Facebook-SucheRasterfahndung für alle

Graph Search, die Personensuche: Das Netzwerk von Mark Zuckerberg findet, wen Google übersieht: Freunde, Arbeitnehmer und Partner, gefiltert nach eigenen Wünschen. von 

Mark Zuckerberg bei der Vorstellung der neuen Suche

Mark Zuckerberg bei der Vorstellung der neuen Suche  |  © Stephen Lam/Getty Images

Es gibt Fragen, auf die hat Google keine oder nur eine unbefriedigende Antwort. Zum Beispiel die: Mir steht eine Blinddarm-Operation bevor, welchen Arzt empfehlen Menschen, die eine solche bereits hinter sich haben? Oder die: Ich bin Single und möchte in Österreich drei Tage skifahren, welche entfernten Bekannten hätten vielleicht Lust, mitzukommen? Google kann mit solchen Problemen nicht viel anfangen. Facebook hingegen wird diese und ähnliche Fragen bald beantworten können.

Bislang war das Netzwerk ein großes, schwarzes Loch. Niemand konnte sehen, was darin alles steht. Wer etwas suchte, das er vor ein paar Tagen auf Facebook gelesen hatte, war verloren. Danach suchen? Unmöglich. Dass es überhaupt so lange dauerte, bis eine echte Suchfunktion für diesen riesigen Datenbestand entwickelt wurde, ist eines der Mysterien dieses Unternehmens.

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Nun gibt es diese Funktion. Facebook hat am Dienstag seine neue interne Suche vorgestellt, Graph Search genannt. Und plötzlich lässt sich ahnen, wie wichtig sie ist und welche Umwälzungen sie bringen wird. Sie könnte Facebook und die Nutzung der Seite vollständig verändern.

Bislang ist Facebook ein Ort, um sich mit Menschen zu unterhalten, die man bereits kennt. Freunde, Bekannte, Kollegen – das Netzwerk des eigenen Lebens wird digital nachgebildet, um sich auf dem Laufenden zu halten und sich zu verabreden. Dafür taugte die bisherige Suche, die nur Namen als Eingabe verarbeitete. Facebook selbst half nach, indem es potenzielle Bekannte vorschlug.

Strukturierte Daten

Bekannte zu treffen, ist aber nur eine Möglichkeit eines Netzwerkes. Eine viel wichtigere ist, neue Menschen zu finden – nach selbst gewählten Kriterien. Das ist nun möglich – und zwar indem man als Nutzer nach einer Auswahl ganz bestimmter Leute fragt. Das Magazin Wired zitiert Firmengründer Mark Zuckerberg mit den Worten: "Menschen nutzen Suchmaschinen, um Fragen beantwortet zu bekommen. Aber wir können Fragen beantworten, auf die niemand sonst eine Antwort kennt."

Kai Biermann
Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Team Investigativ/Daten bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Angesichts dieser Erkenntnis kann man es nicht oft genug sagen: Es ist ein Wunder, dass es erst jetzt geschieht, acht Jahre nach Gründung des Unternehmens.

Facebook ist nicht wie der Rest des Netzes, die Daten der Seite sind strukturiert. Google und Bing müssen, wenn ihre Algorithmen etwas suchen, zuerst die Bedeutung des Gefundenen erkennen und anschließend beurteilen, wie wichtig es für den Suchenden sein könnte. Klassisches Beispiel: Gibt jemand "Jaguar" in das Suchfeld, sucht er dann Autos oder Tiere? Und welche Seiten sollten ihm daher präsentiert werden?

Inzwischen gibt es Algorithmen, die so etwas können, und die Hürde ist nicht mehr so hoch wie vor einigen Jahren, trotzdem ist es eine komplexe Aufgabe.

