InternetaktivistenAnonymous drohen USA mit Veröffentlichung geheimer Dokumente

Mit dem Freitod des Hackers Aaron Swartz sei für Anonymous eine rote Linie überschritten worden. Aus Rache wollen sie Dokumente des US-Justizministerium veröffentlichen.

Aus Rache für den Tod des 26-jährigen Internetaktivisten Aaron Swartz hat die Hackergruppe Anonymous dem US-Justizministerium mit der Veröffentlichung vertraulicher Dokumente gedroht. Die Gruppe teilte mit, in die Internetseiten der zum Ministerium gehörenden Sentencing Commission eingedrungen zu sein. Die Seiten der unabhängigen Behörde, die Grundsätze für Strafbemessungen ausarbeitet, waren offenbar am Samstag blockiert.

Anonymous erklärte, auch in weitere Netze der Regierung eingedrungen zu sein und vertrauliche Dokumente kopiert zu haben: Sie habe "spaltbares Material für mehrere Atomsprengköpfe" für einen Angriff auf das Justizministerium und andere Regierungsbehörden gesammelt, die in die "Rechte und Freiheiten des Einzelnen" eingriffen. Das FBI leitete nach eigenen Angaben Ermittlungen ein.

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In einem Video auf YouTube kritisierte Anonymous die "unverhältnismäßige strafrechtliche Verfolgung" von Hackern. Mit dem Tod von Swartz sei eine rote Linie überschritten. Anonymous warf dem Ministerium vor, übertrieben hart vorgegangen zu sein.

Der Mitbegründer der Social-News-Website Reddit und des Formates RSS hatte sich kurz vor Beginn eines Strafprozesses wegen Datendiebstahls das Leben genommen. Swartz, der sich für den freien Zugang zu Inhalten im Internet einsetzte, wurde vorgeworfen, Millionen literarischer und wissenschaftlicher Artikel von einer kommerziellen Datenbank gestohlen zu haben. Er hatte die Daten mithilfe eines im Massachusetts Institute of Technology versteckten Computers heruntergeladen. Ihm drohten bei einer Verurteilung bis zu 35 Jahre Haft sowie eine Geldbuße von 753.000 Euro.

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Leserkommentare
    • Vibert
    • 27. Januar 2013 11:40 Uhr

    nur eine kleine Berichtigung. Rumsfeld hatte nicht direkt das Patentrecht für Tamiflu inne.
    Als Chairman und Aktionär des Gilead Unternehmens, das Tamiflu entwickelt hat, hat Rumsfeld natürlich kassiert, erst recht als Tamiflu von Roche übernommen und weiterentwickelt wurde. Gilead kassierte weiter Lizenzgebühren. Was insbesondere nach der Übernahme des Roche Konzerns passierte, ist der eigentliche Skandal... Dubiose Zulassungsverfahren, bei welchen Rumsfeld für jene der USA die Lobby Arbeit übernahm (?), Vogelgrippe etc....

    2 Leserempfehlungen
  1. Ein Mensch scheidet durch eigene Hand aus dem Leben. Sei es aus Depression, Druck der Öffentlichkeit oder aufgrund der Aussicht auf 35 Jahre Haft und einer Geldstrafe, die den finanziellen Bankrott bedeutet. Tragisch genug sollte man meinen.

    Eine Ikone der Computer- und Internetszene stirbt auf tragische Weise. Eine Community trauert. Anonymous spricht von "Rache". Einige werden auf diesen Kanon einstimmen.
    Sie haben ihren Märtyrer.

    Weshalb fängt Anonymous an ihre Aktivitäten unnötig zu emotionalisieren? Wird Objektivität nicht mehr gehört?
    Wenn Anonymous anfängt ihre Arbeit in persönlichen Kreuzzügen zu definieren, dann wird auf lange Sicht nicht viel von den ursprünglichen Idealen(?) übrig bleiben.

    So wie es sich momentan darstellt sieht man viel Engagement, aber wenig Richtung. Wenig Aktion, viel Reaktion. Auf Dauer bedeutet dies das Weggleiten in die Belanglosigkeit.

    Das Ideal einer gleichberechtigten und freien Welt, mit freiem Zugang zu Informationen. Das sind höhere Ziele. Seit wann erreicht man solche durch die Ausübung niederer Mittel wie Rache, deren Triebfeder nicht in dem Gedanken an eine bessere und aufgeschlossenere Gesellschaft liegt, sondern den simpelsten Mechanismen menschlichen Handelns folgt?
    Sie müssten es besser wissen...

    Auge um Auge und die ganze Welt wird blind sein... Oder vielleicht sind wir es ja schon auf einem Auge.

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    Eine Maske, hinter der sich Leute verstecken, die mit ihren eigenen Moralvorstellungen ständige Gesetzesübertretungen, Rufmordkampagnen und Angriffe auf Computersysteme legitimieren. Pure Selbstjustiz.

    Aus der Anonymität heraus ist das nicht nur feige, sondern auch kontraproduktiv.

