TelekommunkationIntel drängt ins afrikanische Smartphone-Geschäft

SAP, IBM und Intel entdecken den afrikanischen Markt. Es locken hohe Absatzzahlen und langfristiges Wachstum. Das Problem: Chinesische Firmen sind längst da. von 

Am vergangenen Donnerstag hat Intel sein neues Smartphone vorgestellt. Es heißt Yolo, hat ein kleines Display und eine durchschnittliche Kamera. Gegen die Premium-Modelle von Samsung und Apple hat es keine Chance. Aber das muss es auch nicht. Denn Intel hat das Smartphone nicht für den westlichen Markt entwickelt. Das Yolo geht in das Rennen um eine Milliarde potenzieller Nutzer in Afrika.

Der Kontinent galt für viele Investoren lange als nicht lukrativ. Die wenigen mobilen Nutzer benötigten lange Zeit allenfalls kleine Budget-Telefone. Tatsächlich sind es noch immer die schlichten Modelle von Nokia und Samsung, die hier am häufigsten verkauft werden. Trotzdem stimmt das pauschale Urteil nicht mehr.

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Heute werden in Afrika 821 Millionen Geräte genutzt; die Zahl der afrikanischen Internetnutzer ist 2012 auf 167 Millionen Menschen gestiegen. In Ländern, wie Kenia, Nigeria, Ruanda und Südafrika gibt es verhältnismäßig stabile Regierungen, eine wachsende Mittelschicht und erste Technologie-Cluster.

Diese Länder zählen neben denen der BRIC-Gruppe – also Brasilien, Russland, Indien und China – zu den vielversprechendsten Märkten der Welt. Im vergangenen Jahr wuchs die Sub-Sahara-Region im Schnitt mit 4,6 Prozent. Die Unterschiede von Land zu Land sind dabei immens. Während in Kenia inzwischen mehrere Unterseekabel das Land mit der Welt verbinden, ist das Nachbarland Somalia nahezu isoliert.

Chinesische Unternehmen investieren hier seit Jahren 

Die afrikanische Mittelschicht aber wird insgesamt größer und sie hat Bedürfnisse, zu denen heutzutage ein Smartphone gehört. Das haben nun auch die letzten großen Telekommunikationsunternehmen entdeckt.

Dass Intel in den afrikanischen Markt mit einem eigenen Modell voranschreitet, hatten viele nicht erwartet. Zu den Pionieren im afrikanischen Markt zählt Intel deswegen aber nicht. Die chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei und ZTE investieren hier seit Jahren.

Die beiden Unternehmen gehören mit ihren Absatzzahlen im vierten Quartal 2012 zu den fünf größten Smartphone-Herstellern der Welt. Huawei wuchs dabei im Vergleich zum Vorjahr um fast 90 Prozent. ZTE und Huawei haben in ihrem chinesischen Heimatmarkt gelernt, worauf es in Entwicklungsmärkten ankommt: eine breite Palette günstiger Einsteiger-Smartphones mit solider Grundausstattung. Nun transportieren sie ihre Ideen und Produkte nach Afrika.

Huawei hat früh das Potenzial des afrikanischen Markts erkannt und investiert, sei es in Kenia oder in Äthiopien beim Ausbau des Mobilfunknetzes. ZTE und Huawei unterhalten heute in nahezu jedem afrikanischen Land einen Firmenstandort und verkaufen ihre Handys zusammen mit lokalen Netzanbietern wie Safaricom.

Das Vorzeigeland der rasanten technologischen Entwicklung ist weder Südafrika noch Ägypten oder Marokko. Es ist Kenia. Trotz turbulenter Wahlen im Jahr 2007, Korruption und Konflikten zwischen verschiedenen Ethnien ist es Kenia gelungen, die Hauptstadt Nairobi zu einem Magnet für Technologie-Konzerne zu machen.