Leserkommentare
    • Cyrano
    • 16. Januar 2013 22:24 Uhr

    Als Leser der Meldungen zur "Suchmaschine" von Facebook frage ich mich, wo der Neuigkeitswert liegt. Eine Suchmaschine für Facebook-Profile gibt es schon seit knapp 6 Jahren:"Profileengine.com" Mit ihrer Hilfe lassen sich Facebook-Profile durchsuchen. Näheres unter: http://profileengine.com/...
    Vielleicht hätte man auf diese Seite ebenfalls eingehen und die Unterschiede herausarbeiten können. So aber bleibt ein schaler Beigeschmack und die Hoffnung, in der Printausgabe der FAS oder auch FAZ in Zukunft Fundierteres zur Thematik lesen zu können.

  1. ...ist: Der Markt für die menschlich begrenzte Auffassung und Aufmerksamkeit zersplittert. Die traditionellen Meinungsmacher der Medien verlieren dadurch an Bedeutung. Sogenannte "sozial-digitale" Netze und Medien wie Blogs konkurrieren mit den Kommerziellen. Die Kommerziellen verlieren, die Graswurzel-Vernetzten gewinnen.

    Wie sogenannte "Gebildete Kreise" politische Äußerungen wie Graffiti - besonders an den eigenen Wänden - abscheulich finden, so verabscheuen gebildete Leserbrief-Verfasser den mental-mediokren Meinungs-Mob bei Facebook.

    Das geht mir nicht anders. Wer mir allerdings bei Facebook was zu sagen hat, der hat mir auch zuvor in der "realen Welt" schon seine Meinung gesagt.

    Erhard Thomas

  2. ist sehr gut in schaffung von nutzloser arbeit.genauso gut könnte man menschen löcher graben lassen und danach wieder zu schütten, der selbe effekt. das alles schafft keinen realen mehrwehrt, sondern trägt nur dazu bei das die reichen noch reicher werden.

    • GDH
    • 17. Januar 2013 15:26 Uhr

    "Das ist allerdings keine Frage des Datenschutzes, sondern nur der Entscheidung an diesem Netzwerk teilzunehmen, oder nicht."

    Das ist nicht ganz richtig. Die Systematik des BDSG sieht durchaus vor, dass für Quasi-Monopolisten andere Regeln gelten.
    Z.B. in $28 Abs. 3b:
    "[...] darf den Abschluss eines Vertrags nicht von einer Einwilligung [...] abhängig machen, wenn dem Betroffenen ein anderer Zugang zu gleichwertigen vertraglichen Leistungen ohne die Einwilligung nicht oder nicht in zumutbarer Weise möglich ist."

    In so fern: Es ist schon eine Frage des Datenschutzes aber ich gebe Ihnen Recht, dass es besser ist, es garnicht so weit kommen zu lassen, dass Platformen im Besitz einzelner Firmen derartige Bedeutung zufällt.

    • Airis
    • 17. Januar 2013 23:22 Uhr

    In einem sehr frühen Stadium seines FB-Konzepts wurde M.Zuckerberg gefragt, wieso ihm bzw. des von ihm kontrolliertem (anti)sozialem Netzwerk eigentlich fremde Menschen sehr persönliche Dinge anvertrauten. Er erwiderte kalt und lapidar: "Weil das alles "Trottel" sind".

    Jeder, der sich nur minimal ein wenig mit Psychologie beschäftigt hat, weiß, dass Psychopathen JEDEN anderen Menschen als "Trottel" bezeichnen, der ihnen vertraut. Und da das aus der Sicht des Psychos eben alles eh dumme Trottel sind, haben sie es auch nicht besser verdient als veräppelt und ausgebeutet zu werden.

    Solche Infos stehen natürlich nicht in der BRAVO etc. oder in einfachen Tageszeitungen und auch nicht in der Bildzeitung. Aber wer liest schon regelmäßig die WiWo, die FAZ, die ZEIT, den SPIEGEL? Nicht unbedingt die FB-Zielgruppe.

    Ich selbst bin kein FB-Nutzer und war es nie. Mir ist aber durchaus bewusst, dass durch Freunde, Bekannte, Geschäftspartner, die bei FB sind, auch ein Teil meiner Daten bekannt sein dürfte. Nicht etwa, weil sie diese "bewusst" an FB übertragen haben, sondern einfach deshalb, weil FB die Nutzereinstellungen so kompliziert versteckt und verklausuliert hat, dass die Meisten schon bei ihrer Anmeldung einen Zugriff auf die eigenen Daten zulassen - ohne sich dessen bewusst zu sein.

