UrheberrechtAbmahnung wegen eines Bildchens auf Facebook

Wer bei Facebook einen Link teilt, achtet besser darauf, ob Facebook ein Bild anfügt – es könnte zu einer Abmahnung führen. Eine Abmahnwelle ist aber nicht zu befürchten. von 

Ein Miniaturbild auf Facebook soll plötzlich 1.800 Euro kosten? Das ist eine Menge Geld für einen kleinen Pixelhaufen. Eine Firma aus Deutschland aber soll diese Summe zahlen. Sie hatte auf der Pinnwand ihrer Facebook-Seite einen Artikel geteilt. Dabei zeigt Facebook standardmäßig das Foto zum Artikel in einer Miniaturansicht an – und für diese Verwendung soll die Firma nun zahlen. Das berichtet der Rechtsanwalt Frank Weiß in seinem Blog.

Es ist der erste derartige Fall. Miniaturbilder fügt Facebook automatisch einem Link hinzu, wenn zum Beispiel jemand den Artikel einer Nachrichtenseite mit seinen Freunden teilt oder einen Kommentar mit einem Link versieht. In diesem Fall wehrt sich die Urheberin eines solchen Bildes gegen diese Verwendung, nämlich die Fotografin. Sie hatte ihre Bilder bei der Foto-Plattform Pixelio veröffentlicht. Deren Nutzungsbedingungen zufolge müssen die Namen der Fotografen aber bei jeder Verwendung der Fotos mit angegeben werden. Das hatte die Firma versäumt; so wie es auch Millionen Nutzer täglich auf ihren Seiten tun. Die Kanzlei Pixel.Law mahnte daraufhin die Firma ab.

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Gerichtsurteile der letzten Zeit zeigen immer wieder, wie schnell hier die Grenze zur Illegalität im Netz verschwimmt. So wurde auch die öffentliche Verwendung von Bildern in einem RSS-Feed als Verstoß gegen das Urheberrecht angesehen. Im Fall der Miniaturbilder bei Facebook wäre die naheliegende Lösung, einfach auf die Bilder zu verzichten. Facebook fügt sie in der Standardeinstellung jedoch jedem Beitrag hinzu. Wer die Vorschau verhindern möchte, klickt auf "Vorschau entfernen" ("remove preview"). Bei einem Kommentar ist das nur nach Veröffentlichung des Links möglich. Für eine Moment ist das Vorschaubild also sichtbar. Der aktuelle Streit sollte privaten Nutzern dennoch keine Sorge bereiten.

Das sieht jedenfalls Rechtsanwalt Till Kreutzer vom Urheberrechtsportal irights.info so. "Eine Abmahmung ist zunächst eine Behauptung, dass Rechte verletzt sind", sagt Kreutzer. Im Gegensatz zum Urteil ist die Abmahnung also nicht bindend, sondern eine einfache Forderung.

Was müssen Nutzer wissen und was nicht?

Dass die Kanzlei Pixel.Law wirklich vor Gericht zieht, ist aber unwahrscheinlich. Nach eigenen Angaben wird der Großteil ihrer Fälle außergerichtlich beigelegt.

Dennoch lohnt es sich, den Rechtsfragen nachzugehen. Denn auch wenn es zu einem Verfahren kommt, ist der Ausgang nicht so klar, wie es manche Kanzlei gerne hätte. Vor Kurzem erst gab es eine ähnliche Entscheidung des Bundesgerichtshof bei Google. Auch dort ging es um Miniaturbilder: Google durchsucht ständig die Seiten im Netz und fragt die Inhalte ab. Wer die Suchmaschine benutzt, bekommt in der Bildersuche oder der Seitenvorschau dadurch ebenfalls kleine Vorschaubilder angezeigt. Die Richter sahen in diesem Fall keine Urheberrechtsverletzung. Der Grund: Wer eine Seite betreibt, kann in der Datei robots.txt einstellen, was Google verwenden darf. Nehmen Unternehmen diese Chance nicht wahr, ist es im Netz nach Ansicht der Richter durchaus vorhersehbar und üblich, dass Maschinen nach neuen Seiten suchen und das entsprechende Bild übernehmen.

Dasselbe könnte auch für Facebook gelten. Zwar nutzt Facebook eine andere Technik als Google. Die Grundfrage aber bleibt die gleiche: Über welche Vorgänge und Prinzipien muss ein Nutzer im Netz Bescheid wissen und über welche nicht? Wie in jedem Rechtsraum müssen auch hier gewisse Dinge vorausgesetzt werden können. In diesem Fall ist das die Tatsache, dass Facebook die Miniaturbilder automatisch verwendet – unabhängig davon, ob und wie die Urheber genannt werden müssen.

Leserkommentare
    • Infamia
    • 10. Januar 2013 13:48 Uhr

    "Ich werde unter anderem deshalb bei der nächsten Wahl die Konsequenzen ziehen und die Piratenpartei wählen. Alleine schon um auf die anderen Parteien Druck auszuüben, sich solcher Themen mal anzunehmen."

    Das nennt man dann eindimensionale Betrachtungsweise. Was ist mit den anderen Themen, die Ihr und mein Leben beeinflusst, auf die die Piraten allerdings so gut wie keine Antwort haben? Mir waren und sind Einthemenparteien schon immer zuwider. So wichtig ich Tierschutz finde, so unwichtig finde ich doch die Tierschutzpartei. Und so wichtig mir das Thema Steuern als Steuerzahler auch ist, die Einthemenpartei FDP ist mir dann doch deswegen nicht wählbar genug.

    Antwort auf "Was dagegen tun?"
  1. dass Verlinkungen ok sind oder sogar gewünscht, ist das so lange ok, wie die verlinkten Inhalte auch tatsächlich verlinkt werden dürfen. Wenn Zeit Online aber etwas veröffentlichen sollte, was sie selbst nicht veröffentlichen dürfen, wird es schwieriger. Der einzige Weg umd das dann stoppen zu können, ist letztlich auch, diejenigen, die die Inhalte teilen, mit in die Verantwortung zu nehmen, denn sonst kann ja irgendwer einen Inhalt ins Netz stellen und das ist die Begründung, warum das millionenfach erlaubt sein soll. Der Hauptverursacher wäre Zeit Online und damit müsste ein etwaiger Schadesersatz bei denen höher sein, als bei kleinen Internetseiten. Der Verweis, dass es ja Werbung für die Personen ist, zählt nicht generell. Denn es kann ja aus deren Sicht auch Negativwerbung sein.
    So sehe ich das zumindest, unabhängig davon, welche Rechtssprechungen es irgendwo schon zu dem Thema gegeben hat.

    Antwort auf "Abmahnungen"

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  • Schlagworte Google | Urheberrecht | Abmahnung | Blog | Bundesgerichtshof | Facebook
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