Ariane Friedrich: "Ich bin hier das Opfer, nicht der"
Hochspringerin Ariane Friedrich hat sexuelle Belästigung auf Facebook nicht hingenommen und sie öffentlich gemacht. Sie wollte zeigen: Bis hierher und nicht weiter.
© Stu Forster/Getty Images

Ariane Friedrich beim olympischen Hochsprung 2012 in London
Die deutsche Rekordhalterin im Hochsprung, Ariane Friedrich, hat sich erstmals zu dem Fall von sexueller Belästigung geäußert, gegen den sie sich 2012 zur Wehr gesetzt hatte. Nachdem der Fall nun juristisch abgeschlossen ist, nennt Friedrich im ZEITmagazin ihre damaligen Motive: "Ich habe solche Sachen jahrelang erdulden müssen, ohne dass ich mich gewehrt habe."
Ein Mann hatte ihr das Foto seines Geschlechtsteils geschickt, und die Sportlerin hatte daraufhin die Identität des Mannes veröffentlicht. Dafür war sie vor allem auf Facebook heftig kritisiert worden. "Das war für mich ein persönlicher Befreiungsschlag, einfach mal auf den Tisch zu hauen, zu sagen: Bis hierher und nicht weiter."
Die Folge war ein heftiger Sturm der Entrüstung, in dem Hunderte Facebook-Nutzer die Sportlerin beschimpften. "Da war ich sprachlos", sagt Friedrich. "Ich hatte immer wieder Angst in der Zeit. Ich war fertig (…) und war nach zwei Wochen nervlich völlig am Ende." Der Fall war besonders heikel, da Friedrich hauptberuflich Polizeikommissarin ist.
Eine sehr peinliche Angelegenheit – für den Stalker
Kritiker hatten ihr den Vorwurf gemacht, dass sie wissen müsste, dass auch mutmaßliche Täter ein Recht auf den Schutz ihrer Privatsphäre haben. Sie habe jedoch nicht als Polizistin reagiert: "Ich habe mich in meiner Würde als Frau verletzt gefühlt." Natürlich hätte sie einfach nur Anzeige erstatten können, ohne den Mann öffentlich bloßzustellen, aber Friedrich beharrt darauf: "Ich bin hier das Opfer, nicht der." Der Mann habe ihre Privatsphäre mit Füßen getreten und sie habe zeigen wollen: "Für die, die mich belästigen, wird es eine sehr peinliche Angelegenheit."
Sie habe zuvor jahrelang hinnehmen müssen, dass im Internet ihr Kopf auf pornografische Fotos "in abartigen Positionen" montiert worden sei. Ähnlich sei es anderen prominenten Leichtathletinnen ergangen: "Und das waren nicht einfach Playboy-Bilder, das war Hardcore. Sadomaso-Posen und dergleichen. Mich machte das fassungslos, das ist sehr verletzend." Die von ihr kursierenden pornografischen Montagen habe sie erst "über einen Spezialisten, über einen Anwalt, gegen Bezahlung" aus dem Internet entfernen können.










So sehr im Grunde ihre Position nachvollziehbar ist, aber insbesondere sie als Polizistin hätte es besser wissen sollen. Damit meine ich nicht unbedingt in erster Linie die Rechte des mutmaßlichen Täters. Wenn ich mich richtig erinnere hatte sie damals den vollständigen Namen veröffentlicht. Es gibt aber nunmal in Deutschland meist mehrere Personen mit gleichen Namen...
Genau genommen ist es die einzige Möglichkeit, sich gegenüber sexuellen Übergriffen zu wehren, wenn man nicht den Mund hält und die Täter und die Tat öffentlich benennt.
Diese Übergriffe funktionieren ja auch nur unter der Voraussetzung, dass die Leute im Schutz der Anonymität und des schamhaften Verschweigens ihr Unwesen treiben dürfen. Und da ist es richtig, zum Spielverderber zu werden, um das Spiel ein für allemal zu beenden. Öffentlichkeit ist ja nun weiß Gott keine Selbstjustiz.
Aber der Fall Brüderle und seine Anmache gegenüber der Journalistin Laura Himmelreich mitsamt den Reaktionen zeigen sehr schön, wie schnell die Herren der Schöpfung über alle Parteigrenzen hinweg einander zur Hilfe eilen, wenn solche unappetitlichen Anmachen aufgedeckt werden.
Tabubruch? Ja bitte!
http://www.stern.de/polit...
Beides waren Straftaten, aber wieso wird aus der kleineren ein Staatsakt gemacht, und der Stalker zum armen Opfer hoch stilisiert?
Sie als Polizisten weiß auch das man gegen Stalker nichts unternehmen kann "erst wenn etwas passiert", sie weiß das, Opfer wissen das, und Opferverbände, wissen das ebenfalls, also was solls. Man hat dem Mann die Maske entrissen, sie hat nicht zu einer Hetzjagd aufgerufen, oder ein Kopfgeld ausgesetzt.
Opfer haben das Recht sich zu wehren, und wenn er sie medial belästigt, darf sie sich medial verteidigen, quid pro quo.
Erschreckend, wie hier fast jeder Kommentar die Veröffentlichung des Namen verharmlost. In diesem Fall gab es doch mehrere Personen in Deutschland mit diesem Namen.
Ich würde zu gerne wissen, wie die Kommentatores es fänden, wenn ihr Name plötzlich in so einem Zusammenhang auftauchen würde.
Ariane Friedrich hat Recht, wenn sie sagt, dass solche Bilder, die ihr geschickt wurden, verletzend und auch beleidigend sind.
