FilesharingMega startet mit viel Getöse, aber wenig Funktionen

Mega, der neue Speicherdienst von Kim Schmitz, soll mit Dropbox, Google und Amazon konkurrieren. Ein "Copyright-Killer", wie manche den Dienst nennen, ist er aber nicht. von 

Mega-Show von Kim Schmitz

Die Mega-Show von Kim Schmitz  |  © MICHAEL BRADLEY/AFP/Getty Images

Maori-Tänzer, Frauen in Militäruniformen, laute Musik und große Worte: Es war eine für Kim Schmitz typische Inszenierung. Am Sonntagmorgen mitteleuropäischer Zeit präsentierte der gebürtige Kieler auf seinem Anwesen in Neuseeland vor rund 250 Journalisten sein neues Projekt, den Speicherdienst Mega. Es ist der Nachfolger des erfolgreichen Filehosters Megaupload, der auf den Tag genau vor einem Jahr von den Behörden abgeschaltet wurde.

Am 19. Januar 2012 stürmte eine Spezialeinheit das Haus des 39-jährigen Schmitz, der seit einigen Jahren unter dem Namen Kim Dotcom lebt. In einer vom amerikanischen Justizministerium geführten Aktion beschlagnahmten die Behörden zahlreiche Luxusgüter, Bankkonten und Computer. Schmitz und sieben weiteren Mitarbeitern von Megaupload wurden neben Urheberrechtsverletzungen auch Geldwäsche und die Gründung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Es war das abrupte Ende eines Dienstes, der zu Bestzeiten angeblich bis zu vier Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet ausmachte und mehr als 150 Millionen registrierte Nutzer zählte.

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Doch schon wenige Monate später war vom vermeintlichen Schlag gegen das illegale Filesharing nicht mehr viel übrig. Zahlreiche Formfehler zeugten vor allem vom Versagen der Behörden. So wurde Schmitz unrechtmäßig vom neuseeländischen Geheimdienst abgehört, vertrauliche Dokumente hätten nie an das FBI weitergereicht werden dürfen. Im September entschuldigte sich der neuseeländische Premierminister öffentlich bei Schmitz, der inzwischen auch wieder Zugriff auf einen Großteil seines Vermögens hat. Mit Mega möchte er nun sein Comeback als selbsternannter Interneträcher geben. Nicht etwa um Hollywood oder bestimmte Regierungen zu verspotten, sondern einzig um sein Recht auf ein neues Geschäft durchzusetzen, sagte Schmitz auf der Pressekonferenz.

Der Dienst präsentiert sich bewusst nicht mehr als File- oder Sharehoster, sondern als "Cloud Storage" und "Privacy Company", also als Unternehmen für Privatsphäre. Eine reine Begrifflichkeit, möchte man meinen, doch wie bei fast jeder Aktion von Schmitz steckt dahinter Kalkül: Filehoster, das sind umgangssprachlich die dubiosen Anbieter, die größtenteils mit illegalen Inhalten ihr Geschäft machen. Mega dagegen möchte sich mit renommierten Diensten wie Dropbox, Google Drive oder Amazons Cloud Service messen.

Verschlüsselung bereits auf Nutzerseite

Und so erinnert Mega schon von seiner Benutzeroberfläche her an andere etablierte Speicherdienste. Die Dateiverwaltung ist schnörkellos, aber funktional: Nach der Anmeldung lassen sich Dateien und Ordner per Drag and Drop auf der virtuellen Festplatte erstellen und verschieben. Die Transfergeschwindigkeit war, jedenfalls bei Tests vor dem großen Nutzeransturm, durchaus passabel. Zum Auftakt läuft Mega ausschließlich im Browser, wobei das Unternehmen zur reibungslosen Nutzung Googles Chrome empfiehlt. Apps für mobile Endgeräte, wie sie Dropbox oder Google Drive anbieten, gibt es noch nicht.

Das Neue an Mega ist die sogenannte "End-to-End"-Verschlüsselung. Werden bei anderen Anbietern die Daten allenfalls nach dem Hochladen auf dem Server verschlüsselt, geschieht es bei Mega noch im Browser des jeweiligen Nutzers. Der Schlüssel, der dafür notwendig ist, wird bei der Anmeldung generiert und ist einzig dem Nutzer bekannt. Die Betreiber von Mega wissen demnach nicht, welche Daten am Ende auf ihren Servern schlummern – und können deshalb auch nicht für etwaige Verstöße gegen das Urheberrecht belangt werden. So lautet der Plan, den Schmitz nach eigenen Angaben mit einer "Armee von IT-Anwälten" ausgeheckt habe.

Anschließend können die Uploader einzelne Dateien oder Ordner mit anderen, registrierten Mega-Nutzern teilen, sie per Link verschicken oder in Tauschforen posten. Enthält der Link gleich auch den notwendigen Dekodierschlüssel, ist ein direkter Download für jedermann möglich. Das allerdings würde auch die Sicherheit des Systems ad absurdum führen: Denn ist der Link einmal öffentlich im Netz, können ihn natürlich auch Rechteinhaber finden – und eine manuelle Löschung der Inhalte per Formular beantragen.

Leserkommentare
    • Plupps
    • 21. Januar 2013 17:29 Uhr

    Also ich sehe durchaus einen Bedarf für den legalen Gebrauch von Mega wegen der simplen Verschlüsselung - wenn es dann mal so funktioniert wie angedacht.

