Graph SearchFacebook macht die Profilbildung zum Suchprinzip

Graph Search heißt die neue Suchfunktion von Facebook. Profilinformationen dienen als Filter. Sie lassen sich beliebig kombinieren. Dadurch entstehen ganz neue Muster. von 

Mark Zuckerberg bei der Vorstellung von Graph Search

Mark Zuckerberg bei der Vorstellung von Graph Search  |  © Stephen Lam/Getty Images

Seit Jahren gibt es in der Kopfleiste der Facebookseite ein weißes Suchfenster. Und genauso viele Jahre lang hat der Konzern dieses Fenster nahezu ignoriert. Nach Namen ließ sich dort stöbern. Nach mehr aber nicht.

Am heutigen Dienstag, acht Jahre nach dem Start des Netzwerks, hat Facebook nun endlich eine Suchfunktion bekommen, die den Namen verdient.

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Doch wer – durch lange Googlenutzung dazu erzogen –, dort nun einfach ein Wort eingibt, wird schnell verwirrt sein. Facebook durchsucht nicht das Netz, sondern nur sich selbst. Die Suche ist daher um die Funktionen der Seite herum gebaut.

Den Strom an Daten, den ein einzelner Nutzer generiert, nennt Facebook "Graph", die Suchfunktion deshalb "Graph Search". Sie sei keine web search, sagte Firmengründer Mark Zuckerberg während der Vorstellung in Kalifornien. Denn der Algorithmus ist an die Kategorien und Felder gebunden, von denen es in Facebook so viele gibt. Diese funktionieren nun wie Filter für die Daten.

Freunde, die gern kochen

So ist eine Suche nach allen in der Freundesliste, die Kochen als Hobby angegeben haben, problemlos möglich. Die Ergebnisliste kann anschließend weiter eingeschränkt werden, beispielsweise um die Frage, wer davon schon einmal einen Kochkurs besucht hat oder wer in München wohnt. Eine Suche nach dem Schlagwort Kochen aber wird nicht viel bringen, schon gar keine Rezeptsammlung.

Und zum Beispiel die Worte "Jugendbilder" und "Freunde" werden ebenfalls nicht viel Sinnvolles zeigen. Der Term "Bilder meiner Freunde vor 1990" hingegen sucht genau diese hervor. Natürlich nur, wenn die Freunde auf den Bildern vor 1990 ein entsprechendes Alter hatten.

Natürlich werden damit auch andere Suchmuster möglich: Nach dem Beziehungsstatus "Single" und anderen Merkmalen zu filtern, ist sicher für viele interessant und könnte aufgrund der enormen Datenbasis Partnerseiten bald Probleme machen. Auch die gezielte Bewerbersuche für einen Job ist nun vorstellbar.

Google nutzt als indirekten Hinweis darauf, wie relevant eine Seite ist, die Verlinkungen, die auf sie zeigen. Facebook hat dafür die Likes und andere Interessenbekundungen. Sie dienen nun dazu, die Wichtigkeit eines Ergebnisses für den Suchenden einzuschätzen.

Wer suchen will, muss in Facebooks Kategorien denken

Welches Ergebnis eine Graph-Suche bringt, hängt also stark vom eigenen Verhalten ab. Wer sich wenig in dem Netzwerk bewegt und Freunde hat, die ebenfalls wenig aktiv sind, wird kaum von dem Instrument profitieren. Wer viel klickt, liked und teilt, könnte das System dagegen auch wie einen Lokalisierungsdienst nutzen und es zum Beispiel fragen, welches vietnamesische Restaurant in der Nähe ist, das Freunde empfohlen haben.

Wer in Facebook suchen will, muss also zuerst einmal in Facebooks Kategorien denken. Das kann zu interessanten Ergebnissen führen. Denn über eine solche Suche wird letztlich ein Profil gebildet. Faktor a und Faktor b werden kombiniert, alle Menschen, Bilder oder Seiten, die in diese Schnittmenge passen, werden angezeigt.

Vadim Lavrusik, der bei dem Konzern den Titel Journalist Program Manager trägt, schrieb in einem offiziellen Eintrag mit dem Titel "How Journalists Can Use Facebook Graph Search for Reporting":

"With more than 240 billion photos on Facebook, Graph Search makes it easier to find public photos and filter the results, such as finding photos posted within a specific location (as broad as photos within a city to photos posted at a specific landmark based on location tags from users). This could serve as a great tool during breaking news situations."