    Ich habe inzwischen bei jeder Aktion von Anonymous das Gefühl, dass die vorgeblich so edlen eigenen Moralvorstellungen nur noch als Rechtfertigung vorgeschoben werden, um die eigene kriminelle Ader frei ausleben zu können.

    Whistleblowing und Aufdecken von Missständen sind eine Sache - Erpressung und gezielte Schädigung von staatlichen Institutionen und Firmen eine andere.

    • aapple
    • 27. Januar 2013 12:05 Uhr

    ..und zwar in jedem Fall, um wiederholt das hässliche Gesicht der verantwortlichen US-Amerikaner aufzuzeigen (gleichnamiges Buch hat es bereits vor vielen Jahren beschrieben). Diesem vermeintlichen "Freund" immer wieder den Spiegel vor Augen zu halten ist sehr wichtig, um vielleicht auch den verdummten Massen die Hintergründe zu zeigen, denn NICHTS was der Ami initiiert oder in der Vergangenheit initiiert hatte, geschah ohne Eigennutz.

    3 Leserempfehlungen
  2. Ein Kommentar, der das Probleme ziemlich auf den Punkt bringt.
    Nur würde ich behaupten, dass die Grundthese nicht stimmt. Das Moralempfinden, der hier beschrieben Gruppe stimmt nicht mit dem, der Mehrheit überein.
    Vielmehr ist m. E. schon jetzt das Gegenteil der Fall, so dass die gefährliche Situation entstanden ist.

    Eine Leserempfehlung
  3. Die überzogenen Maximalstrafen in solchen Fällen (wobei man hier festhalten muss, dass die Staatsanwaltschaft einen Deal vorgeschlagen hatte, bei dem Swartz mit 6 Monaten davongekommen wäre - die ständig propagierten unmenschlichen 35 Jahre standen also zwischenzeitlich gar nicht mehr im Raum, nur hat Swartz den Deal abgelehnt) - oder das schamlose Ausschlachten des Selbstmordes eines depressiven jungen Manns und die Instrumentalisierung seines Todes als Rechtfertigung für illegale Hacks aus Wut gegen "das System".

    2 Leserempfehlungen
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    Wenn das System nicht verseucht wäre, gäbe es keine "illegalen" Hacks. Die Hacker töten nicht und beuten auch keine Menschen aus.

  4. Eine Maske, hinter der sich Leute verstecken, die mit ihren eigenen Moralvorstellungen ständige Gesetzesübertretungen, Rufmordkampagnen und Angriffe auf Computersysteme legitimieren. Pure Selbstjustiz.

    Aus der Anonymität heraus ist das nicht nur feige, sondern auch kontraproduktiv.

    Ich habe inzwischen bei jeder Aktion von Anonymous das Gefühl, dass die vorgeblich so edlen eigenen Moralvorstellungen nur noch als Rechtfertigung vorgeschoben werden, um die eigene kriminelle Ader frei ausleben zu können.

    Whistleblowing und Aufdecken von Missständen sind eine Sache - Erpressung und gezielte Schädigung von staatlichen Institutionen und Firmen eine andere.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Aus Rache?..."
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    Mag sein, dass Anonymus eine Maske ist. Aber wenn man sich vergegenwärtigt was mit Whistleblowern wie Bradley Manning passiert (ist) und welch perfide Hetzjagd auf Julian Assange veranstaltet wird ist es meiner Meinung nach durchaus gerechtfertigt, aus der Anonymität heraus zu wirken. Das ist in meinen Augen nicht zwangsläufig feige, sondern dem Selbsterhaltungstrieb geschuldet.

  5. 15. Quelle

    Bzgl. der systemrelevanten HSBC:
    http://www.guardian.co.uk...

    Antwort auf "Joppp"
  6. Die demokratischste Nation auf dem Erdball muss doch keine Sorge haben, wenn Dokumente von Regierungseinrichtungen veröffentlicht werden.
    Sorge wäre nur angebracht, wenn in Regierungsverantwortung ungesetzliche, verfassungswidrige, unmoralische oder unmenschliche Handlungen geplant und umgesetzt werden.
    Davon ist in den USA jedoch nicht auszugehen.
    Oder?

    6 Leserempfehlungen
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    Danke, Sie bringen es auf den Punkt.

    In diesem Zusammenhang fällt mir auch wieder der Fall Bradley Manning ein, des Soldaten, der unter menschenverachtenden Bedingungen inhaftiert ist (vgl. Wikipedia), nur weil er eine nie verfolgte Starftat von US-Soldaten (ein Massaker an wehrlosen Zuivilsten) durch Wikileaks öffentlich gemacht hat.
    Und da denkt man auch wieder an Assange...

    Würden die Behörden der Vereingten Staaten die eigene Verfassung achten, dann bräuchten sie sich nicht zu fürchten, leider muss man das wohl im Konjunktiv formulieren, wobei anderen westlichen Ländern auch einiges zuzutrauen ist, vom Rest der Welt mal ganz abzusehen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte USA | FBI | Justizministerium | US-Justizministerium | Anonymous | Computer
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