Soziales Netzwerk : Warum wir von Facebook nicht loskommen
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Wie Facebook in Deutschland immer größer wird

Insgesamt wächst die Zahl der aktiven Nutzer hierzulande. In den vergangenen sechs Monaten ist sie um 1,6 Millionen Nutzer gestiegen, ein Plus von 6,4 Prozent. Deutschland ist damit für Facebook der zehntgrößte Markt weltweit, angeführt wird die Statistik von den USA, gefolgt von Brasilien, Indien und Indonesien. Gerade die letzten drei genannten Länder gehören zu den größten Wachstumsmärkten, denn mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung geht ein besserer Zugang zur digitalen Kommunikation einher. So ist die Zahl der monatlich aktiven Nutzer auch in Japan und Vietnam in den vergangenen Monaten um 40 Prozent gewachsen, beim Spitzenreiter USA, also im Heimatland von Facebook, sind es dagegen nur sieben Prozent. Das entspricht zwar einem Plus von zwölf Millionen Nutzern. Allerdings sind hier laut Socialbakers schon 53 Prozent der Bevölkerung bei Facebook aktiv, bedenkt man, dass ein Teil der Amerikaner zu jung ist, um Facebook zu nutzen, ein Teil zu alt, dürfte die Sättigung bald erreicht sein.

Gleiches gilt beispielsweise auch für Großbritannien. "Facebook wird deshalb jetzt in erster Linie nicht mehr darauf fokussieren, die Zahl seiner Nutzer insgesamt zu steigern, sondern die Verweildauer der einzelnen Nutzer auf der Plattform auszubauen und dadurch mehr Gewinn aus jedem einzelnen Mitglied zu ziehen", sagt Sundararajan von der Stern School of Business. Denn je länger die Nutzer aktiv seien, desto mehr Aufmerksamkeit schenken sie womöglich der auf Facebook platzierten Werbung.

Dazu passt, was Facebook erst am Dienstag verkündete: Die Plattform will eine Suchfunktion integrieren, mit der die Mitglieder innerhalb des Netzwerks nach Begriffen, Themen, Personen suchen können. Für Unternehmen dürfte es dadurch einfacher werden, ihre Werbung zielgerichtet zu platzieren – das mag wiederum die Nutzer nerven. Aber solange sie nur bellen und nicht beißen, stört es Facebook nicht.

Erschienen im Tagesspiegel

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Selber Schuld

Ich habe Facebook genau einen Monat genutzt, bis ich mich gezwungen sah, meinen Account wieder verschwinden zu lassen. Das lag allerdings nicht daran, dass ich mich in meiner Privatsphäre bedroht fühlte, sondern an der unglaublichen Menge von Details und uninteressanten Informationen mit denen man von den Kontakten überschüttet wird.

Obwohl ich Facebook ablehne muss ich den Nutzern dieser Plattform, die sich über mangelnde Privatsphäre und die Speicherung von persönlichen Daten beschweren, doch eine erstaunliche Naivität attestieren.
Wenn man einen großen Teil seines Privatlebens auf das Medium Internet verlagert, dann muss man diesen Verlust der Privatsphäre hinnehmen.

Einerseits richtig, andererseits ist Facebook eine große Farce.

Dass Facebook deswegen abhängig macht, weil eben alle Freunde auf diesem sich angemeldet haben, ist durchaus richtig und sicher der Grund, der viele in die sogenannte "Abhängigkeit" treibt.
Aber diese nicht wirkliche "Abhängigkeit" ist nicht das eigentliche Problem von Facebook.
Das wirkliche Problem ist die psychische Abhängigkeit, die dazu führt, dass viele Facebooknutzer nicht mehr in der Lage sind, echte Freunde zu haben, weil sie damit beschäftigt sind ihre, ich nenne sie "Pseudofreundschaften", in aller Welt zu pflegen.
Denn es frißt wahnsinnig viel Zeit, ständig neue Fotos hochzuladen, welche dann alle bekommen, auch oft die Kontakte der Kontakte, die einen nicht einmal kennen.
Das wirkliche Problem von Facebook ist, dass es einem vorgaukelt mit allen befreundet zu sein aber die Kontakte nichts mit echten Freunden zu tun haben, sondern zum Großteil auf oberflächlichem Geschwätz beruhen.
Und viele Facebooknutzer merken das nicht, sie sitzen dann 8 Stunden am Tag vor dem PC um über nichts zu schwadronieren. Im großen und ganzen ist die "Abhängigkeit" eine echte Abhängigkeit von einer immensen Leere, die einem die Zeit stiehlt, und man ist ihr ausgeliefert, weil man bereits nicht mehr in der Lage ist mit sich selbst etwas anzufangen und einfach mal einen Spaziergang zu machen.
Ich hatte drei Wochen lang einen Facebook Account. Nach der dritten Ladung unpersönlicher Fotohinweise habe ich ihn gelöscht, weil er mir auf die Nerven ging. Ich habe es nie bereut.