    [...] Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    • Airis
    • 18. Januar 2013 0:15 Uhr

    Regeln und Nutzungsbedingungen ändern kann ja okay sein - soweit man entsprechend darüber informiert wird und die Möglichkeit hat, diesen NEUEN Regeln zuzustimmen oder sie abzulehnen. Das ist bei FB aber nicht gegeben. FB VERSTECKT neue Nutzungsbedingungen extrem geschickt, so dass sie fast NIEMAND bemerken kann! Und WER es bemerkt und damit nicht einverstanden ist, hat nur eine Wahl: Account kündigen.

    Interessant, etwas verstörend und ein wenig beängstigend ist, dass obwohl allgemein die Macht und die Nichtbeachtung von jeglichem Datenschutz von FB international bekannt sind, diesem Treiben kaum Einhalt geboten wird.

    Ganz im Gegenteil. Ob Schulen, Unis, Unternehmen, Parteien, Fernsehanstalten, Zeitungen, Verlage, Plattenfirmen etc. - Fast ALLE sind mittlerweile auf FB vertreten und die meisten Aktivitäten vorgenannter Institutionen können fast nur noch über FB abgewickelt bzw. organisiert werden (Treffen, Feste, Versammlungen, Veranstaltungen etc.) Es besteht also mittlerweile ein gewisser gesellschaftlicher "ZWANG", bei FB zu sein. Wer das nicht ist, macht sich "irgendwie verdächtig". Denn: Wer nichts zu verbergen hat, kann bzw. MUSS ja auch komplett ALLES aus seinem Leben lückenlos preisgeben! Wie sagte Eric Schmidt von Google einst so schön totalitär: "Don´t be evil"... Was Du nicht willst, was man von Dir im Netz sieht, unterlass es lieber! (so sinngemäß - gab mal vor ca. 2 Jahren einen sehr guten Spiegel-Artikel darüber).

    • Airis
    • 18. Januar 2013 0:47 Uhr

    Auf den Punkt gebracht hat es hier GDH mit:
    "Außerdem ist ab einer gewissen Verbreitung die Tatsache, dass jemand dort NICHT zu finden ist, auch eine relevante Information".

    Mittlerweile kehrt sich nämlich alles komplett um. Wer sich FB, Google etc. einfach verweigert, wird automatisch "verdächtig"! Der hat ja wohl was zu verbergen! Buh! Der ist wahrscheinlich kriminell! Bäh!

    Schon ziemlich krank und gestört, dass man sich "mit normalem und gesunden Menschenverstand ausgestattet" bald nicht mehr so einfach irgendwelchen Psychopathen/Soziopathen " und deren Systemen und Netzwerken verweigern darf" ohne selbst als "verdächtig" oder gar "gestört" bzw. "antisozial" zu erscheinen.

    Was heute - eher gestern - noch als "sozial" galt, ist morgen vielleicht schon "antisozial", da das "Soziale" immer das Groh einer Gesellschaft ausmacht. Wenn man sich heute so umsieht, egal in welchen Kreisen, ob bei Politikern, Bankern, Unternehmen, Adel, in allen anderen Schichten - so entwickelt sich aus meiner Sicht überall eher ein "asoziales Verhalten" , welches teilweise bereits heute schon "salonfähig" ist - siehe viele Politiker, Banker, Manager, Pop- und Filmstars etc. Gruselig.

    Aber: Die meisten Menschen machen freudig und freiwillig mit. Schöne neue Welt und 1984 lassen fröhlich grüßen - aber davon hat die heutige Zielgruppe der relevanten Unternehmen wohl noch nie was gehört ;-)

    Schade eigentlich, dass über solch wichtige und relevante Themen höchstens einen Tag diskutiert wird.

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  • Schlagworte Google | Thilo Weichert | Deutsche Bank | Bing | Facebook | Information
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