SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lässt twittern.

Peer Steinbrück twittert? Naja, fast. Er lässt twittern, von einem Mitarbeiter des SPD-Parteivorstandes. Oder , wie er es selbst ausdrückt: "Ich lese, mein Nachbar tippt. Der ist einfach schneller."

Immerhin. Bis vor Kurzem war der Kanzlerkandidat der SPD ein Verächter dieser Kulturtechnik. Oder ist er es möglicherweise noch immer? Das Ganze zumindest erweckt den Eindruck, lediglich schlechte Kanzlerkandidaten-PR zu sein.

Noch im Oktober hatte Steinbrück auf einem Podium gesagt, dass er nicht vorhabe, Twitter zu nutzen. Es mache keinen Sinn, in eine Welt zu treten, in der er nicht authentisch sein könne, zitiert Meedia Steinbrücks Auftritt . Auf die Frage, warum man ihm den twitternden Politiker nicht abnehmen würde, hatte er damals gesagt: "Weil die meisten Leute sagen würden, das tut er jetzt nur, weil da ein magisches Datum im September nächsten Jahres ist."

Leider wirkt das, was Steinbrück bei Twitter nun veranstaltet, genau so. Ein Twitterview hatte er zum Start angekündigt. Zusammen mit seinem Mitarbeiter schaffte er 44 Tweets in etwas mehr als einer Stunde. Das ist nicht schlecht. Aber es zeigt die Grenzen des Formates. Und belegt, dass Steinbrück die Idee des Kanals Twitter nicht verstanden hat.

Hunderte, möglicherweise Tausende Fragen haben Twitterer in den vergangenen Stunden unter dem von Steinbrück selbst vorgeschlagenen Hashtag #fragpeer geschrieben. Viele davon waren wohl nicht ernst gemeint, einige durchaus provokant. So wollte der Berliner Abgeordnete der Piratenpartei Christopher Lauer wissen , wie viel ein Steinbrück-Tweet koste, immerhin verlange er für Reden ja ein Honorar von 25.000 Euro.

Doch es waren auch viele ernsthafte Fragen darunter. Steinbrück bemühte sich, auf einige zu antworten. Er schrieb über die Möglichkeit Vereinigter Staaten von Europa und über die gleiche steuerliche Behandlung homosexueller Ehen , er ging auf eher persönliche Fragen genauso ein wie auf solche zu möglichen Regierungskoalitionen . Alles prima. Aber auch sehr mühsam und nach einer Stunde wieder vorbei.

In 140 Zeichen lassen sich nicht viele Argumente unterbringen. Und solange man nicht Justin Bieber ist und so wie Steinbrück nur einige Tausend Follower hat, ist es auch nicht leicht, schnell viele Menschen zu erreichen. Ein Fernsehinterview bringt einem Kanzlerkandidaten sicher mehr, wenn er nur seine Thesen verbreiten will.