So sicher die Dateien vor Einblicken auch geschützt sein mögen, anonym sind die Nutzer von Mega deshalb noch lange nicht. In den Geschäftsbedingungen weist Mega darauf hin, dass "Kommunikations-Logs, IP-Adressen, Verkehrsdaten und Informationen zur Website-Nutzung" gespeichert werden. Die werden an "autorisierte Wiederverkäufer und Diensteanbieter" weitergegeben. Und vermutlich auch an die Behörden, sollte ein Gerichtsbeschluss vorliegen. Auch hier unterscheidet sich Mega nicht von anderen Anbietern.

Die meisten Nutzer dürfte das nicht stören. Denn wer tatsächlich nur private und legale Dateien speichern möchte und sie mit vertrauten Personen teilt, bekommt mit Mega den zurzeit wohl sichersten Filehoster. Und das zu Konditionen, die als Kampfansage an die Konkurrenz zu verstehen sind: Jeder Nutzer bekommt 50 Gigabyte Gratis-Speicherplatz zugesprochen, für Gebühren zwischen 10 und 30 Euro pro Monat gibt es zwischen 500 Gigabyte und vier Terabyte zusätzlich. Zum Vergleich: Bei Dropbox kosten 500 Gigabyte Speicher rund 38 Euro pro Monat.

Der Auftakt verlief jedenfalls ganz nach Schmitz' Plan. Nur zwei Stunden nach der Vorstellung hatten sich bereits 250.000 Nutzer für den Dienst registriert, was die Server in die Knie zwang:

Weniger euphorisch gibt sich angesichts dieser Resonanz erwartungsgemäß die Unterhaltungsindustrie. Man müsse die Arbeitsweise des neuen Dienstes noch genauer untersuchen, sei aber angesichts der Vergangenheit von Kim Dotcom skeptisch, wird ein Sprecher des amerikanischen Lobbyverbandes MPAA zitiert. Dabei scheint Mega zum jetzigen Zeitpunkt nur mäßig attraktiv für illegales Filesharing im großen Stil zu sein. Das Unternehmen bemüht sich stattdessen, möglichst aufrichtig aufzutreten.

Bereits bei der Anmeldung müssen die Nutzer etwa bestätigen, keine urheberrechtlich geschützten Inhalte hochzuladen, und auch an anderen Stellen wird ausdrücklich darauf hingewiesen. Man respektiere das Urheberrecht und sei bestrebt, betroffene Dateien zu löschen. Nach einem mutmaßlichen "Copyright-Killer", wie das Gadget-Blog Gizmodo schrieb, klingt das nicht. Eher nach einem Unternehmen, das vor allem sich selbst absichern möchte, indem es die Verantwortung auf die Nutzer schiebt. Ein reiner Service-Provider eben.

Die Filesharing-Szene ist skeptisch

Und auch in der Filesharing-Szene gibt es Bedenken. Ein Punkt, über den sich Nutzer wundern, ist die Angabe der Bandbreite, die jeweils doppelt so hoch ist wie der Speicherplatz. Nutzer eines Gratis-Kontos mit 50 Gigabyte Speicherplatz hätten demnach 100 Gigabyte Bandbreite zur Verfügung. Jedoch ist unklar, was genau damit gemeint ist. Sollte es eine Volumenbegrenzung wie etwa beim Konkurrenten Rapidshare sein, würde das bedeuten, dass eine Datei mit einer Größe von einem Gigabyte lediglich 100 mal heruntergeladen werden könnte bevor das Limit erreicht ist – ob nun pro Tag oder pro Monat, sagt Mega nicht.

Dazu kommt, dass Mega im Gegensatz zu seinem Vorgänger und anderen Filehostern kein Bonusprogramm anbietet, in dem Nutzer für eine bestimmte Anzahl an Downloads mit Geldbeträgen belohnt werden. Genau dieses Geschäftsmodell kritisierten die Ankläger im Fall von Megaupload: Es sei "gezielt darauf ausgerichtet, populäre urheberrechtlich geschützte Inhalte hochzuladen", hieß es damals. Denn je beliebter der jeweilige Inhalt ist, desto mehr Geld bekommen die Uploader, die wiederum für ihren Premium-Account Geld an den Anbieter zahlen müssen. In einschlägigen Foren fragen sich die Filesharer bereits, ob sich Mega ohne solch ein "Belohnungsprogramm" überhaupt in der Szene behaupten kann. Auch die Tatsache, dass Mega keinen Remote-Upload, also das direkte Spiegeln von Daten auf externen Servern auf die Server von Mega zulasse, wird als Nachteil empfunden.

Weitere Mega-Dienste geplant

Es ist gut möglich, dass Mega all diese Funktionen noch für die Zukunft plant und eines Tages ähnliche Nutzerzahlen wie der Vorgänger erreichen wird. Möglicherweise ist Mega aber auch bloß der Versuch, durch geschickte Inszenierung die kommenden Projekte aus dem Hause Schmitz anzukündigen: Mit Megabox plant Schmitz seit Längerem einen Musikdienst, der das klassische Label-Modell umgehen will, indem es Künstler stärker an den Verkäufen beteiligt. Und kurz nach dem Start von Mega twitterte Schmitz einen Screenshot von Megamovie, einem möglichen Filmportal.

Obwohl es zu beiden Diensten noch keine weiteren Details gibt, scheinen sie näher an Schmitz' langfristigen Plänen zu sein, die Unterhaltungsindustrie aufzumischen, als es der Speicherdienst Mega könnte. Denn der wirkt auf den zweiten Blick vor allem mega-bieder.