    ZU den Kopien: Sicher gibt es eine Menge Kids, die wenig Geld ausgeben wollen, aber auch eine Menge Leute die für Downloads eine Menge Geld raushauen. Da geht es darum, dass die Filme/Serien sehr schnell da sind. In Englisch oder in HD etc - meinetwegen auch um die "Piraten" Perspektive. Schaut man auf die Menge der Downloads kommen die sehr günstig an den Film, schaut man, was sie tatsächlich gucken, gar nicht so wenig.
    Wie dem auch sei, die Industrie ist bislang zu verstockt, um die Gruppe zu binden, und Mega wird - gesetzestreu oder auch nicht - genau diese Typen dazu bringen wollen, Pay Accounts einzurichten.

    Das sind schon mal minimal 100 Euro im Jahr pro Nase

  1. Es gibt allerdings doch eine Revolution, meine lieben Mitforisten.
    Bei großen Sharehostern wie ehemals Megavideo, Rapidshare etc. haben die Filmvertreiber die Möglichkeit, die Inhalte, welche von Nutzern hochgeladen wurden mit automatischen Programmen nach Urheberrechtsverletzungen zu durchsuchen (auch auf Youtube der Fall, bei Megavideo wurden hierdurch viele millionen Videos gelöscht).
    Jetzt müssen die Rechteverwerter aber immer wieder die einzelnen Links vorweisen, weil sonst niemand sagen kann, was sich auf den Servern befindet. Somit hat Mega nicht mehr die Möglichkeit, den Rechteverwertern bei der Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen zu helfen. Dies ist eine kleine Revolution, da sie ohne die Verschlüsselung auf Endgerät des Uploaders verpflichtet waren (dem Gesetz nach, sie mussten zeigen, dass sie gewillt sind, Urheberrechtsverletzungen zu bekämpfen) den Rechteverwertern zu helfen. Wie gesagt, jetzt haben sie hierzu nach geltendem Gesetz nicht mehr die Möglichkeit.
    Und es wird immer Wege geben, die Links nur ans Publikum zu verteilen und den Verwertern so ein Schippchen zu schlagen.
    Hoffe, ich habe geholfen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    #18 hat recht, das ist wesentlich.

    Mega bietet im übrigen auch ein Resellerprogramm an, an dem bekannte Releasegroups verdienen könnten, wenn sie ihre Fans dazu kriegen über sie Accounts zu kaufen. Damit wird das Risiko von Mega weg auf die Kreativität der Uploader verlagert.

    Zudem kann man sich mit seinem Server auch bei Mega bewerben und ein "Node" werden. Auch hier sichert sich Mega über die Verträge ab und wenns Ärger mit einem Node gibt, dann stoßen sie den halt ab.

    Eventuell könnte Mega auch die Partner-Server nach Auslastung bezahlen - dann wäre es für Uploader ein Modell dass sie einen Strohmann als Vermieter haben und durch ihren Content den Traffic auf diesem Server nach oben drücken - so würde Kohle an sie fließen: Der Serverbetreier ist ja nur Serverbetreiber für Mega und hat nichts mit dme Inhalt zu tun. Mega selbst kann den Inhalt ja auch nicht einsehen (siehe Post #18) - und Mega muss auch nicht mehr und bessere Server anschaffen, weil die Strohmänner der Uploader das ja für sie tun...

    Könnte das das Geschäftsmodell sein?

  2. #18 hat recht, das ist wesentlich.

    Mega bietet im übrigen auch ein Resellerprogramm an, an dem bekannte Releasegroups verdienen könnten, wenn sie ihre Fans dazu kriegen über sie Accounts zu kaufen. Damit wird das Risiko von Mega weg auf die Kreativität der Uploader verlagert.

    Zudem kann man sich mit seinem Server auch bei Mega bewerben und ein "Node" werden. Auch hier sichert sich Mega über die Verträge ab und wenns Ärger mit einem Node gibt, dann stoßen sie den halt ab.

    Eventuell könnte Mega auch die Partner-Server nach Auslastung bezahlen - dann wäre es für Uploader ein Modell dass sie einen Strohmann als Vermieter haben und durch ihren Content den Traffic auf diesem Server nach oben drücken - so würde Kohle an sie fließen: Der Serverbetreier ist ja nur Serverbetreiber für Mega und hat nichts mit dme Inhalt zu tun. Mega selbst kann den Inhalt ja auch nicht einsehen (siehe Post #18) - und Mega muss auch nicht mehr und bessere Server anschaffen, weil die Strohmänner der Uploader das ja für sie tun...

    Könnte das das Geschäftsmodell sein?

  3. Aha.

    Danke für die Erläuterung!

    Antwort auf "Kommt drauf an"
  4. Vorbemerkung: Jeder ist fuer sein tun selbst verantwortlich

    Folgendes sollten die möglichen Nutzer von Cloudsystemen aber beachten.
    Wo steht(Staatsgebiet) der Server?
    Welches Rechtssystem ist dem Land wo der Cloudserver steht gültig?
    Welchem Unternehmen überlassen Sie Ihre persönlichen Daten?
    Sie können sich darüber Gedanken machen. Wie sie sich dann entscheiden liegt dann allerdings in Ihrer Verantwortung.
    Es ist Ihre freie Entscheidung.

    Phoenix2001, die Unbestechlichen

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