Leserkommentare
  1. jetzt mit erweiterten Suchmöglichkeiten, die manuell irgendwo zwischen nett und harmlos anzusiedeln sind.

    Gleichwohl will Faceboko ja auch Geld verdienen. Was manuell geht, kann auch automatisert werden. Ich kann mir vorstellen, dass ein paar Firmen mit hoher FB Affinität gerne dafür bezahlen, die Daten gezielter zu nutzen als bisher einfach Likes zu zählen.

    Wie das gegen Google geht, verstehe ich nicht recht. FB Content hat Google doch nur sehr begrenzt auf der Reihe.

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    • dp80
    • 16. Januar 2013 11:01 Uhr

    "Wie das gegen Google geht, verstehe ich nicht recht. FB Content hat Google doch nur sehr begrenzt auf der Reihe."

    Wenn der FB Content ausreicht, um dein Informationsbedürfnis zu stillen, dann wirst du in Zukunft zunächst bei FB suchen und evtl. gar nicht mehr bei Google.

    Durch die soziale Nähe deiner FB-Freunde sind Informationen der FB-Suche besser auf dich zugeschnitten als das allgemeine Googlen. Beispiel: Ich suche Tipps zu einer Reise nach Thailand. Ich kann nun entweder Googlen und mir Tipps auf Tripadvisor von "thailandfreak85" durchlesen, oder eben auf FB suchen, ob einer meiner Freunde schon mal dort war (oder in Zukunft vielleicht, ob einer meiner Freunde jemanden kennt, der schon mal dort war etc.). Den Freunden vertraue ich bei ihren Reisetipps mehr als anderen.

    So zumindest die Theorie.

  2. ... wie wenig Kommentatoren hier das Phänomen Facebook verstehen. Ist ja nicht schlimm - aber zu bemeckern, was man selber nicht versteht und auch selber nie benutzen würde, ist auch nicht sehr erhellend.

    Nur mal so:
    - 1 Milliarde Menschen auf Facebook
    - 240 Milliarden Photos auf Facebook
    - über 1000 Milliarden Links auf Facebook

    Alles nur "Opfer"?

    Eine Leserempfehlung
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    nur rhetorische Fragen stellen, ist eine Art von Kommentar der schwer zu verdauen ist.

    Wenn also nicht nur Opfer dann sind FB user auch...
    Warum?
    Was hat das mit dem Artikel zu tun?

    • sinta
    • 16. Januar 2013 8:35 Uhr

    Was mich jetzt mal interessieren würde ist folgendes:
    Wieviele von den 1 Milliarde Accounts sind wirklich aktive Accounts?

    "240 Milliarden Photos auf Facebook" - diese Anzahl an Fotos finde ich jetzt auch nicht wirklich verwunderlich, man kann ja am Tag locker selber 20 Fotos einstellen, das läuft dann nach dem Motto: Das ist meine Katze, sie schläft gerade. 3 Minuten später: Meine Katze hat sich gerade umgedreht. Jetzt isst sie was. Schaut mal, ich habe ihr einen kleinen Hut aufgesetzt, total süß. Meine neue Pflanze. Heute war ich in der Stadt, habe mir bei LirumLarum was auch immer gekauft usw.
    Ebenso die vielen Links - die sind teilweise an Banalität nicht zu toppen - gerade wenn man sich anschaut, was am liebsten verlinkt wird: Fliegende Katze schlägt Weltuntergang - http://www.spiegel.de/net...

    Ich verstehe das Phänomen 'Facebook' schon, es ist halt auf Dauer nicht wirklich interessant für das eigene Leben. Denn irgendwann gehen selbst mir, die ich Katzen wirklich gerne mag, diese ganzen Katzenbilder auf den Keks. ;)

  3. nur rhetorische Fragen stellen, ist eine Art von Kommentar der schwer zu verdauen ist.

    Wenn also nicht nur Opfer dann sind FB user auch...
    Warum?
    Was hat das mit dem Artikel zu tun?