Manche mögen das vielleicht als Lapalie abtun und sind der Meinung, dass öffentliche Personen sowas aushalten müssen.
Aber damit machen sie es sich zu einfach, denn eben nicht jeder kommt mit so etwas klar. Außerdem haben auch Prominente ein Recht darauf anständig und mit Würde behandelt zu werden.
Trotzdem hat dieser Vorfall ein Geschmäckle. So sehr ich Ariane Friedrichs Frust und Wut über die unerwünschten Intimbilder auch verstehen kann, um so wenig Verständnis habe ich jedoch für die öffentliche Anprangerung dieses Mannes.
Egal was vorgefallen ist und wie schlimm es auch war, aber es gibt keinem Menschen das Recht Selbstjustiz zu üben. Wir leben hier (zum Glück) in einem Rechtsstaat und dieser hat die Aufgabe solche Vorfälle zu ermitteln und ein Urteil zu fällen, aber nicht das Opfer.
Insbesondere da Frau Friedrich hauptberuflich Polizistin ist, sollte sie um die Bedeutung unseres Rechtssystems Bescheid wissen und nicht das Gesetz in die eigene Hand nehmen.
Kann man durch diesen Alleingang den Bürgerinnen und Bürgern jetzt noch seitens der Polizei und Justiz glaubhaft vermitteln, dass Selbstjustiz keine Lösung ist?
Sie hat den Täter zum Beispiel nicht verprügelt, sondern seinen Übergriff (nach x anderen Übergriffen) lediglich öffentlich gemacht.
Bei Polizei und Justiz gibt es angesichts der Nichtanerkennung von Vergewaltigungen, bei denen die Frauen zwar unmißverständlich 'Nein' gesagt, sich aber nach Meinung des Gerichts nicht hinreichend gewehrt haben, noch allerhand nachzubessern. http://www.spiegel.de/pan... http://www.tagesspiegel.d...
Können Sie aus diesen beiden beispielhaften Urteilen den Eindruck gewinnen, daß vergewaltigten und sexuell belästigten Frauen auf diese Weise 'glaubhaft vermittelt' wird, es sei irgendwie sinnvoll, eine Vergewaltigung/sexuelle Belästigung anzuzeigen?
Sie hat den Täter zum Beispiel nicht verprügelt, sondern seinen Übergriff (nach x anderen Übergriffen) lediglich öffentlich gemacht.
Bei Polizei und Justiz gibt es angesichts der Nichtanerkennung von Vergewaltigungen, bei denen die Frauen zwar unmißverständlich 'Nein' gesagt, sich aber nach Meinung des Gerichts nicht hinreichend gewehrt haben, noch allerhand nachzubessern. http://www.spiegel.de/pan... http://www.tagesspiegel.d...
Können Sie aus diesen beiden beispielhaften Urteilen den Eindruck gewinnen, daß vergewaltigten und sexuell belästigten Frauen auf diese Weise 'glaubhaft vermittelt' wird, es sei irgendwie sinnvoll, eine Vergewaltigung/sexuelle Belästigung anzuzeigen?
Der Kommentator, auf den ich antwortete, fordert hartes Vorgehen gegen Täter.
Da Frau Friedrich auch Täterin ist - wenn auch ganz klar in einem anderen Tatbestand und ganz klar mit einer ganz anderen, weitaus geringeren (im positiven Sinne) Qualität -, in ich der Meinung, dass diese Haltung des Kommentars, auf den ich antwortete, genauso Frau Friedrich treffen muss. Mehr schrieb ich nicht.
Weder will ich die Taten gleichsetzen noch bin ich übrigen der Meinung, dass ein besonders hartes Vorgehen Sinn ergibt. Der einzig sinnvolle Weg ist ein rechtsstaatliches Vorgehen. Gerade im Strafrecht sind die Ziele des staatlichen Handelns doch deutlich andere als jene, die von "Volkes Stimme" angenommen werden, wodurch der populistische Ruf nach "hartem Vorgehen" auch wenig Sinn ergibt.
Aber wenn er gemacht wird, dann muss er auch für alle gelten. Dann kann man sich nicht ein paar Taten heraussuchen, die man für besonders verachtenswert hält, und damit andere relativieren - eigene oder die von Prominenten. Es geht um die Ahndung von Unrecht, ohne Ansehen der Person.
Wenn das Schule macht, wird es eine sehr perfide Art geben, jemanden fertig zu machen: Da das Opfer keine Möglichkeit hat, die Identität des vermeintlichen Belästigers anhand eines Photos von Geschlechtsteilen irrtumsfrei zu identifizieren, müsste man, um jemanden zu diffamieren, nichts anderes tun, als in seinem Namen ein Photo mit einem Penis einer bekannten Person zu schicken. Innerhalb von Minuten ist man dann im Internet als Perverser bekannt.
Dass sich dann irgendwann herausstellen wird, dass die Person es gar nicht war, interessiert dann niemanden mehr. Daher gehört so etwas von Polizei und Justiz aufgearbeitet und nicht in die Öffentlichkeit gestellt.
Geschützt wird hierbei nämlich nicht der Täter. Selbstjustiz führt immer dazu, dass Unschuldige in der Zukunft zu vermeintlichen Tätern gemacht werden. Diese, und nur diese, sollen geschützt werden. Leider verstehen das zu wenige. Frau Friedrich als Mitglied der Polizei (!) sollte das wirklich wissen.
"Mittlerweile habe ein Amtsgericht gegen den 38-Jährigen einen Strafbefehl erlassen. Demnach erhielt er wegen Beleidigung und der Verbreitung von pornografischen Schriften eine Geldstrafe von 1050 Euro."
http://www.tagesspiegel.d...
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