Facebook muss derartige Probleme nicht lösen, jedenfalls nicht in diesem Umfang. Die Daten liegen bereits sortiert und strukturiert in Containern, wie Arbeitsplatz, Wohnort, Beziehungsstatus, gelikte Seiten. In diesen Containern stehen von Facebook letztlich vorgegebene Informationen wie "Deutsche Bank", "Frankfurt", "verheiratet".

Die nun vorgestellte Suche vergleicht den Inhalt der Container. Findet sie Übereinstimmungen, wirft sie entsprechende Nutzerprofile als Ergebnis aus. Der Vergleich von "Wohnort" und "Beziehungsstatus" ergibt damit beispielsweise alle Witwen und Witwer in Rom oder alle Singles in Berlin, wenn der Nutzer die entsprechende Frage gestellt hat.

Der Druck, mehr Daten einzugeben, wird wachsen

Damit ist Graph Search im Moment eher ein Filter als eine echte Suchfunktion im Googleschen Sinne. Trotzdem könnte sie Facebook eine völlig neue Bedeutung geben. Denn das Unternehmen wird damit zur weltweiten Personensuchmaschine. Ein Head Hunter sucht Bewerber in einer bestimmten Stadt und Position? Ein Journalist sucht Gesprächspartner zu einem Thema, der bei einem bestimmten Unternehmen arbeitet? Kein Problem.

Zumindest solange die Nutzer die Felder ausgefüllt und die darin enthaltenen Informationen öffentlich zugänglich gemacht haben. Der Druck, das zu tun, könnte mit der erlebten Nützlichkeit wachsen. Somit würde Zuckerberg bei seiner erklärten Mission, die Welt transparenter zu machen, tatsächlich einen weiteren Schritt vorankommen, ob das nun jeder will oder nicht.

Denn viele Menschen wollen gefunden werden, zumindest in ganz bestimmten Bereichen. Weil sie einen Job suchen oder eine Wohnung, weil sie sich einen Partner wünschen oder eine Inspiration. Für sie wird Facebook nun sehr viel nützlicher.

Datenschützer warnt

In den Augen der Kritiker wird Facebook damit noch gefährlicher. "Ich finde das überhaupt nicht toll", sagt Thilo Weichert, der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein. "Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen, mit der Folge, dass hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen." Weichert kritisiert und ermahnt Facebook immer wieder wegen Verstößen gegen den Datenschutz. Informationen, die nur für bestimmte Leute gedacht waren, würden nun im Nachhinein auffindbar. "Hier wird definitiv ein weiterer Eingriff ins Datenschutzrecht vorgenommen, der meines Erachtens nicht akzeptabel ist. Ich kann eigentlich nur den Ratschlag geben: Hände weg von Facebook."

"Wir sehen da schon die Gefahr einer weiteren Profilbildung", sagt Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Wichtig sei daher vor allem, dass die Nutzer immer wissen, was mit ihren Daten passiert: "Gerade Facebook hat sich da in der Vergangenheit bei der Einführung neuer Dienste nicht immer vorbildlich verhalten."

Der Konzern hat sich von solchen Bedenken noch nie aufhalten lassen und durch sein Vorgehen längst die Standards dessen verändert, was als privat betrachtet wird und was als öffentlich. In eigenem Interesse.

Die Suche hat für Facebook vor allem einen Effekt: Das Unternehmen wird noch mehr über seine Nutzer und ihre Interessen erfahren. Sie teilen mehr mit, sie bleiben länger und aus jeder erfolgreich beantworteten Frage wird das System lernen. So entstehen noch genauere Daten, die anschließend genutzt werden können, um gezielte Werbung zu präsentieren – das Geschäftsmodell von Facebook.

Wie ernst das Unternehmen seine Suchfunktion nimmt, zeigt sich auch am Design. Damit es möglich wird, längere Suchfragen in das Feld einzugeben, wurde das Suchfenster in der oberen blauen Spalte vergrößert. Dafür musste sogar der Firmenname weichen, der bislang oben links steht. Künftig wird dort nur noch das stilisierte F prangen. Wie Wired schreibt: "Graph Search war wichtig genug, um das Wort Facebook von Facebook zu schubsen."