Der Grundstein dafür wurde 2007 gelegt. Damals verhandelte die Regierung mit anderen afrikanischen Ländern darüber, wann und wie ein Unterseekabel verlegt werden soll. Weil sich das zu lange hinzog, verließen die Kenianer die Gespräche und legten das Kabel binnen zweier Jahre selbst. Kenia hat heute das schnellste Internet aller afrikanischen Länder.

Etwa zur gleichen Zeit nahm der mobile Bezahldienst M-Pesa den Betrieb auf. Mit M-Pesa können Nutzer per Handy Geld überweisen. Mittlerweile bezahlen über 70 Prozent aller erwachsenen Kenianer über diesen Dienst ihre Rechnungen oder schicken ihren Familien auf dem Land Geld. Das Mobilfunknetz baute der kenianische Provider Safaricom 2004 zusammen mit Huawei aus.

SAP kauft sich in Nigeria ein

Nahezu jedes große IT-Unternehmen hat mittlerweile in Nairobi einen Standort. IBM hat 2012 in der Hauptstadt ein Research Lab eröffnet, um als Joint Venture mit Entwicklern vor Ort Probleme wie den chaotischen Straßenverkehr zu bewältigen. Was heute noch wie Entwicklungshilfe aussieht, ist  längst mehr. Für IBM ist das Research Lab Teil einer Wachstumsstrategie. IBM erwartet, dass der afrikanische IT-Markt bis 2015 einen Umfang von 12,5 Milliarden US-Dollar erreicht. Daran könnte der Konzern gut mitverdienen, denn die Firmen, die im Umfeld Nairobis entstehen, brauchen Software und Computer. Beides kann ihnen IBM liefern. Der Konzern unterhält in Afrika mittlerweile zwanzig Standorte.

Auch für den Software-Konzern SAP ist der afrikanische Markt verlockend. Das Unternehmen schloss kürzlich mit Dangote einen Vertrag. Der nigerianische Konzern macht in Afrika Milliardengeschäfte und unterhält mehrere Firmen in insgesamt 14 afrikanischen Ländern. SAP wird Dangote mit Unternehmenssoftware ausstatten und so einen weiteren Markt neben Südafrika erschließen. Dort ist SAP bereits der führende Software-Anbieter für Unternehmen.

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Leserkommentare
  1. Wer zuletzt kommt den bestraft das Leben.

  2. sollten lieber den Kampf gegen die Hungersnot im Land unterstützen, anstatt "afrikanische Smartphone-Geschäfte" zu tätigen. Das Wort an sich ist schon pervers genug.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • DerDude
    • 31. Januar 2013 21:55 Uhr

    Als ob überall in Afrika Hungersnot herrschen würde.

    Es hat lange genug gedauert, aber die Globalisierung kommt endlich, so muss man es wohl sagen, auch in Afrika an. Und zwar in dem Maße, in dem Asien seinen Lohnvorteil einbüßt.

  3. Der verlinkte ZDNet-Artikel wird nicht korrekt wiedergegeben. SAP hat nicht das Unternehmen Dangote gekauft, sondern dieser Firma schlicht und ergreifend ihre Software ("Business Suite") verkauft. Damit ist der letzte Absatz des Artikels leider auch nicht ganz richtig...

  4. Redaktion

    Völlig richtig. Ich habe es korrigiert.
    Vielen Dank für den Hinweis und beste Grüße,

    Johannes Wendt

    • DerDude
    • 31. Januar 2013 21:55 Uhr

    Als ob überall in Afrika Hungersnot herrschen würde.

    Es hat lange genug gedauert, aber die Globalisierung kommt endlich, so muss man es wohl sagen, auch in Afrika an. Und zwar in dem Maße, in dem Asien seinen Lohnvorteil einbüßt.

    Antwort auf "SAP, IBM und Intel"

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  • Schlagworte SAP | Huawei | Kenia | Nokia | Mittelschicht | Provider
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