Wahlkampf: Peer Steinbrück lässt twittern
Der SPD-Kanzlerkandidat versucht sich nun doch im sozialen Netz. Und Twitter könnte ihm beim Wahlkampf tatsächlich helfen. Doch Steinbrück nutzt diese Chance nicht.
© SPD/Hans-Jörg Vehlewald

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lässt twittern.
Peer Steinbrück twittert? Naja, fast. Er lässt twittern, von einem Mitarbeiter des SPD-Parteivorstandes. Oder, wie er es selbst ausdrückt: "Ich lese, mein Nachbar tippt. Der ist einfach schneller."
@kungler @annmeiritz Ich lese, mein Nachbar tippt. Der ist einfach schneller.
— Peer Steinbrück (@peersteinbrueck) December 12, 2012
Immerhin. Bis vor Kurzem war der Kanzlerkandidat der SPD ein Verächter dieser Kulturtechnik. Oder ist er es möglicherweise noch immer? Das Ganze zumindest erweckt den Eindruck, lediglich schlechte Kanzlerkandidaten-PR zu sein.
Noch im Oktober hatte Steinbrück auf einem Podium gesagt, dass er nicht vorhabe, Twitter zu nutzen. Es mache keinen Sinn, in eine Welt zu treten, in der er nicht authentisch sein könne, zitiert Meedia Steinbrücks Auftritt. Auf die Frage, warum man ihm den twitternden Politiker nicht abnehmen würde, hatte er damals gesagt: "Weil die meisten Leute sagen würden, das tut er jetzt nur, weil da ein magisches Datum im September nächsten Jahres ist."
Leider wirkt das, was Steinbrück bei Twitter nun veranstaltet, genau so. Ein Twitterview hatte er zum Start angekündigt. Zusammen mit seinem Mitarbeiter schaffte er 44 Tweets in etwas mehr als einer Stunde. Das ist nicht schlecht. Aber es zeigt die Grenzen des Formates. Und belegt, dass Steinbrück die Idee des Kanals Twitter nicht verstanden hat.
Hunderte, möglicherweise Tausende Fragen haben Twitterer in den vergangenen Stunden unter dem von Steinbrück selbst vorgeschlagenen Hashtag #fragpeer geschrieben. Viele davon waren wohl nicht ernst gemeint, einige durchaus provokant. So wollte der Berliner Abgeordnete der Piratenpartei Christopher Lauer wissen, wie viel ein Steinbrück-Tweet koste, immerhin verlange er für Reden ja ein Honorar von 25.000 Euro.
Lieber @peersteinbrueck, wie teuer ist ein Tweet von dir, wenn eine Rede 25.000 Euro kostet? #fragpeer
— Christopher Lauer (@Schmidtlepp) December 12, 2012
Doch es waren auch viele ernsthafte Fragen darunter. Steinbrück bemühte sich, auf einige zu antworten. Er schrieb über die Möglichkeit Vereinigter Staaten von Europa und über die gleiche steuerliche Behandlung homosexueller Ehen, er ging auf eher persönliche Fragen genauso ein wie auf solche zu möglichen Regierungskoalitionen. Alles prima. Aber auch sehr mühsam und nach einer Stunde wieder vorbei.
In 140 Zeichen lassen sich nicht viele Argumente unterbringen. Und solange man nicht Justin Bieber ist und so wie Steinbrück nur einige Tausend Follower hat, ist es auch nicht leicht, schnell viele Menschen zu erreichen. Ein Fernsehinterview bringt einem Kanzlerkandidaten sicher mehr, wenn er nur seine Thesen verbreiten will.







Ich weiß nicht, warum sich jeder, der in der Öffentlichkeit steht, nun diesem Format "Twitter" zuwenden "muss".
Lasst es doch einfach. Es ist doch eh nur Fassade. Niemand wird ernsthaft einen Dialog über Twitter von euch erwarten, in dem ihr mehreren ggf. tausend Menschen gleichzeitig antworten wollt.
Das ist dann auch keine Nachricht.
Das ist nichts.
Lieber Peer, solange sich die SPD nicht von Schröders Agenda 2010 distanziert, ist diese Partei für mich nicht wählbar. Grüße Hubert Spössel
Zitat: "Das Ganze zumindest erweckt den Eindruck, lediglich schlechte Kanzlerkandidaten-PR zu sein."
Wie kommt Herr Biermann denn nur auf diese abstruse Idee? Herr Steinbrück war doch schon immer ein Ass im Umgang mit Computern und der Welt des Internets.
Aber mal im Ernst: Wie wäre es, rein zur Abwechslung mal, mit sachlichen Debatten zwischen Ihm und seinen politischen Gegnern? Und die dann wirklich öffentlich ausgestrahlt und zu aktuellen Themen der Allgemeinheit. Ich persönlich will einfach mal wieder eine paar klare Positionen hören. Dann kann der Peer auch den Umgang mit Twitter lernen.
Ich habe ja ein gänzlich anderes Verständnis von Twitter. Wirkliche Argumente oder Diskussionen kann man dort nicht führen. Standpunkte lassen sich zwar kurz zusammenfassen, taugen aber nicht dazu, sich eine wirkliche Meinung zu eben diesem zu bilden.
Ich finde Twitter nützlich, weil man darüber Links zu ausführlichen Stellungnahmen etc. erhalten kann, wie es zur Zeit beispielsweise die @PiratenNDS machen. Da bekommt man beispielsweise mit dem Vermerk "Trennung von Kirche und Staat" einen Link auf deren Seite, auf der in einem Absatz die Position zu diesem Thema vermittelt wird.
Umgekehrt kann man als Nutzer den Piraten oder wem auch immer dann Feedback in wenigen Zeichen zukommen lassen.
Natürlich funktionieren auch mal hin und wieder 1-2 Sätze zu einer Detailfrage, aber das ist eher selten.
>> Das Ganze zumindest erweckt den Eindruck, lediglich schlechte Kanzlerkandidaten-PR zu sein. <<
... Kandidaten-PR als schlechte Kanzlerinnen-PR auf Steuerzahlers Kosten. "Die Woche der Kanzlerin" vom 25.11.2012 hat es bei YouTube schon auf ganze 1022 Aufrufe gebracht.
Wieviel hat uns Merkels Eigenwerbung per Videobotschaft bisher eigentlich so gekostet?
ERneute Lachnummer von Peer. Auch das wird nichts nützen, mich umzustimmen, SPD wird keine wählbare Partei für mich.
Ich bin gespannt, was noch alles kommt. Warten wir es ab.
Die 1:30 im fernsehen waren doch schon immer zu kurz und jetzt twitter. nun ja, die angst auf irgendeinem "angesagten" medium nicht mitzumischen, hat wohl überwogen. ich finde twitter für politiker völlig daneben. es sei denn, die tweets haben in humoristischer hinsicht unterhaltungswert. wie beispielsweise bei @schmidtlepp oder @dorobaer die, wenn sie ihr weißes iphone im schnee verloren hat ein RT raushaut, dass alle ihr beim suchen helfen sollen. ;-)
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