Maori-Tänzer, Frauen in Militäruniformen, laute Musik und große Worte: Es war eine für Kim Schmitz typische Inszenierung. Am Sonntagmorgen mitteleuropäischer Zeit präsentierte der gebürtige Kieler auf seinem Anwesen in Neuseeland vor rund 250 Journalisten sein neues Projekt, den Speicherdienst Mega. Es ist der Nachfolger des erfolgreichen Filehosters Megaupload, der auf den Tag genau vor einem Jahr von den Behörden abgeschaltet wurde.

Am 19. Januar 2012 stürmte eine Spezialeinheit das Haus des 39-jährigen Schmitz, der seit einigen Jahren unter dem Namen Kim Dotcom lebt. In einer vom amerikanischen Justizministerium geführten Aktion beschlagnahmten die Behörden zahlreiche Luxusgüter, Bankkonten und Computer. Schmitz und sieben weiteren Mitarbeitern von Megaupload wurden neben Urheberrechtsverletzungen auch Geldwäsche und die Gründung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Es war das abrupte Ende eines Dienstes, der zu Bestzeiten angeblich bis zu vier Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet ausmachte und mehr als 150 Millionen registrierte Nutzer zählte.

Doch schon wenige Monate später war vom vermeintlichen Schlag gegen das illegale Filesharing nicht mehr viel übrig. Zahlreiche Formfehler zeugten vor allem vom Versagen der Behörden. So wurde Schmitz unrechtmäßig vom neuseeländischen Geheimdienst abgehört, vertrauliche Dokumente hätten nie an das FBI weitergereicht werden dürfen. Im September entschuldigte sich der neuseeländische Premierminister öffentlich bei Schmitz, der inzwischen auch wieder Zugriff auf einen Großteil seines Vermögens hat. Mit Mega möchte er nun sein Comeback als selbsternannter Interneträcher geben. Nicht etwa um Hollywood oder bestimmte Regierungen zu verspotten, sondern einzig um sein Recht auf ein neues Geschäft durchzusetzen, sagte Schmitz auf der Pressekonferenz.

Der Dienst präsentiert sich bewusst nicht mehr als File- oder Sharehoster, sondern als "Cloud Storage" und "Privacy Company", also als Unternehmen für Privatsphäre. Eine reine Begrifflichkeit, möchte man meinen, doch wie bei fast jeder Aktion von Schmitz steckt dahinter Kalkül: Filehoster, das sind umgangssprachlich die dubiosen Anbieter, die größtenteils mit illegalen Inhalten ihr Geschäft machen. Mega dagegen möchte sich mit renommierten Diensten wie Dropbox, Google Drive oder Amazons Cloud Service messen.

Verschlüsselung bereits auf Nutzerseite

Und so erinnert Mega schon von seiner Benutzeroberfläche her an andere etablierte Speicherdienste. Die Dateiverwaltung ist schnörkellos, aber funktional: Nach der Anmeldung lassen sich Dateien und Ordner per Drag and Drop auf der virtuellen Festplatte erstellen und verschieben. Die Transfergeschwindigkeit war, jedenfalls bei Tests vor dem großen Nutzeransturm, durchaus passabel. Zum Auftakt läuft Mega ausschließlich im Browser, wobei das Unternehmen zur reibungslosen Nutzung Googles Chrome empfiehlt. Apps für mobile Endgeräte, wie sie Dropbox oder Google Drive anbieten, gibt es noch nicht.

Das Neue an Mega ist die sogenannte "End-to-End"-Verschlüsselung. Werden bei anderen Anbietern die Daten allenfalls nach dem Hochladen auf dem Server verschlüsselt, geschieht es bei Mega noch im Browser des jeweiligen Nutzers. Der Schlüssel, der dafür notwendig ist, wird bei der Anmeldung generiert und ist einzig dem Nutzer bekannt. Die Betreiber von Mega wissen demnach nicht, welche Daten am Ende auf ihren Servern schlummern – und können deshalb auch nicht für etwaige Verstöße gegen das Urheberrecht belangt werden. So lautet der Plan, den Schmitz nach eigenen Angaben mit einer "Armee von IT-Anwälten" ausgeheckt habe.

Anschließend können die Uploader einzelne Dateien oder Ordner mit anderen, registrierten Mega-Nutzern teilen, sie per Link verschicken oder in Tauschforen posten. Enthält der Link gleich auch den notwendigen Dekodierschlüssel, ist ein direkter Download für jedermann möglich. Das allerdings würde auch die Sicherheit des Systems ad absurdum führen: Denn ist der Link einmal öffentlich im Netz, können ihn natürlich auch Rechteinhaber finden – und eine manuelle Löschung der Inhalte per Formular beantragen.