    Antwort auf "es ist erschreckend..."
    • sinta
    • 16. Januar 2013 8:35 Uhr

    Was mich jetzt mal interessieren würde ist folgendes:
    Wieviele von den 1 Milliarde Accounts sind wirklich aktive Accounts?

    "240 Milliarden Photos auf Facebook" - diese Anzahl an Fotos finde ich jetzt auch nicht wirklich verwunderlich, man kann ja am Tag locker selber 20 Fotos einstellen, das läuft dann nach dem Motto: Das ist meine Katze, sie schläft gerade. 3 Minuten später: Meine Katze hat sich gerade umgedreht. Jetzt isst sie was. Schaut mal, ich habe ihr einen kleinen Hut aufgesetzt, total süß. Meine neue Pflanze. Heute war ich in der Stadt, habe mir bei LirumLarum was auch immer gekauft usw.
    Ebenso die vielen Links - die sind teilweise an Banalität nicht zu toppen - gerade wenn man sich anschaut, was am liebsten verlinkt wird: Fliegende Katze schlägt Weltuntergang - http://www.spiegel.de/net...

    Ich verstehe das Phänomen 'Facebook' schon, es ist halt auf Dauer nicht wirklich interessant für das eigene Leben. Denn irgendwann gehen selbst mir, die ich Katzen wirklich gerne mag, diese ganzen Katzenbilder auf den Keks. ;)

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "es ist erschreckend..."
  4. "Facebook ist schon weitestgehend in unseren Alltag integriert und wird erst mit dem Gesamtsystem untergehen."

    Sag ich doch ;-)

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "@ Danvomit"
  5. Facebook in den Himmel zu loben ist einfach nur naiv.

    Auf der anderen Seite sind das die, welche am lautesten schreien wenn der Staat ankündigt per Gesetz unsere Daten zu verticken...

    4 Leserempfehlungen
  6. Vor einem halben Jahr hatte ich auch denk Gedanken das FB durch Schnick-schnack zu komplex wird.

    Anfangs war es so...

    Jetzt ist meine Einschätzung das Facebook echt genial wird. Viele Tools sind praktisch und ich nutze nur das was ich brauche. Apps habe ich gar keine installiert, auch keine Spiele. Die Gruppen zum, Beispiel sind absolut genial, kann mir kaum eine bessere Groupware vorstellen.

    Die Graph Search ist eine konsequente Weiterentwicklung und war nur eine Frage der Zeit und bin mal gespannt wie ich diese für mein Studium einsetzen kann und nach welchen Gesichtpunkten ich meine Kommilitionen durchsuchen kann.

    Eine Leserempfehlung
    • dp80
    • 16. Januar 2013 11:01 Uhr

    "Wie das gegen Google geht, verstehe ich nicht recht. FB Content hat Google doch nur sehr begrenzt auf der Reihe."

    Wenn der FB Content ausreicht, um dein Informationsbedürfnis zu stillen, dann wirst du in Zukunft zunächst bei FB suchen und evtl. gar nicht mehr bei Google.

    Durch die soziale Nähe deiner FB-Freunde sind Informationen der FB-Suche besser auf dich zugeschnitten als das allgemeine Googlen. Beispiel: Ich suche Tipps zu einer Reise nach Thailand. Ich kann nun entweder Googlen und mir Tipps auf Tripadvisor von "thailandfreak85" durchlesen, oder eben auf FB suchen, ob einer meiner Freunde schon mal dort war (oder in Zukunft vielleicht, ob einer meiner Freunde jemanden kennt, der schon mal dort war etc.). Den Freunden vertraue ich bei ihren Reisetipps mehr als anderen.

    So zumindest die Theorie.

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    Also die Reise nach Thailand, ok. Aber Informationen, die ich auf Wikipedia vermuten würde - erfahre ich die dann innerhalb Facebook quasi über Hörensagen?

    Ich kenne jemand, der hat schon mal in Wikipedia gefunden, dass...

    Einkaufen/Preise, Reise/Stau, Flug/Status, Nachrichten - eigentlich das komplette Internet ist nicht in FB ausser privater Chat. Viel ist das nicht.

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  • Schlagworte Google | Facebook | Ass | Privatsphäre | Kalifornien | München
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