News-Aggregator : Auf welchem Text landen die meisten Fliegen?

"10.000 Flies" zeigt, welche Inhalte bei Facebook, Twitter & Co. die meiste Aufmerksamkeit finden. Jens Schröder sagt im Interview, was er mit dem News-Archiv vorhat.
Startseite von "10.000 Flies", einem neuen Nachrichten-Aggregator © Screenshot ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: Was ist die Idee von 10.000 Flies?

Jens Schröder: Wir wollen zeigen, welche Inhalte deutschsprachiger Medien und Blogs in den sozialen Netzwerken am häufigsten empfohlen werden, über welche am intensivsten diskutiert wird. Aggregatoren wie beispielsweise Google News bilden oft nicht unbedingt die Realität ab. Google News ist in gewissem Maße manipulierbar, Websites lassen sich daraufhin optimieren, dort einen hohen Rang zu haben.

ZEIT ONLINE: Was ist Euer Anspruch, Ihr wollt die Realität abbilden?

Schröder: Zumindest die Realität, die in den Köpfen der Nutzer existiert. Wir zeigen die Inhalte, die bei den Nutzern dieser Netzwerke populär sind – nicht die relevantesten Inhalte. Relevanz ist ein Begriff, über den sich lange diskutieren lässt. Was bei 10.000 Flies oben steht, ist nicht unbedingt relevant, oder es ist das nur für kleine Zielgruppen. Aber es ist ein Inhalt, über den offensichtlich angeregt diskutiert wird, für den sich viele interessieren. Das kann alles sein, auch ein Text über eine Pelzfarm. Wir haben auch Websites von Parteien und Fußballklubs im Index, weil es spannend zu sehen ist, wie sich von dort aus Nachrichten verbreiten.

ZEIT ONLINE: Dann bietet die Seite also so etwas wie die täglichen Fernseh-Einschaltquoten?

Schröder: Wenn man so will... Wobei sich Einschaltquoten eher mit den Klickzahlen eines Textes vergleichen lassen. Wir messen, wie viele Menschen einen Inhalt weiterverbreitet haben, über Facebook, Twitter, Googleplus – das sind also Menschen, die sich mit dem Inhalt irgendwie auseinandergesetzt haben.

ZEIT ONLINE: Ihr berechnet die Rangliste in der Nacht und veröffentlicht das Ergebnis morgens um neun. Warum? Ist das nicht seltsam statisch, eben wie Fernseh-Einschaltquoten, angesichts des dynamischen Internets?

Schröder: Meine Idee war, nicht noch einen Aggregator zu bauen, der in Echtzeit oder in Pseudo-Echtzeit Nachrichten abbildet. Meine Idee ist viel mehr, mit diesen täglichen Charts ein Archiv der deutschen Inhalte aufzubauen. Damit lässt sich beispielsweise nachvollziehen, welche Inhalte an einem bestimmten Tag populär waren, welche im laufenden Jahr.

ZEIT ONLINE: Ist das nicht mehr wie eine Tageszeitung? Immerhin liest man bei Euch dann die Inhalte, die am Tag zuvor populär waren, nicht die, die es gerade sind?

Schröder: Es ist gar nicht gewollt, alles in Echtzeit abzubilden. Der Schwerpunkt ist ein anderer. Es soll mehr ein Archiv sein. Aktualität gibt es an jeder Ecke. Wir wollen lieber mit etwas Abstand auf das Geschehen schauen.

Meine Hoffnung ist, dass wir so einiges über Themen und Trends erfahren und lernen können. Wir wollen auch nicht nur diese tägliche Top-50 zeigen, sondern irgendwann auch ausführliche Analysen anbieten, wie Nachrichten sich verbreiten und wahrgenommen werden. Immerhin erfassen wir pro Monat ungefähr 250.000 Artikel, aus diesen Daten kann man viele Erkenntnisse ziehen. Zum Beispiel, welche Netzwerke wie genutzt werden oder was hierzulande die wahren Leitmedien sind.

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