernamen und einzelnen Begriffen oder Phrasen. Bei Gigaom heißt es , selbst 65.000 Tweets ergäben eine nur 16 Megabyte kleine Datei.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Die bisherige Beschränkung auf 3.200 Tweets hatte nach Angaben Twitters technische Gründe: Bei mittlerweile 500 Millionen Tweets pro Tag würde eine Live-Suchfunktion für alle je versandten Botschaften das ganze System unbrauchbar langsam machen.

Einzig die US-Kongressbibliothek pflegt ein angeblich vollständiges Archiv aller jemals versandten Tweets. Die bekommt sie direkt von Twitter, allerdings sind sie noch nicht öffentlich zugänglich .

Für den einzelnen Nutzer ist der neue Zugang zu seinen Kurznachrichten zunächst nicht mehr als ein – möglicherweise amüsanter – Blick in die Vergangenheit. Wie habe ich angefangen, worüber habe ich getwittert, welche Aussagen haben sich im Nachhinein als dumm, falsch oder peinlich erwiesen? Mit wem habe ich mich angelegt oder angefreundet? Es ist, ähnlich wie Facebooks Chronik, ein Blick ins eigene Tagebuch.

Funktion wird schrittweise an alle Nutzer verteilt

Langfristig könnten die vielen Tagebücher aber auch einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Wenn Wissenschaftler Zugang zu sehr vielen Einzelarchiven bekommen, etwa indem sie um Datenspenden bitten, können sie diese hinsichtlich Sprache und Inhalt auswerten, so wie es heute mit Zeitungen und Büchern geschieht. Es würde viel über die Art und Weise verraten, wie Menschen in bestimmten Zeiträumen per Kurznachrichten kommunizieren und welche Dynamik bestimmte Themen dabei entfalten.

Die neue Funktion wird in den persönlichen Einstellungen zu finden sein, ganz unten auf der entsprechenden Seite. Derzeit sehen nur einige Mitglieder, die Englisch als Menüsprache ausgewählt haben, den Knopf. Wer ihn anklickt, bekommt eine E-Mail zugeschickt, sobald das Archiv zum Download bereitgestellt ist.

In den kommenden Wochen und Monaten sollen dann alle Twitternutzer weltweit Zugang zu ihrem Archiv bekommen.

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Microsoft | Archiv | Blog | Browser | Chronik | Download
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